Gründe für (zu wenig) Akzeptanz

  • Ich habe einen Kumpel der wohnt als Mieter in einem MFH in Berlin. Glasfaser liegt in der Straße von mehreren Anbietern. Die Wohnungseigentümergemeinschaft (hauptsächlich Rentner) zeigt kein Verständnis dafür und möchte nicht einen Glasfaseranschluss für das Gebäude haben. Die wollen sich nicht vom Anbieter "abhängig" machen. Tja.

    Das kenne ich. Berlin Tiergarten. Hier hat die Telekom durch die vorhandenen Telefonleerrohre in den Straßen genutzt, um bis an die Gebäude zu kommen.
    Gebäude, Baujahr 1959, 3 Aufgänge, 48 Eigentumswohnungen. Über die Hälfte von den ehemaligen Mietern bewohnt. Durchschnittsalte gemessen an meiner Mutter 80+
    Ich musste auf der WEG Versammlung ihnen klarmachen, dass sie sich nicht wehren können. Hatte dann einen Vertrag abgeschlossen und die Koordinierung der InHouse-Verkabelung für die WEG übernommen. So habe ich geschafft alle 3 Aufgänge mit je einem HÜP und Treppenhausverkabelung zu versehen lassen, weil ich stark geworben habe im Gebäude. Letztendlich wurden bei 48 Wohnungen nur 12 Verträge abgeschlossen. Aber dies hatte ich aufgrund der Altersstruktur erwartet.

  • Also Rentner und damit automatisch kein Interesse an einem Glasfaseranschluss oder wie darf man das verstehen?

    Mein Großonkel (80) musste ja schon mal hier als positives Beispiel herhalten, wird diese Rolle aber sicher gerne noch mal einnehmen: Er war sofort Feuer und Flamme für den Anschluss, schätzt als alter Elektrotechniker die Technlologie und freut sich, irgendwann demnächst nicht mehr auf seinen semi-stabilen Kabelanschluss angewiesen zu sein. Fernsehen guckt er in der Tat per Sat. Das Internet nutzt er für alles Mögliche; E-Mail, Surfen, Onlinebanking, Mediatheken, ... mittlerweile sogar AI.

    Er denkt aber gleichzeitig aber auch an seine Enkel, die auch von dem Anschluss profitieren sollen. Und seine Kinder, Mieter und Nachbarn hat er gleich mit überredet.

    Mein Opa - zwar überzeugter Internetnutzer aber eher Verweigerer moderner Technologien - wollte erst nicht glauben, dass der neue Hausanschluss bei vergleichbaren Monatskosten wie zuvor umsonst gelegt wird. Als ich es ihm versicherte ("ja, sogar ins Haus rein"), da war dann keine Diskussion mehr nötig.

    Also nein: Es sind mitnichten nur die Rentner, die sich verweigern! Unter 60 finden sich auch sehr viele.

  • Also Rentner und damit automatisch kein Interesse an einem Glasfaseranschluss oder wie darf man das verstehen?

    Ich bin erstaunt, wie viele Rentner in unserer Liegenschaft mit 40 Parteien aktiv einen Glasfaseranschluss nutzen. Jung und alt waren bei uns gleichermaßen für diese Technologie offen. Zumal die Preise in den unteren Bandbreiten auch ähnlich den DSL Preisen entsprechen.

    Auch an die Kinder und Enkel wurde dabei gedacht, die die Eigentumswohnung eventuell später übernehmen werden. Dabei war Interesse vorhanden, den Anschluss bei der sich nun bietenden Gelegenheit gleich selbst zu nutzen:)

    Deshalb zu pauschalisieren wäre ein schlechter Ratgeber.

    Vielleicht ist Rentner-Gruppe etwas weit gefasst, weil ich bin auch Rentner mit 65+. Aber ich weiß sicher, meine Frau hätte es nie gemacht. Eindeutig die Personengruppe Internet geht doch, warum soll ich was ändern.
    Und wenn ich mir die Größe der Personengruppe 75+ ansehe, sind dies sehr, sehr viele, die da noch wählen dürfen. Da dürfte die Bereitschaft etwas zu ändern noch viel geringer sein. Sie schaffen es ja auch nicht rechtzeitig aus ihrer alters-ungeeignete Wohnung auszuziehen. :S

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  • Auch wenn wir uns nun maximal weit von dem Forenschwerpunkt entfernen: Meine beiden verrenteten Großmütter, beide schon lange verstorben, haben sich geweigert in eine Wohnung im Erdgeschoss zu ziehen (altersgerecht/barrierefrei gab es nicht). Die Begründung: Hier oben bin ich sicher, im Erdgeschoss kommen die Einbrecher.

