Alle steigen auf Glasfaser um, nur wir nicht

  • Hallo zusammen, ich hoffe, die Frage wurde noch nicht gestellt (hab nichts finden können) und ist nicht allzu blöd. Sonst bitte löschen.


    Bei uns wird nun Glasfaser gelegt. Wir haben die Schreiben des großen blauen Anbieters ignoriert, das Haus gehört zum einem meinem Opa, zum anderen bin ich mit dem jetzigen 16k zufrieden, reicht auch für mein Homeoffice.


    Unsere naive Idee: wenn alle umsteigen, sollte unsere gute alte Kupferleitung zu Stoßzeiten ja wunderbar unbenutzt und daher schnell sein!? Oder haben wir nen Denkfehler?

    Vielen Dank im Voraus für hoffentlich nicht allzu vernichtende Antworten! :)


    P

  • Moin,


    ich nehme an du meinst DSL?


    Kurze Antwort: Nein.


    Lange Antwort:

    Theoretisch ja, praktisch eher nein.


    Bei DSL ist die mögliche Datenrate zum Großteil von der Länge der Kupferleitung abhängig. Dadurch das alle anderen Leute aus dem Dorf den Anbieter wechseln wird deine Leitung nicht länger ;). Des Weiteren ist DSL kein Shared Medium (zumindest auf TAL Seite nicht), sodass du dir die Bandbreite nicht mit den Nachbarn teilst im Gegensatz zum Coaxialkabelnetz.


    (Natürlich kann auch das Backbone deines ISPs überlastet sein, allerdings gehe ich davon erstmal nicht aus, sodass sich hier bei weniger Kunden nichts ändern würde. Solltest du beim Magenta Riesen sein, schließe ich das sowieso erstmal kategorisch aus).


    Was aber eine Rolle spielen kann, ist das sogenannte Übersprechen von im Boden parallel liegenden Leitungen. Wenn über viele dieser Leitungen parallel Daten fließen kann es zu gegenseitigen Störungen kommen. Dies wird inzwischen durch die Vectoring Technologie vermindert.


    Deine 16k Leitung kann jetzt über zwei Wege geschaltet werden:

    1. Du hast ein Full-Profile geschaltet (100/40+ bzw. 50/10+), sprich das was deine Leitung praktisch hergibst und wirst dann vom BNG der Telekom auf 16k gedrosselt. Da dies über Vectoring realisiert wirst profitierst du nicht von weniger Kunden.

    2. Du bist über ADSL2 geschaltet. Hier gibt es kein Vectoring. Mir ist allerdings nicht bekannt, das es hier bei zu vielen gleichzeitigen Nutzern zu so massiven Störungen kommt, das du das als Endnutzer in der Bandbreite praktisch merkst (verbessert mich gerne).


    Mit dem entsprechenden Equipment wirst du vermutlich bei weniger Kunden eine Verbesserung der Leitungsqualität feststellen, deswegen das "Theoretisch ja". Allerdings, behaupte ich mal, wirst du daraus keine signifikante Verbesserung deiner Leitung bekommen.


    Wenn du magst, kannst du einmal deine aktuellen Leitungsinformationen aus der Fritzbox (sofern du eine hast) schicken. Das wäre zur Einschätzung einfacher. Die findest du unter Internet -> DSL Informatin -> Reiter: DSL

  • Wie sich DSL-Anschlüsse gegenseitig beeinflussen, ist ein komplexes Thema. Zum Beispiel werden VDSL-Anschlüsse regelmäßig gebremst, damit ADSL-Anschlüsse überhaupt noch funktionieren. Das VDSL-Signal wird im Frequenzbereich von ADSL abgeschwächt gesendet ("Power Back-Off"), wodurch für VDSL nicht die volle Übertragungsleistung zur Verfügung steht. Die ADSL-Anschlüsse würden sonst von den stärkeren Signalen auf den kürzeren VDSL-Leitungen im selben Bündel zu stark gestört. An diesen Parametern kann gedreht werden, wenn sich die Leitungsbelegung ändert. Es ist also durchaus möglich, dass sich die Übertragungskapazität einzelner Leitungen mit der Zeit positiv oder negativ verändert.


    Es ist natürlich tragisch für den VDSL-Betreiber, wenn ausgerechnet ADSL-Nutzer an ihrem langsamen Anschluss festhalten und dafür weiter die Anschlüsse ihrer VDSL-Nachbarn ausgebremst werden müssen. Aber das ist die Kehrseite des Bestandsschutzes, für den FTTB mit G.fast zugunsten von VDSL nicht die volle Leitungskapazität nutzen darf. Die neuen FTTH-Anschlussnehmer kümmert das nicht: Die werden weder von ADSL noch von VDSL gestört.

  • vielen Dank euch für die klasse antworten.

    Das verstehe sogar (zum Teil) ich :)


    wir sind tatsächlich recht nah an so nem Verteiler-Kasten. Daher ist die Strecke wirklich nicht weit, ein Haus dazwischen.


    anbei Screenshots der dsl-Verbindung des magentafarbenen Anbieters:

  • Die Entfernung zum Verteilerkasten spielt für einen ADSL-Anschluss keine große Rolle, weil sich die Technik für ADSL in der Vermittlungsstelle befindet. Die Leitung bis dahin ist sehr viel länger. Ich verstehe, dass die Ansprüche an Internetanschlüsse verschieden sind, aber ich würde bei einem so langsamen Anschluss mit so vielen unkorrigierten Übermittlungsfehlern nicht bleiben. Die Fehler kann man beim Telefonieren wahrscheinlich sogar hören.


    Hier ist übrigens das Glasfaserforum. Für Tipps, wie man das Letzte aus alten Kupferleitungen herausholt, ist das nicht die richtige Adresse.

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