Hat privater Glasfaserausbau eine Zukunft in DE?

  • Wenn der Kunde dann nicht direkt mehr zahlt, wo kommen dann die Mehrkosten fuer so einen ONT her? Kann mann sich wuenschen, dass der Provider das zahlt, aber realistisch ist das nicht. Wie das IMHO ablaufen kann wenn ein ISP anfaengt mit Kombo-OLTs zu arbeiten ist: die Bestandskunden bleiben bei GPON und ihrem Bestands-ONT und nur die Kunden die einen Tarif buchen der innerhalb des GPON Segments nicht mehr passt (weil zu gross, z.B. der 2000/1000er der Telekom, oder weil bereits zu viele Anschluesse aktiv sind) bekommen dann einen XGSPON-ONT.

    Wo ist da bitte das Problem, solange beide Techniken parallel reibungsfrei nebeneinander existieren können und man nur einen neuen ONT bei gewünschter höherer Bandbreite bekommt?

    An meinem Beispiel:

    Ich habe den Genexis G2110C, der reicht selbstredend für 1 Gbit symmetrisch (netto dann 920-940 Mbit).

    Solange hier nicht XGS-PON verfügbar sein sollte und mir die 500 MBit noch reichen, warum sollte ich darauf bestehen, dass mir ein Fibertwist XGS2110-2.5G installiert wird, bzw. warum sollte es von Nachteil sein?

  • Dann musst du das ja nur noch an die in Deutschland zahlreichen "Fritzchen und Lieschen- Müllers" weitertragen, welche trotz dieses "ach so durchschnittlich teuren" Preis-Leistungsgefüges keinerlei Wechselwillen zeigen auf absehbare Zeit.

    Wie Erzknolle sinngemäß eben schrieb:

    Die Tariflandschaft für Glasfaser in Deutschland ist schlichtweg (noch) nicht attraktiv!


    Wenn man den Leuten wirklich gute Angebote mit echtem Mehrwert wie deutlich höhere (symmetrische) Geschwindigkeiten zum selben Preis von SVDSL/Kabel oder für sehr geringe Aufpreise noch höhere Geschwindigkeiten (s. CH) bieten würde in einer echten Wettbewerbslandschaft, dann würden sich so viele nicht querstellen oder den Nutzen nicht erkenne... .

    Ich sehe es sehr schwierig. Es gibt nichts, mit dem du den Durchschnittsnutzer ködern kannst,

    Gerade in den Gebieten, in den noch vor 4-5 Jahren auf VDSL umgerüstete wurde, gibt so gar keinen Grund zu wechseln für 98 % der Nutzer.
    Selbst mit einer 100er-Leitung geht 3x Stream plus Chat etc.
    Wenn also da nichts am Preis gemacht wird, passiert da nichts.

    Beispiel: Wohnanlage in Berlin-Mitte: 55 Einheiten, 4 Aufgänge. Insgesamt gibt es ganze 6 Glasfaseranschlüsse, die tatsächlich genutzt werden. Anschlüsse kostenfrei bis in die Wohnung durch Telekom. Weitere ISP waren sofort verfügbar, also optimal.
    Ja, die WEG hat die Aufwertung der Immobilie erkannt und schnell zugestimmt.
    Die 6 Anschlüsse sind 4 Eigentümer und 2 Mieter. Wir hatten vorher in der Wohnung VDSL 100, aber ich glaube, es ging mehr.
    PS: Im Haus gibt es auch noch Vodafone-Kabel, das ist aber, so habe ich gehört, grottig für Internet. Koaxial-Verkabelung aus den 60er in Baumstruktur.

  • Ich habe den Genexis G2110C, der reicht selbstredend für 1 Gbit symmetrisch (netto dann 920-940 Mbit).

    In einem Segment mit brutto 1.2 Gbps Upload, Tarife nit 1000 Mbps Upload zu schalten ist eine enge Kiste, da riskiert ein ISP Kunden Preisminderung einraeumen zu muessen. In einem PON Segment werden ja je nach ISP 32-64 Anschluesse geschaltet.

    Das haengt dann davon ab wie der ISP seine Kapazitaet dimensioniert, aber ich erwarte bei GPON eher keine Tarife mit 1 Gbps im Upload, also zumindest nicht solche bei denen 1000 Mbps als Maximalrate im Produktinformationsblatt versprochen wird.

    Solange hier nicht XGS-PON verfügbar sein sollte und mir die 500 MBit noch reichen, warum sollte ich darauf bestehen, dass mir ein Fibertwist XGS2110-2.5G installiert wird, bzw. warum sollte es von Nachteil sein?

    Du kannst ja mal versuchen darauf zu bestehen... wenn Du den ONT nicht selber kaufst (oder vielleicht noch mietest) wird Dein ISP eher kein Interesse haben den ONT zu tauschen zumindest wenn dabei nicht auch eine Umsatzerhoehung fuer den ISP herausspringt.


