FTTH vs FTTB im Einfamilienhaus

  • Hallo zusammen,

    wir wohnen in einem Einfamilienhaus und möchten uns einen Glasfaser Anschluss verlegen lassen. Unser Router befindet sich bisher in einem Büro im Dachgeschoss. Nun frage ich mich, ob es einen großen Unterschied macht, ob wir Glasfaser nur bis in den Keller legen lassen (FTTB wenn ich das richtig verstanden habe), oder ob die Kupferkabel bis zum Router im Dachgeschoss auch ersetzt werden sollten (FTTH?).

    Sucht man nach Vorteilen von FTTH findet man immer das Argument, die Nachbarn könnten einem die Bandbreite reduzieren. Im Einfamilienhaus zwischen Keller und Dachgeschoss ist das allerdings kein Argument mehr. Außerdem folgen auf den Router ja auch wieder Kupferkabel, sei es ein Netzwerkkabel direkt zum PC oder DLAN zu den Steckdosen im Haus. Wieso sind die 15 Meter Kupfer vom Keller bis zum Router ein Problem? Spielt es eine Rolle ob das Kupfer vor oder hinter dem Router ist?

    Ich hoffe ihr könnt mich etwas aufklären :) Vielen Dank im Voraus!

  • Genau weiß ich das leider nicht, wir haben das Haus nicht selbst gebaut. Es ist im Dachgeschoss aber ein Kabelanschluss, kein DSL, falls das einen Unterschied macht?

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  • ist das nicht Standard? Baujahr ist 2000.

    Sollte es nach DIN18015 sein. Aber wenn ein Bauherr, was leider vielfach vorkommt, auf die Anwendung dieser DIN verzichtet, dann eben nicht.

    Viele Elektroplaner und Architekten verzichten aus Unwissenheit oder auf "Einsparwillen" des Bauherren auf die Anwendung der Norm und bringen dann den Eigentümer oder Mieter später in eine arge Bedrängnis. Aber das vielfach gehört Argument ist dann "geht doch alles drahtlos" ...

    Einmal editiert, zuletzt von Schnurz (5. Januar 2025 um 12:19)

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  • Hängt davon ab, welche Zugangskapazität Du buchen willst und was fuer Kabel liegen:

    Wenn vom Keller zum DG bereits Cat5e oder bessere Ethernetkabel liegen spricht kaum etwas dagegen einen ONT/Medienkonverter im Keller zu platzieren und dann per Ethernet zum Router im DG zu gehen. Solche Ethernetkabel, wenn sie denn ausreichend kurz sind erlauben 1, 2.5, 5 oder mit viel Glueck sogar 10 Gbps, sind also auch auf absehbare Zeit noch zukunftssicher.

    Wenn da nur Cat3 Telephonkabel, oder schlimmer unverseiltes "Elektrikerkabel" liegt musstest Du wohl auf ein paar zusätzliche G.hn/G.fast Adapter setzen (die gibt es auch fuer Koaxialkabel) kaufen. Wenn die Kabel ausreichend gut sind und mindestens 4 Adern haben kann diese Anleitung einen Versuch wert sein:

    Ethernet über Netzwerk- und Telefonkabel - Praktische Montage und Fehlersuche
    Hallo zusammen! :) Gerade in Zeiten von hochbitratigen Internetanschlüssen wird eine strukturierte Verkabelung im Haus immer wichtiger, um auch in die…
    ngb.to

    Mit 4 Adern ist bei 100 Mbps theoretisch Schluss, bei 8 Adern kann 1 Gbps funktionieren (muss aber nicht, hier gilt Versuch macht kluch).

    Aber wenn Du kannst, verlege ein neues Ethernetkabel Cat6 oder besser... oder gleich Singlemode-Glasfaser.

  • Um das bzgl. FTTH und FTTB einzuordnen.