    So einfach ist die Welt.

    DLMttH wie ich schon schrieb: Rentner werden von gleichaltrigen Rentnern überzeugt, nicht von deren Kindern oder gar Enkeln. Ausnahmen bestätigen die Regel.

  • Ein Punkt für den niemand richtig kann? Das sehe ich anders.

    Wir sehen neidisch auf den Glasfaserausbau der baltischen Staaten. Deren "Vorteil" war damals vorsinnflutliche Infrastrukturen in der Telekommunikation. Nach der Wende einen Ausbau faktisch von Null konsequent in die aktuelle Technik. Das war damals schon Glasfaser.

    Was Phino geschrieben hat, gilt möglicherweise für Westdeutschland. In Ostdeutschland war leider die gleiche Situation wie in den baltischen Ländern. Ein konsequenter Glasfaserausbau hätte beginnen können. Das wurde auch kurzzeitig angedacht. Da war die Telekom noch das Monopol. Ein eiheitliches Glasfasernetz hätte gebaut und an verschiedene Provider vermietet werden können. Leider gab es einen Kupferkabel Ausbau. Jetzt versuchen relativ kleine Unternehmen Glasfaser Netze zu bauen und überbauen sich teilweise gegenseitig, um nach einer Konsolidierung wieder zu verschwinden.

    Das war einfach dumm. Ich habe dafür kein Verständnis. Zumal Bundeskanzler Schmidt bereits Glasfaser bauen wollte, das bei Kohl leider nicht weiter verfolgt wurde.

    Einmal editiert, zuletzt von glas (13. September 2025 um 16:05)

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  • In Ostdeutschland war leider die gleiche Situation wie in den baltischen Ländern. Ein konsequenter Glasfaserausbau hätte beginnen können. Das wurde auch kurzzeitig angedacht.

    Damit hatte man ja sogar angefangen: OPAL, nach den Erfolgen von BIGFERN und BIGFON in den 1980ern. Leider hat man nicht modular genug gebaut, sondern aktive Verstärker verbuddelt usw., sodass die Aufrüstung für Breitbandinternet teuer gewesen wäre. Sicherlich hätte man eine vertretbar komplizierte Methode entwickeln können (ging ja auch bei VDSL), doch dafür gab es wohl zu wenig OPAL-Netze. Stattdessen hat man schleppend wieder mit Kupfer überbaut.

    Na danke dafür.

  • Was Phino geschrieben hat, gilt möglicherweise für Westdeutschland. In Ostdeutschland war leider die gleiche Situation wie in den baltischen Ländern. Ein konsequenter Glasfaserausbau hätte beginnen können. Das wurde auch kurzzeitig angedacht.

    Gerade in den neuen Bundesländern wurden in den 90er Jahren auch "glasfaserbasierte" Netze gebaut. Für damalige Verhältnisse sehr modern, aber eben nicht zukunftsfähig.

    FTTB/H-Netze im heutigen Sinn wurden meines Wissens weltweit erst ab etwa 2000 gebaut.

    Die OECD schrieb z.B. 2002 (Seite 20 )

    "In addition to the foregoing, the use of fibre is once again being considered as a possible technology for the ‘local loop’ connection to homes. One reason for this is that technological developments are bringing down the cost of deploying this technology but also because new entrants are focusing on providing services to apartment buildings rather than individual dwellings.

    [...]Some incumbents also have plans for using ‘fibre to the home’, most notably NTT, but it is likely to be several years before the service is widely available."

    FTTx wurde als wieder in Betracht gezogen, insbesondere aufgrund der niedrigen Kosten für die Technik. Und NTT in Japan wurde speziell genannt als Anbieter, der FTTH ausrollen will. Japan war meines Wissens auch das erste Land wo dann in signifikantem Umfang FTTH-Anschlüsse gebaut wurden.