    Das Problem was sich da entwickelt ist, dass ein ISP (Stand heute gibt es zwar OLT die GPON und XGSPON gleichzeitig koenen aber keine ONTs) die Kunden nicht einfach zwischen G und XGS ausbalanzieren kann und daher besonders im GPON Segment vorsichtig mit der Kapazitaetsberechnung sein. XGSPON ONTs kosten, laut einer Quelle bei einem US-ISP fuer ISPs etwas doppelt so viel wie GPON-ONTs.

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  • In einem Segment mit brutto 1.2 Gbps Upload, Tarife nit 1000 Mbps Upload zu schalten ist eine enge Kiste, da riskiert ein ISP Kunden Preisminderung einraeumen zu muessen. In einem PON Segment werden ja je nach ISP 32-64 Anschluesse geschaltet.

    Sicherlich ist das knapp kalkuliert von meinem ISP. Wie auch immer, der Anbieter hat das Produkt mit der Leistungszusage damals angeboten.... None of my business... ;)


    Letztendlich hängen bei uns im Ausbaugebiet laut vagen Angaben nur ca. 12 Teilnehmeranschlüsse am jeweiligen Segment. Jeder Hausanschluss (vorwiegend EFH/ZFH) im hiesigen Ausbaugebiet hat auch 8 Fasern eingeblasen bekommen.
    Ggf. war das jetzige GPON Netz ursprünglich als AON Netz geplant? Wer weiß...

    Einmal editiert, zuletzt von sentry0815 (19. März 2025 um 16:07)

  • In die Speedpipes von den HÜPs zum Splitter legt wohl auch die Telekom direkt Kabel mit mehreren Fasern, aber die gehen i.d.R. nicht bis zur Betriebsstaette durch.... AON mit 8 Fasern/WE waere wild... kann aber nicht sagen ob das nicht doch jemand so macht.

  • Während die Anzahl an Fasern pro Kabel pro Immobilie/Wohnung bei gefördertem Ausbau reglementiert ist, kann sich bei einem eigenwirtschaftlichen Ausbau der Gf-Provider in weitgesteckten Grenzen bewegen.

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  • In die Speedpipes von den HÜPs zum Splitter legt wohl auch die Telekom direkt Kabel mit mehreren Fasern, aber die gehen i.d.R. nicht bis zur Betriebsstaette durch.... AON mit 8 Fasern/WE waere wild... kann aber nicht sagen ob das nicht doch jemand so macht.

    Also bei den verschiedenen Bautrupps, die hier für die DNS:NET unterwegs waren hatte ich eher den Eindruck, dass sie verbauen was geliefert wird. Da geht es, glaube ich, häufig auch darum, dass es keinen Stillstand gibt und Termine eingehalten werden. Brieselang hat über 80 % EFH/ZFH. Ich habe bei mir im EFH auch 8 Fasern, 2 aufgelegt. Ich habe aber in dem HÜP eines der 4er/6er MFH gesehen, dass die nur 16er bekommen haben. Reicht ja immer noch. ;)

    Und es stehen hier an jeder 2. Straßenecke kleine Verteiler, vermute mit passiven Splitter, weil kein Strom gesehen habe beim Auflegen. Aber es gab in den Splitter reichlich leere Schlaufen von Gf. Wenn ich es richtig verstanden/gesehen habe, wurde für Brieselang-Süd einen PoP (Geschätzte 1000 bis 1500 Kunden) gesetzt.
    Kommunikation war nicht ganz einfach in ungarisch-englisch. :D

  • Ist halt eine Konsequenz daraus was mann misst (hier vor allem Mbps/EUR) und wie mann es interpretiert. Mit der Einschraenkung, dass die Zahlen von 2023 sind, und weder kaufkraftbereinigt, noch die Tarifauswahl (Median ueber n arbitraeres Set) zwingend repraesentativ ist:

    Wenn mann dann die Tabelle bei Verivox runterlaedt und auf die absoluten Kosten (fuer den Median-Tarif) schaut liegt Deutschland nicht auf Platz 1 (also am teuersten) in der EU und auf Platz zwei im erweiterten Set sondern auf Platz 8 in der EU und Platz 12 im erweiterten Set.

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  • Median tarif ist aber irrelevant. Wenn in Deutschland 100 Mbit Mediantarif kaufkraftbereinigt dasselbe kostet was 500 Mbit in einem anderen Land, ist es keine gute Nachricht. Nur ein Beweis, dass hierzulande Staffelung Jahren wenn nicht Jahrzehnte hinterher hinkt.

  • Median tarif ist aber irrelevant.

    Jein, im Prinzip ist der Median ein passabler Schaetzer, das Problem ist, es gibt keine Information um abzuschaetzen nach welchen Kriterien die Tarife gewaehlt wurden...

    Wenn in Deutschland 100 Mbit Mediantarif kaufkraftbereinigt dasselbe kostet was 500 Mbit in einem anderen Land, ist es keine gute Nachricht.

