Glasfaser bei vorhandener Kabel-Infrastruktur

  • Hallo zusammen,

    aktuell nutze ich im eigenen Haus Internet und TV über Vodafone Kabel. Gigabit im Download und 50 Mbit im Upload, meistens ohne Probleme. Die Deutsche Glasfaser baut im Ort gerade aus, bisher konnte ich mich nicht durchringen, mitzumachen, auch wenn der Upload mit 500 Mbit interessant erscheint. Meine Sorge betrifft eher die Signalverteilung vom Keller (HÜP) in die anderen Etagen.

    - Kann ich mittels Konverter oder Adapter das ankommende Signal des Glasfaser-Providers auf die vorhandene Koax-Kabel-Infrastruktur übertragen und hätte ich dadurch irgendwelche Einbußen?

    - Wenn möglich, könnte ich dann an jeder Kabeldose im Haus eine FritzBox oder einen Accesspoint anschließen, so dass ich in jeder Etage Internet über WLAN und Ethernet und zwar mit dem maximal möglichen Durchsatz hätte?

    - Bräuchte ich eine neue FritzBox, die für Glasfaser geeignet ist oder könnte ich meine vorhandene 6690 weiterverwenden?

    - Würde ein (Glasfaser)Router direkt im Keller mehr Sinn machen, bevor das Signal in die vorhandene Kabel-Infrastruktur geht?

    Danke für eure Einschätzung.

  • - Kann ich mittels Konverter oder Adapter das ankommende Signal des Glasfaser-Providers auf die vorhandene Koax-Kabel-Infrastruktur übertragen und hätte ich dadurch irgendwelche Einbußen?

    Prinzipiell ja. Es gibt Umsetzer für Ethernet-Signale auf Coax Kabel. ABER: trivial wird das nicht. Du musst dafür sorgen, dass das Haus-Netz sauber vom Provider-Netz getrennt wird. Dann musst du sicherstellen, dass die Umsetzer sich nicht die IP vom Provider krallen, die für den Router bestimmt ist. Besonders bei der DG ist das äußerst kritisch, die verteilen nur eine IP pro Anschluss, und nicht selten haben wir Fälle, da haben sich genau solche Umsetzer (g.hn, Powerline, ...) diese IP geschnappt.

    Ob es Einbußen gibt, hängt massiv von der Inhaus Verkabelung ab. Gibt es Stichleitungen? Wird noch TV darüber genutzt? Das ist schwer von außen zu beurteilen. Bei einer reinen, sauberen Punkt-zu-Punkt Verbindung wird es klappen. Hast du was anderes, wird es ein Glücksspiel.

    - Wenn möglich, könnte ich dann an jeder Kabeldose im Haus eine FritzBox oder einen Accesspoint anschließen, so dass ich in jeder Etage Internet über WLAN und Ethernet und zwar mit dem maximal möglichen Durchsatz hätte?

    Nein, auf keinen Fall. Wenn du die Kabel-Infrastruktur schon nutzt, um das WAN Signal vom Keller zum Router zu bekommen, kannst du sie nicht mehr fürs LAN nutzen. Entweder, oder: WAN oder LAN. Wenn du das Kabel-Netz für die LAN Verteilung nutzen willst, muss die Glasfaser anders zum Router geführt werden.

    - Bräuchte ich eine neue FritzBox, die für Glasfaser geeignet ist oder könnte ich meine vorhandene 6690 weiterverwenden?

    Bei der DG hast du Glück, denn die nutzen kein PPPOE. Die 6690 sollte sich also über den WAN Port weiter nutzen lassen, mit dem ONT des Providers.

    - Würde ein (Glasfaser)Router direkt im Keller mehr Sinn machen, bevor das Signal in die vorhandene Kabel-Infrastruktur geht?

    Das wäre eine Möglichkeit, wenn du dein Kabel-Netz für die Verteilung des LANs nutzen möchtest.

  • Willkommen im Forum!

    Ich kann dir nur raten den Gf-Ausbau bei dir durchführen zu lassen. Du hast eine zukunftsfähige Technik damit im Haus und kannst sie auch nutzen. Die Erfahrung zeigt, das nach abgeschlossenem Erstausbau es wieder Jahre dauert (wenn überhaupt) bis die Nachanschlüsse gebaut werden.

