Erfahrungsbericht: Glasfaser Nordwest (EWE und Telekom)

  • Hallo zusammen:

    ich wollte euch mal kurz ein Feedback zu Glasfaser Nordwest geben (Joint Venture von EWE und Telekom).
    Die erste Mindestvertragslaufzeit (EWE Tel) ist rum und nun bin ich zur Telekom gewechselt. Dabei sind mir einige Dinge aufgefallen:

    1.
    Latenz

    Die Latenz zum ersten Hop monitore ich mit Smokeping bereits seit DSL Zeiten. Dafür feuert mein Smokeping Server alle 60 Sekunden 20 Pings ab. Die Auflösung ist somit sehr hoch. Außerdem ist sichergestellt, dass die Internetanbindung nie voll ausgelastet ist, da dies sonst die Ergebnisse verfälschen würde. Hier geht es also noch gar nicht um irgendwelche Peering Thematiken, sondern nur um netzintern Metriken. Es ist bloß der Abschnitt von meinem Router bis zum PPPoE Einwahlknoten, also der erste Router des Providers.

    Die Latenz hat sich durch den Anbieterwechsel mehr als verdoppelt:

    EWE Tel Latenz zum ersten Hop (85.16.124.206):
    min. 3,2 ms
    avg. 3,3 ms
    max. 3,4 ms
    Das sind die Werte über die ganze Vertragslaufzeit (2 Jahre). Das ist wirklich schon ziemlich gut, finde ich.

    Deutsche Telekom Latenz zum ersten Hop (62.156.244.47):
    min. 8,2 ms
    avg. 8,4 ms
    max. 9,3 ms
    Das sind die Werte der letzten 1,5 Monate, länger läuft der Vertrag noch nicht. Ich rechne aber nicht damit, dass sich noch wesentliche Änderungen ergeben.

    Auch wenn der Wert mit unter 10 ms noch akzeptabel ist, finde ich ihn für eine Glasfaserleitung der Deutschen Telekom richtig schlecht. Für das 5G Netz wirbt die Telekom 1 Millisekunde. Wie kann es sein, dass eine Glasfaserleitung so viel schlechter ist?


    2.
    Latenz zu öffentlichen DNS Anbietern (temporäre Außreißer ignoriert):

    Durchschnittswerte:
    1.1.1.1 (Cloudflare DNS): Die Latenz ist beim Wechsel von EWE zur Telekom von 10.9 ms auf 19,1 ms gestiegen
    8.8.8.8 (Google DNS): Die Latenz ist beim Wechsel von EWE zur Telekom von 12.7 ms auf 19,7 ms gestiegen
    9.9.9.9 (Quad9 DNS): Die Latenz ist beim Wechsel von EWE zur Telekom von 7.4 ms auf 8,5 ms gestiegen

    Auch hier punktet EWE Tel mit teils deutlich niedrigerer Latenz.

    Quad9 scheint allerdings extrem gut an das Netz der DTAG angebunden zu sein und ist sogar besser als die Telekom eigenen DNS Resolver (217.237.150.205, 217.237.149.142). Die haben nämlich eine Duchschnittslatenz von 14,1 ms

    Ich monitore noch weitere Ziele wie Heise, Youtube, Amazon, usw. aber die will ich hier jetzt nicht alle aufführen.


    3.
    Upload:

    Die Deutsche Telekom hat das bessere Download/Upload Verhältnis, nämlich 2:1. Man bekommt bei jedem Tarif die Hälfte des Downloads als Upload, so wie es vom GPON Standard vorgesehen ist. Das ist sehr löblich. EWE Tel hingegen drosselt den Upload künstlich. Beim 1 Gbit/s Tarif bekommt man beispielweise nur 200 Mbit/s im Upload, also bloß ein Fünftel. Vermutlich möchte man als Tier 3 Anbieter ungerne für erzeugten Traffic der Kunden zahlen, daher drosselt man die Glasfaserleitung künstlich. Es soll ja kein Kunde auf die Idee kommen mehr Kosten zu verursachen als nötig. Das ist alles andere als löblich.


    4.
    IPv6:

    Die Telekom bietet schon seit Jahren IPv6 an. Soweit mir bekannt ist, ist EWE Tel der letzte große Anbieter in Deutschland gewesen, der die IPv6 Einführung massiv hinausgezögert hat. 2024 hat EWE Tel es dann endlich geschafft, alle Kunden werden nun auch mit IPv6 versorgt.

    In diesem Punkt sind EWE Tel und die Deutsche Telekom gleich auf: Dual-Stack mit öffentlicher IPv4 und IPv6.