    FTTB würde bedeuten, dass du ab Keller mit einer technischen Übergangslösung den eigentlichen Anschluss herstellst. Zum Beispiel über VDSL/g.fast etc. bis zur Wohnung, wo du dann den Router einsetzt, um den Abschluss für dich herzustellen. Das kann entweder durch den Netzbetreiber selbst erfolgen (eher in MFH), aber auch eigene Lösungen auf Basis g.hn sind möglich, die alte Kupferleitungen weiterverwenden (Koaxial oder CuDA) (kleinere Einheiten oder EFH). Bandbreiten liegen im Bereich von 50 - 1500 Mbps auf solchen Lösungen.

    Lösungen, die auf Ethernetkabeln umsetzen (z.B. durch den ONT im Keller), sind dem Wortlaut nach vielleicht auch FTTB, da dort die Glasfaser endet, aber von einer ganz anderen Qualität.
    Ab Cat.6 (und erst recht ab Cat.6A oder Cat.7) stehen dir 10 Gbps symmetrisch zur Verfügung. Das ist ein ganz anderes Kaliber als FTTB wie oben beschrieben.

    Streng und praktisch gesprochen wird es bei dir nicht um FTTB gehen, wenn du in der Lage bist, die alte Kupferleitung zu ersetzen. Da stehen dir dann alle Optionen offen: Glasfaser bis zum Punkt, wo der Router stehen soll oder einfach Cat.7 und mit einem ONT arbeiten.

  • Solche Ethernetkabel, wenn sie denn ausreichend kurz sind erlauben 1, 2.5, 5 oder mit viel Glueck sogar 10 Gbps

    Bei vernünftiger Kabelqualität (S/FTP, PIMF) mit entsprechend guten Anschlußdosen und Schirmung gehen bestimmt 10GBit/s. In einem EFH erreichen bei guter Planung auch die Inhouse-Kabelstrecken kaum die 90 Meter Länge. Also eher unkritisch.

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  • Vielleicht ist das auch ein guter Zeitpunkt, das hausinterne Netzwerk zu überdenken. Ist denn der WLAN-Router optimal platziert oder gibt es Räume, wo das WLAN schwach ist? Braucht ihr eventuell einen WLAN-Repeater?

    Bei uns im EFH steht der Router im Keller, zusätzlich gibt es in einem anderen Teil des Hauses einen WLAN-"Repeater" (über Netzwerkkabel angebunden).

    Das NAS steht ebenfalls im Keller.

  • Vielen Dank für die zahlreichen Antworten! Dass vielmehr die Kabel-Qualität entscheidend ist, als die Tatsache bis wohin die Glasfaser verlegt wird und ob es nun FTTH oder FTTB ist, leuchtet mir ein. Da im Dachgeschoss ein Büro ist, macht der Router dort eigentlich schon Sinn. Dann versuche ich mal herauszufinden, was für ein Cat Kabel dorthin verlegt wurde. Sieht man das den Kabeln an oder kann man das nur testen?

    Nochmals vielen Dank! :)

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  • Hallo NablaDelta,

    kannst Du uns Fotos von den Kabelenden der Verbindung vom Keller bis zum Dachgeschoss zur Verfügung stellen? Oder zumindest die Abdeckung der Anschlussdosen entfernen und schauen, ob Du eine Kabelmantelfarbe sehen kannst. Orange wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit Ethernetkabel, grau Telefonkabel, Koaxialkabel können Weiß, Grau oder Schwarz sein. Sicher ist das alles aber zur Identifikation nicht. Also am besten ein paar Fotos. Liegt die Leitung ein Stück frei zugänglich, könntest Du auch nach einer aufgedruckten Kabelbezeichnung schauen.

    Viel Erfolg.

    Gruß GF-Fan

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  • Was ist die maximale Bandbreite dieses Kabels? Der Ausgang im Dachgeschoss liegt an einer gegenüberliegenden Wand, d.h. das Kabel läuft auch über mehrere Wände horizontal. Ob durchgängig Leerrohre verwendet wurde kann ich leider nicht sagen :( Kann man das vorsichtig testen, ob ein neues Kabel durchgezogen werden kann, oder sollte man sich da vorher sicher sein?

    Edit: Zumindest der Anfang liegt tatsächlich im Leerrohr, vermutlich dann auch durchgängig das ganze Kabel, oder?