    Führe dir vor Augen, dass es sich keinesfalls für ein Unternehmen rechnet für ein einziges Haus, weil der Termin verpasst wurde, den Tiefbau wieder anrücken zu lassen.

    Auch wenn Du den Anschluss erst einmal gar nicht nutzen möchtest, schließe den günstigsten Tarif ab. Nach 24 Monaten kannst Du kündigen und behälst die Glasfaser im Haus. Es wird ja nichts zurückgebaut, sondern Glasfaser kommt hinzu.

    Und nun zu deinen Fragen:

    - Kann ich mittels Konverter oder Adapter das ankommende Signal des Glasfaser-Providers auf die vorhandene Koax-Kabel-Infrastruktur übertragen und hätte ich dadurch irgendwelche Einbußen?

    Ja, aber nur, wenn Du auf KabelTV und Internetzugang via Kabelmodem verzichtest.

    - Wenn möglich, könnte ich dann an jeder Kabeldose im Haus eine FritzBox oder einen Accesspoint anschließen, so dass ich in jeder Etage Internet über WLAN und Ethernet und zwar mit dem maximal möglichen Durchsatz hätte?

    Nein. Wie im Kabel auch gilt hier: eine Glasfaser - ein Router. Natürlich kannst Du nach dem Router das Signal verteilen.

    - Bräuchte ich eine neue FritzBox, die für Glasfaser geeignet ist oder könnte ich meine vorhandene 6690 weiterverwenden?

    DG verbaut kostenlos einen ONT. Daran kannst Du einen Router via Netzwerkkabel (RJ-45) anschließen. https://avm.de/service/wissen…uss-einrichten/ Achtung: Du musst den Vertrag mit DG auf kundeneigener Router abschließen und keinesfalls mit Mietrouter!

    - Würde ein (Glasfaser)Router direkt im Keller mehr Sinn machen, bevor das Signal in die vorhandene Kabel-Infrastruktur geht?

    In vielen Fällen ist dies vorteilhaft. Jedoch hängt das einzelne Ausbauprojekt immer von den individuellen Anforderungen und der vorhanden Infrastruktur ab.

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  • Hallo,

    leider fehlt die Info, ob es sich um ein Einfamilien- oder Mehrfamilienhaus handelt. Ich gehe mal von einem Einfamilienhaus aus.

    Ja, aber nur, wenn Du auf KabelTV und Internetzugang via Kabelmodem verzichtest.

    Mit der Verwendung von MOCA-Adaptern (nicht bei G.hn-Adaptern) und einen Tiefpassfilter am Hauseingang des TV-Kabels könnte man zumindest Kabel-TV weiternutzen. Internetzugang via TV-Kabel wäre nicht mehr nötig, da das ja per Glasfaser verfügbar wäre. Gilt natürlich nur im EFH und wäre etwas für einen Fachmann.

    Wenn über mehrere Accesspoints im Haus nachgedacht wird, sollte der Router im Keller stehen, da wie schon oben geschrieben WAN und LAN im selben Kabelnetz schwierig ist.

    Wenn man sich mit VLANs und deren Konfiguration auskennt könnte man das zwar machen, aber der Router im Keller ist einfacher.


    Die Nutzung eines ansonsten unbenutzten und vom öffentlichen Kabelnetz getrennten TV-Kabels zur Verteilung des LANs im Haus ist unproblematisch, läuft bei uns mit G.hn-Adaptern (da kein TV-Signal mehr vorhanden, s.o.). Router im Keller, von dort per TV-Kabel und G.hn-Adapter zu einer Fritzbox als Mesh-Client in jedem Stockwerk. Fritzboxen, weil gebrauchte 7520 billiger zu bekommen sind als Fritz-Repeater und dafür völlig ausreichen ;)

  • Lass Dir Glasfaser ins Haus legen. "Der Bagger kommt nicht zweimal". In Hannover ruft m.W. die htp für einen Nachausbau rund 2000€ auf. Und selbst dann kann das noch Jahre dauern.

    Für Immobilieneigentümer, die einen (i.d.R. kostenfreien) Ausbau ungenutzt lassen, habe ich nur noch Mitleid übrig. Da ziehen bei mir auch keine Argumente ...von 5€ im Monat mehr, die machen Dreck oder mein schöner Vorgarten, ... mehr.

    Ansonsten suche Dir für die neue Inhouseverkabelung (Gf, Ethernet) Leitungswege. Meist geht da was. Und wenn es ein ungenutzter Schornstein oder eine Hohlwand hinter dem Trockenbau ist.