    5.
    Statische IP Adresse:

    Bei EWE Tel ist es nicht möglich als Privatkunde einen Anschluss mit fester IP zu bekommen. Dies ist nur mit einem Businesstarif möglich, welchen man als Privatperson nicht buchen kann. Es ist mir völlig unbegreiflich, dass man Kunden abweist die gerne mehr Geld zahlen wollen, vor allem wenn man bedenkt, dass Businesstarife üblicherweise das doppelte kosten. Ich habe innerhalb der letzten 10 Jahren mehrere Male beim Support angerufen und mich erkundigt, aber der Status ist unverändert. Diese Unfähigkeit war letztlich der Grund für meine Vertragskündigung bei EWE.

    Bei der Deutschen Telekom hingegen ist das kein Problem. Auch das Konfigurieren für Reverse DNS Pointer ist bequem für IPv4 und IPv6 über ein Webportal möglich. Sehr vorbildlich!


    6.
    Peering:

    EWE: https://radar.qrator.net/as/9145/connec…hbors/providers
    Hier sehen wir Level3, Cogent und Arelion (ehemals Telia) und die Telekom als Upstream Provider. Also vier Tier 1 Upstream Provider. Außerdem ist EWE am DE-CIX mit 'open' Peering-Policy vertreten, sowie am AMS-IX (Amsterdam) und LINX (London), also drei Knotenpunkte die in den Top10 sind, gemessen am Durchsatz. Eine bessere Anbindung ans Internet kann man sich kaum wünschen.

    Telekom: puh... leidiges Thema. Ich denke dazu brauche ich nichts mehr sagen. Ein AS welches gleichzeitig Tier 1 Netz und Eyeball Provider ist, ist immer schlecht. Das Thema Peering ist ein absoluter Albtraum. Das merkt man in 2026 immernoch. Wer als CDN kein Geld an die Telekom bezahlt, wird gedrosselt (man lässt die Übergabepunkte absichtlich volllaufen). Dass die eigenen Kunden den Traffic ja angefordert haben, wird komplett ignoriert. Hier ist die Geldgier der Manager größer als der Wunsch den eigenen Kunden ein gutes Surferlebnis zu bieten. Wer mehr darüber wissen möchte soll einfach mal nach "double paid traffic" suchen.


    7.
    PPPoE Disconnect

    EWE: alle 24 Stunden
    Telekom: alle 180 Tage

    Auch hier hängt EWE noch im Internet-Steinzeitalter oder man möchte es den Kunden unbequem machen. Aus abrechnungstechnischen Gründen ist das jedenfalls schon lange nicht mehr nötig (ebensowenig wie PPPoE selbst, aber das ist ein anderes Thema).


    Zusammenfassung:
    EWE bietet qualitativ den besseren Internetzugang, der ist im Upload aber langsamer und bietet keine festen IPs für Privatkunden. Wenn man keine Server Zuhause betreiben möchte, ist EWE definitiv die bessere Wahl.

    Die Telekom rühmt sich mit dem Werbespruch "Besser im besten Netz", in Wahrheit ist davon aber wenig zu sehen. Nur die Option der festen IP Adresse und Fullspeed im Upload haben mich gelockt. Die Frage der maximalen Uploadgeschwindigkeit kann bei der Telekom allerdings wieder in Zweifel gezogen werden, wenn man das schlechte Peering bedenkt.

    Mit Blick auf die traumhaften Latenzen von EWE bleibt ein Restzweifel, aber eine feste IP ist für mich wichtiger.

    2 Mal editiert, zuletzt von Lebedev (1. März 2026 um 20:11)

  • Deutsche Telekom Latenz zum ersten Hop (62.156.244.47):
    min. 8,2 ms
    avg. 8,4 ms
    max. 9,3 ms

    Laut den GeoIP Providern liegt diese IP in Franken/Bayern... (kann natuerlich, bei Heuristiken wie GeoIP immer moeglich, schlicht inkorrekt sein), das duerfte die Latenz zwanglos erklaeren (wenn es denn stimmt), oder baut die Glasfaser NordWest tatsaechlich in Mittelfranken aus (also eher SuedOst)?

    Ach, ja von O2 in Hamburg aus geht der Traceroute nach Duesseldorf wo er erst and Telxius und dann an die Telekom uebergeben wird, aber von da aus braucht es dann im Mittel noch 10 Millisekunden bis zum 62.156.244.47 Host...