    Das war einfach dumm. Ich habe dafür kein Verständnis. Zumal Bundeskanzler Schmidt bereits Glasfaser bauen wollte, das bei Kohl leider nicht weiter verfolgt wurde.

    Es wird dabei immer gerne übersehen dass es durchaus andauernd Pläne gab. Da gab es ja auch ein starkes wirtschaftliches Interesse.

    Ich halte es für eine Fehleinschätzung dass der Bau von Glasfasernetzen (in der Art die man sich heute darunter vorstellt) in den 80ern einfach eine Frage einer politischen Entscheidung war. Der Beschluss von 1981 war eher ein Grundsatzbeschluss, auch als erhoffter Schlussstrich unter die damals laufende Diskussion ob man ein TV-Kabelnetz bauen sollte oder nicht. Die technischen Details musste man sich damals erst erarbeiten (z.B. über das Projekt BIGFON). Und in den 90ern hat man eben das gebaut was man für den aktuellen Stand der Technik hielt (und wirtschaftlich umsetzbar).

    Pläne von aus den 1980ern sagen in erster Linie erstmal aus wie man sich damals die Zukunft vorstellte/erhoffte. Die sind aber erstmal kein Beleg dafür dass diese Pläne realistisch waren, insbesondere wenn die technischen Details fehlen. Und wenn man sieht dass es dann weltweit gut 20 Jahre gedauert hat bis wirklich etwas daraus geworden ist (zumindest das was wir uns heute unter "Glasfasernetzen" vorstellen), dann ist eben auch erheblicher Zweifel angebracht dass das nur an mangelndem politischem Interesse weltweit lag.

  • Sicherlich hätte man eine vertretbar komplizierte Methode entwickeln können (ging ja auch bei VDSL), doch dafür gab es wohl zu wenig OPAL-Netze. Stattdessen hat man schleppend wieder mit Kupfer überbaut.

    Teilweise auch mit FTTH. Dresden Striesen z.B. war ein Gebiet in denen in den 90ern OPAL ausgebaut wurde und Glasfaser bis in die Häuser lag. Das hat man ab 2009 erstmal für FTTB+VDSL verwendet. Aber für den FTTH-Ausbau wurde dann ab 2013 nochmal ein zweistelliger Millionenbetrag investiert und 400km neue Glasfaserkabel verlegt. Vermutlich aufgrund des Fasermangels der in diesem Artikel genannt wurde.

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  • Die Taktiererei der Provinder, das gegenseitige Ausbremsen, was sich marktwirtschaftlicher Wettbewerb nennt, ist doch albern. Der Ausbau der Netze müßte in einem Guß erfolgen. Danach Wettbewerb. Da freuen sich die Firmen um eine Anschlussquote von 40% und buddeln dafür Straßen auf. Später wird möglicherweise von einer anderen Firma mit Hoffnung auf weitere Prozente nochmals gebuddelt. Das überbauen kommt noch dazu. Bei geförderten Ausbau werden Gebiete, die bisher 30 Mbit bekommen vom Glasfaser Ausbau ausgelassen. Da buddelt man später nochmal. Als die Telekom noch das staatliche Monopol hatte, hätte man Ende der 80er Jahre komplett ausbauen und heute vermieten können. Keine Bettelei bei Technologie Muffel. Ausbaurate 100%. So wie es bei Strom und Wasser auch ist. Wer angeschlossen werden will bekommt ihn und wer nicht, kann sich noch eine Weile Brieftauben halten. Unsere kommunalen Straßen würden auch besser aussehen.

    Das ist ein wichtiger Grund mangelnder Akzeptanz. Warum einfach, wenn es auch umständlich geht. Deutsche Kleinstaaterei in der Telekommunikation.

    6 Mal editiert, zuletzt von glas (13. September 2025 um 21:15)

  • Das problematische dabei ist, die Telekom kalkuliert zu großzügig. Die setzen erst günstige Einstiegspreise, die die dann aber nicht halten können und wundern sich dann wenn die Leute abspringen.

    Über die schlechte Kommunikation um den Ausbau und Vetragsabschluß müssen wir gar nicht erst reden.