    Koax als Medium weiter zu nutzen mag technisch gehen, am Ende bleibt es eine wackelige Bastelei. Ich weiß wovon ich rede. Habe lange gebraucht, auf 12-adrigen Telefonkabeln stabiles Gigabit Ethernet zum laufen zu bekommen.

  • Koax als Medium weiter zu nutzen mag technisch gehen, am Ende bleibt es eine wackelige Bastelei. Ich weiß wovon ich rede. Habe lange gebraucht, auf 12-adrigen Telefonkabeln stabiles Gigabit Ethernet zum laufen zu bekommen.

    Prinzipiell ist eine neue Ethernetverkabelung immer vorzuziehen, aber wenn das warum auch immer nicht geht oder wirtschaftlich umsetzbar ist, dann willst Du hoffentlich nicht Koax und Telefondraht vergleichen. Telefondraht ist vielleicht für Brandbreiten von einigen MBit geeignet (DSL geht bis 250 MBit), während Koax durch seinen Aufbau schon für mehrere GBit geeignet ist (und bei Internet über TV-Kabel ja auch genutzt wird). Deine Erfahrungen mit Telefondraht auf Koax zu übertragen ist falsch. Und beides ist noch besser als jegliches WLAN, Koax ist da eher mit zwei direkt verbundenen WLAN-Antennen vergleichbar: WLAN ohne Störung von außen und mit langer Entfernung. Warum sollte es vom Provider zum Kunden mehrere GBit können, aber wenn es davon abgetrennt wird, im kürzeren Stück beim Kunden plötzlich wackelig sein?

    Es hat nur den Nachteil, dass die Umsetzer Geld kosten, Strom verbrauchen und das Kabel nicht mehr einfach für TV oder Kabelinternet nutzbar ist.

    Altes RG-58-Ethernet ist auch Koax, wäre problemlos auch auf mehr als 10 MBit aufzubohren gewesen. Nutzt heute nur keiner mehr, weil es andere Nachteile hat (Kette statt Baum)

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  • Vielen Dank an alle, sehr hilfreiche Antworten. Eine Sache noch. Ich sehe gerade, dass ab sofort auch Vodafone Glasfaser über Kooperationspartner vermarktet. Macht es Sinn, mich an Vodafone hinsichtlich Ausbau zu wenden oder doch lieber Deutsche Glasfaser. Bei VF bin ich bereits Kunde für Kabel-TV und Internet.

  • dann willst Du hoffentlich nicht Koax und Telefondraht vergleichen

    Diesen Vergleich habe ich an keiner Stelle gebracht, außer man will es so interpretieren.

    Es ging mir ausschließlich um die Botschaft, dass "Ersatzlösungen" nie das Gelbe vom Ei sind.

  • Ich sehe gerade, dass ab sofort auch Vodafone Glasfaser über Kooperationspartner vermarktet. Macht es Sinn, mich an Vodafone hinsichtlich Ausbau zu wenden oder doch lieber Deutsche Glasfaser. Bei VF bin ich bereits Kunde für Kabel-TV und Internet.

    Ja, Vodafone nutzt in deinem Falle das Netz von Deutsche Glasfaser. Ohne einen Glasfaseranschluss von DG auch keine Kooperation. Die Preise von VF im Netz von DG sind auch nicht der Brüller. Da kann man beim Betreiber des Glasfasernetzes bleiben.

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  • Aus Witz sei mal drauf hingewiesen, dass du bei der deutschen Glasfaser deine Kabel-Fritz!Box ggf. als Router weiterverwenden kannst, beim Wechsel von Vodafone Kabel zu Vodafone Glasfaser gelingt dies nicht.

  • Die Preise von VF im Netz von DG sind auch nicht der Brüller. Da kann man beim Betreiber des Glasfasernetzes bleiben.

    Zumal man bei einer Vertragsverlängerung (bei mir zum Ablauf des ersten rabattierten Jahres) auf Nachfrage, direkt und ohne weitere Verhandlung deutlich unter Listenpreis landet bzw. bleibt. Es ist ja inzwischen allgemein bekannt, dass man beispielsweise für 1000/500 dann 65€ anstelle von 89€ bekommt.

    FTTH DG 1000/500 | FRITZ!Box 5590 Fiber | 2 mal FRITZ!Repeater 3000AX als Access Points