    Einmal editiert, zuletzt von pufferueberlauf (1. März 2026 um 20:37)

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  • Mein OLT hängt am "HFDJ03" Telekom BNG. An HFDJ01 habe ich schon zu DSL Vectoring Zeiten gehangen.
    HFD = Herford, liegt im Norden von Nordrhein-Westfalen, der südliche Teil von Glasfaser Nordwest.

    Ich kenne sogar die Gebäude, wo der OLT und die Juniper MX960 Kiste drin steht und auch den ungefähren Leistungsweg. Sind etwa 5-6 km Strecke.

    Beim EWE Vertrag lautete der Access Concentrator übrigens "bng-55740206". Wo der steht weiß ich nicht, aber ich gehe stark davon aus dass er im selben Umkreis steht. Hintergrund ist, dass EWE hier mal einen Regionalanbieter mit dem Namen "Teleos" übernommen hatte. Dieser Anbieter hatte schon damals die Telekom Hauptverteiler für ISDN und ADSL erschlossen um eigene DSLAMs reinzustellen.

    Lange Rede, kurzer Sinn: an der räumlichen Entfernung oder Signallaufzeiten liegt die gestiegene Latenz nicht.

    Einmal editiert, zuletzt von Lebedev (1. März 2026 um 21:17)

  • Das kann tendenziell mit dem Business Tarif zusammenhaengen, zumindest habe ich von einen O2 Fall gehoert bei dem fuer Geschaeftskunden (mit statischer oeffenticher IP) nicht alle PoPs verwendet wurden (muss natuerlich bei der Telekom nicht genau so sein)... Hattest bei DSL auch schon so einen Tarif mit fester IPv4?

    Beim EWE Vertrag lautete der Access Concentrator übrigens "bng-55740206".

    Hast Du noch dessen IP Adresse (IPv4 oder 6)? Waere interessant zu sehen wie der am EWE Netz haengt.

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  • Das kann tendenziell mit dem Business Tarif zusammenhaengen, zumindest habe ich von einen O2 Fall gehoert bei dem fuer Geschaeftskunden (mit statischer oeffenticher IP) nicht alle PoPs verwendet wurden (muss natuerlich bei der Telekom nicht genau so sein)... Hattest bei DSL auch schon so einen Tarif mit fester IPv4?

    Da könnte was dran sein. Ich glaube nicht, dass jeder BNG in Deutschland einen eigenen IP Pool für Kunden mit statischer IP Adresse hat. Das wäre verschwenderisch, weil es von solchen Kunden zu wenige gibt. Es macht mehr Sinn, dass der Traffic woanders hin geschickt wird. Ich nehme mal an, dass der BNG meine PPPoE Session terminiert und den Traffic dann einfach in ein MPLS oder GRE Tunnel reinwirft. Meine Pakete purzeln dann irgendwo in der nächsten Großstadt wieder raus, wo ein bischen mehr Core Infrastrutur steht und das fragliche IP Netz tatsächlich existiert bzw. geroutet wird. Dieser Umweg würde jedenfalls die höhere Latenz erklären. Und dafür spricht auch die Tatsache, dass man bei der Telekom seine feste IP Adresse überall mit hin nehmen kann. Von einen Vertrag in einen anderen und auch an einen anderen Standort, wenn ich es richtig gelesen habe.

    Wenn es bis nach Bayern geht, wäre das aber echt blöd.
    Hier wären Hannover oder Münster die nächst größeren Standorte der Telekom.

    Hattest bei DSL auch schon so einen Tarif mit fester IPv4?

    Ne, jetzt mit GPON zum ersten Mal.

    Hast Du noch dessen IP Adresse (IPv4 oder 6)? Waere interessant zu sehen wie der am EWE Netz haengt.

    Ja, siehe oben (erster EWE Hop): 85.16.124.206

    3 Mal editiert, zuletzt von Lebedev (1. März 2026 um 22:16)

  • Ich habe gerade noch etwas anderes entdeckt. Am ersten Tag (Schaltungstag) wurde mein OLT beim BNG scheinbar auf ein anderes Interface gelegt. Laut Logs hat sich zwar nicht der BNG geändert, aber die MAC und IP Adresse hat sich ganz leicht verändert:

    Access Concentrator: HFDJ03
    Remote IP Address: 62.156.244.47
    AC MAC: 24:fc:4e:1c:c3:a9

    Access Concentrator: HFDJ03
    Remote IP Address: 62.156.244.46
    AC MAC: 24:fc:4e:1c:c3:82

    Das war aber noch bevor ich meine feste IP Adresse konfiguriert habe. Hat also nichts damit zutun.