    Tja so ist das halt mit dem Internetausbau wenn es keine einheitliche Richtung gibt, und es soll auch ja keiner pleite gehen.

    Einmal editiert, zuletzt von BlackMage2 (13. September 2025 um 20:49)

  • Tja so ist das halt mit dem Internetausbau wenn es keine einheitliche Richtung gibt, und es soll auch ja keiner pleite gehen.

    Pleite gegangen sind so wohl schon einige. Bei einem zentral geplanten kompletten Ausbau könnten über Ausschreibungen alle an einem Strang ziehen.

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  • Naja, offenbar funktioniert das nur in den wenigsten Gebieten..

    Merkwürdigerweise funktioniert es wohl da am schlechtesten, wo es eigl. viel zu holen gibt.

    Wahrscheinlich teilen es sich zu viele und dann bleibt für den einzelnen zu wenig übrig. Und jeder einzelne Anbieter wird dann noch von den Konkurrenten mit Angeboten unter Druck gesetzt.


    Und wer dann sollte so einen zentralen Ausbau planen?

    3 Mal editiert, zuletzt von BlackMage2 (13. September 2025 um 21:44)

  • Womit bei uns die Leute in der WEG anfangs am meisten gehadert haben, war der geplante Installationsort der GF-TA. Oft 3 Meter neben der Wohnungstür oder die Dose sollte irgendwo im Flur platziert werden, wo sich in älteren Gebäuden oftmals keine Steckdosen befinden.

    Die Kinder oder Enkel durften dann Kabelkanäle legen, damit die GF-TA einigermaßen am bisherigen Ort des Routers installiert werden konnte.

    Hier sollten die Netzbetreiber gerade älteren Kunden mehr entgegenkommen oder einen wirklich günstigen Installationsservice anbieten.

    Fritzbox 5690 Pro / Glasfaser 1000 Telekom

    1000/500 MBit/s

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  • Womit bei uns die Leute in der WEG anfangs am meisten gehadert haben, war der geplante Installationsort der GF-TA. Oft 3 Meter neben der Wohnungstür oder die Dose sollte irgendwo im Flur platziert werden, wo sich in älteren Gebäuden oftmals keine Steckdosen befinden.

    Die Kinder oder Enkel durften dann Kabelkanäle legen, damit die GF-TA einigermaßen am bisherigen Ort des Routers installiert werden konnte.

    Hier sollten die Netzbetreiber gerade älteren Kunden mehr entgegenkommen oder einen wirklich günstigen Installationsservice anbieten.

    Das ist mindestens besser als bei meinem Anbieter der bei allen Kunden einfach gar keine Glasfaserdose installiert sondern nur ein Kabel zu deren aktiven ONT. Von § 73 TKG haben die anscheint nie gehört.

  • Das ist mindestens besser als bei meinem Anbieter der bei allen Kunden einfach gar keine Glasfaserdose installiert sondern nur ein Kabel zu deren aktiven ONT. Von § 73 TKG haben die anscheint nie gehört.

    Doch, aber sie haben sich entschieden, es zu ignorieren.

  • hast du dich schon an die Bundesnetzagentur deswegen gewandt?

    Vebraucherschutz würde sich, denke auch, darüm kümmern.


    aber es ist Fiber, oder? wahrscheinlich AON dann

    oder ist es ein Ethernet-Kabel?

    Einmal editiert, zuletzt von BlackMage2 (14. September 2025 um 10:26)

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  • hast du dich schon an die Bundesnetzagentur deswegen gewandt?

    Vebraucherschutz würde sich, denke auch, darüm kümmern.

    Bundesnetzagentur, letzte Woche. Ich habe auch E-Mails mit denen geteilt wo der Anbieter klipp und klar die Herausgabe der Zugangsdaten verweigert.

    Verbraucherschutz schreibe ich kommende Woche an.

    Hat jemand das alles mal gemacht und hat Erfahrung damit wie lange das dauert?

  • also ich habe die Erfahrung gemacht, beim Verbraucherschutz direkt anzurufen, bzw. angerufen werden ist die schnellere Lösung.


    Wenn der Grund valide ist werden die sofort tätig.

    Einmal editiert, zuletzt von BlackMage2 (14. September 2025 um 10:34)