    Aber das sagt die "Studie" so gar nicht... und kaufkraftbereiningt ist da auch nichts...

    Nur ein Beweis, dass hierzulande Staffelung Jahren wenn nicht Jahrzehnte hinterher hinkt.

    Das ist jetzt etwas zu aufgeregt... und die Beweiskraft ist IMHO eher so lala.

  • Um noch einmal ergänzend auf die Zukunft von Glasfaser in Deutschland in Verbindung mit dem Preisniveau zu kommen, hier ein Link zu einem externen Beitrag

    Für mich markiert der kleinste verfügbar Glasfaser-Tarif (150/75) gleichzeitig die preisliche Schmerzgrenze von 40 €. Auf Kupfer ist dort auch Gigabit verfügbar. So sind es dann 0,27 €/Mbit für Glasfaser und nicht 0,04 €/Mbit für Kupfer.

    Ich nutze auch viel den Mobilfunk, allerdings hat dieser in DE mittlerweile einen "Sendeschluss". Wie früher beim Analog-Fernsehen werden nachts nach dem Testbild einfach die Sender abgeschaltet. Größere Updates muss man dann leider tagsüber zur Hauptverkehrszeit durchführen.

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  • Hat sich ja schon etwas laenger angedeutet, dass das aktuelle Ausbau-Tempo (homes passed) wohl nicht gehalten werden kann. Bei aktuellem Tempo waere 100% homes passed (bei 45.7 Millionen Anschluessen, fuer Wohnungen und Betriebsstaetten) etwa 2031/32 erreicht, aber wenn das Tempo nachlaesst wird es eher 2035. Und homes connected bei aktuellem Tempo braeuchte bis 2062... (alles lineare Extrapolationen der Zahlen zum FTTH Ausbau aus der 2024 VATM Gigabitstudie, bei der die Zahlen nur bis H1 20124 vorlagen und die auch nur geschaetzt).

    Einmal editiert, zuletzt von pufferueberlauf (22. März 2025 um 15:23)

  • Da würde mich mal die Meinung der Kommunen interessieren. Der Landrat beklagt sich vielleicht, dass man um Fördermittel konkurrieren muss, etwas weiter nördlich hier bei mir spielt das keine Rolle, da die Kommunen sich nicht einmal die 10% Eigenanteil leisten können.

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  • bei aktuellem Tempo braeuchte bis 2062...

    Wir Menschen denken immer linear. Praktisch sind es aber oft expoentielle bzw. asymptotische Verläufe. Das dürfte bei Glasfaser aber sowohl auf den Ausbau als auch für die Nachfrage/Anwendungen gelten.

    Meine Sorge wäre, das eines Tages die Anwendungen die Glasfaser brauchen binnen Monaten in die Breite gehen, aber man so schnell dann nicht mehr nachbauen kann (wenn der Ausbau nicht synchron hochgefahren wurde). Ohne zu Wissen, welche Anwendung das genau sein wird

  • Meine Sorge wäre, das eines Tages die Anwendungen die Glasfaser brauchen binnen Monaten in die Breite gehen, aber man so schnell dann nicht mehr nachbauen kann (wenn der Ausbau nicht synchron hochgefahren wurde). Ohne zu Wissen, welche Anwendung das genau sein wird

    Ist ja schon absehbar, der FTTH Ausbau wird noch gut 10 Jahre dauern, aber die DSL Technik wohl auch nur 10-15 Jahre halten (und dafuer muesste der Betreiber wohl schon anfangen Komponenten aus abgeschalteten DSLAMS anderswo als Ersatzteil zu nutzen) Wir haben eigentlich keine grossen Zeitreserven um den Ausbau auszubremsen. Aber das hilft der DG natuerlich nicht, wenn der Ausbau in Ort X unwirtschaftlich ist dann kann die DG da nicht ausbauen.

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  • Aber das hilft der DG natuerlich nicht, wenn der Ausbau in Ort X unwirtschaftlich ist dann kann die DG da nicht ausbauen.

    Unterm Strich auch keine andere Taktik als bei der Telekom, die zur Not überbaut.

    DG hat in der Vergangenheit viele Projekte an- und wieder abgekündigt. Hat dem Ausbau sicherlich nicht geholfen, aber da es ein recht freier Markt ist, wird man damit leben müssen.

    Mal sehen, was die Länder und Kommunen durch die Infrastrukturmaßnahmen so stemmen können.

  • Aber das hilft der DG natuerlich nicht, wenn der Ausbau in Ort X unwirtschaftlich ist dann kann die DG da nicht ausbauen.

    Hier würden aber meine Erwartungen an die Politik beginnen. Wenn klar ist etwas wird langfristig der für alle beteiligten vorteilhafteste Weg sein, der kurz- bis mittelfristig aber durch Probleme verhindert wird: sollten diese Probleme irgendwie mitigiert werden.