  • Ja, siehe oben (erster EWE Hop): 85.16.124.206

    Oops, uebersehen... tut mir leid, aber mein MTR geht via O2 nach Frankfurt wo der erste Hopnach O2 schon nicht mehr antwortet... EWE scheint nicht zu wollen, dass seine Infrastruktur-Nodes als oeffentliche Reflektoren genutzt werden, warum nur ;)

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  • Nachdem ich auf Telekom umgestiegen bin, sind auch alle Versuche von meiner Smokeping Instanz gescheitert den EWE BNG anzupingen. Der ist halt nur aus dem internen EWE Netz erreichbar, was auch okay ist. Das ist bei DNS Servern etc meist genauso.

    Bei der Telekom ist es aber genau andersrum:
    Der Telekom BNG will nicht von seinen eigenen Kunden angepingt werden. Auf ein ICMP Typ 8 Paket (Echo Request) antwortet er nicht.
    Mit Traceroutes (Typ 30) ICMP Paketen hat er aber kein Problem, da antwortet er brav.

    Man kann aber tricksen. Wenn man eine andere IP Adresse vom selben Telekom BNG anpingt (also die IP eines anderen Interfaces am selben BNG) ist das kein Problem. Die Pakete müssen sozusagen einmal durch den Router durch.
    62.156.244.47
    62.156.244.46
    Dann kommen auch ICMP (Echo Reply) Pakete zurück.
    Gott sei dank kann man Traceroutes auch anstelle von Pings verwenden um Latenzen zu messen: https://oss.oetiker.ch/smokeping/prob…utePing.en.html

    Die Telekom Jungs machen komische Dinge.

    Einmal editiert, zuletzt von Lebedev (1. März 2026 um 22:45)

  • Laut den GeoIP Providern liegt diese IP in Franken/Bayern

    Anhand der Route von hier aus dorthin, würde ich eher Berlin vermuten:

    $ mtr -ezt -rwc 10 62.156.244.47
    Start: 2026-03-01T22:35:07+0100
    HOST: ******                                      Loss%   Snt   Last   Avg  Best  Wrst StDev
     1. AS???         _gateway                        0.0%    10    0.9   0.7   0.6   1.0   0.1
     2. AS3320        p3e9bXXXX.dip0.t-ipconnect.de   0.0%    10    2.7   3.2   2.5   7.8   1.6
     3. AS3320        b-ec8-i.B.DE.NET.DTAG.DE        0.0%    10   14.3  14.1  13.7  15.0   0.3
     4. AS3320        62.156.244.47                   0.0%    10   13.7  18.3  13.3  55.6  13.2


    Es scheint bei der Telekom üblich zu sein, dass eine feste IP-Adresse die Latenz erhöht: https://telekomhilft.telekom.de/conversations/…ae73561da2e7b3f

  • Ich kann es testen. Die statische IP kann man als Kunde beliebig ein- und ausschalten.

    Muss aber noch ein paar Tage warten, aktuell kann ich nicht auf die feste IP verzichten.

    Es scheint bei der Telekom üblich zu sein, dass eine feste IP-Adresse die Latenz erhöht: https://telekomhilft.telekom.de/conversations/…ae73561da2e7b3f

    Der Letzte Kommentar ist interessant:

    Die Einwahlknoten sind in ganz Deutschland verteilt und die IPs sind diesen Punkten zugeordnet. Du kannst also die IPs wechseln und hoffen dann einen Einwahlknoten zu erwischen, der näher an Deinem Anschluss liegt. Das funktioniert, kann aber dauern bis man den optimalen Knoten erwischt.

    Da könnte ich mal ein bisschen testen.

    2 Mal editiert, zuletzt von Lebedev (1. März 2026 um 23:00)

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  • Der Latenz nach ist die Uebergabe zu AS3320 bei Duesseldorf, wohin die 10 Millisekunden im Telekomnetz laufen kann ich nicht sagen, aber wenn .b.de. fuer Berlin steht dann halt Berlin ;)

  • Ich hatte im Telekom Forum schonmal exakt so einen Fall gelesen, die statischen IPs werden Load-Balanced verteilt, also wenn du im Portal deine feste IP wechselst, also eine andere beantragst, kannst du Glück haben und eine nähere bekommen. Der Support kann da nicht helfen. Also einmal den willen und viel Geduld :D

    EDIT:// Ich sehe gerade die Antwort gabs oben schon^^

    Bei der Telekom hab ich die Erfahrung gemacht dass die Latenzen sich auch je nach IP Bereich unterscheiden, ca. 3-5ms können das schon sein.