    Einmal editiert, zuletzt von NablaDelta (5. Januar 2025 um 18:30)

  • Dies ist ein geeignetes Produkt, um g.hn über Koaxialkabel zu übertragen.

    Glasfaser-Weiterleitung im Einfamilienhaus - GIGA Copper Networks
    Glasfaser-Anschlüsse sind auf dem Vormarsch. Das Problem der „allerletzten Meile“ bleibt aber oft bestehen: wie kommt das schnelle Internet ohne […]
    www.gigacopper.net

    Das setzt ein Bekannter ein und ist zufrieden.

    Da wird es noch mehr Anbieter geben.

    Edit: Aber Kabel zu tauschen ist in jedem Fall die bessere Option.

  • Nachtrag: Ggf macht es mehr Sinn, den Router woanders zu installieren, wenn die Kabelführung unterm Dach nicht geeignet ist.

    Alternativ gibt es keinerlei Netzwerkkabel im Haus?

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  • Hallo NablaDelta,

    wenn ich die folgende Quelle https://www.devolo.de/giga-bridge-coax hernehme, dann wären wohl bis zu 1GBit/s möglich. Benutze mal die Suchfunktion hier im Forum. Das Thema wurde schon hier diskutiert. Die Punkt zu Punkt Verbindung wäre dann exklusiv nur für die Übertragung der WAN-Verbindung vom ONT zum Router und kann nicht mehr für etwas anderes verwendet werden. Wäre aber immer eine Lösung zweiter Wahl. Wenn bei Dir das Koaxialkabel vom Keller bis zum Büro im DG durchgängig im Leerrohr (evtl. noch mit Zwischendosen) liegt, wäre eine Auswechselung gegen eine Glasfaser oder gegen ein Cat 7 Netzwerkkabel auf jeden Fall die bessere Lösung. Das müsste man sich im Detail anschauen vor Ort, wie das Kabel konkret durch die Geschosse geführt wurde beim Bau des EFH. Viele Bögen, abwechselnde senkrechte und waagerechte Strecken sowie eine große Gesamtlänge machen das Herausziehen mitunter schwer oder gar unmöglich. Aber vielleicht hast Du Glück, es wurde durchgängig im Leerrohr verlegt und es bewegt sich am Ende, wenn am Anfang ein wenig gezogen wird. Vielleicht kennst Du einen guten Elektriker oder eine Netzwerkinstallationsfirma, die sich das mal vor Ort ansehen und beurteilen könnte.
    Deine Situation findet sich leider häufig. "Früher" hat noch keiner vorhergesehen, dass mal eine Ethernetverkabelung notwendig wird oder gar Glasfaserverkabelung. Stattdessen finden sich TAE-Telefondosen, ISDN-Dosen, TV-Anschlussdosen, SAT-Anschlüsse, Lautsprecherbuchsen und eine entsprechende Verkabelung. Sollte der damalige Bauherr des EFH aber schon auf Leerrohre geachtet haben, wären das bereits die halbe Miete für eine erfolgreiche Umrüstung der Verkabelung.

    Drücke die Daumen. Man wünscht ja zum neuen Jahr immer Glück. Kannst Du hier gebrauchen.

    Gruß GF-Fan

  • "Früher" hat noch keiner vorhergesehen, dass mal eine Ethernetverkabelung notwendig wird oder gar Glasfaserverkabelung.

    Na ja. Das hängt wohl eher damit zusammen, ob der Bauherr, Architekt und/oder Elektroplaner überhaupt Ahnung von der Materie hatten und sich auch mit den einschlägigen Normen befasst haben.

    Ich habe in 1999 ein Gebäude aus 1963 gekauft und renoviert/umgebaut. Im Gespräch mit einer Architektin habe ich dann meine Elektroplanung erklärt und die gute Frau ist fast vom Glauben abgefallen, weil sie dieses überhaupt nicht auf ihrem Schirm hatte. Bei mir gibt es in jedem Raum, ausser Gäste-WC und Bad, jeweils mindestens eine 3er Kombination mit je 2 mal Doppel-LAN Dose 8-adrig voll beschaltet und einer Koax-Dose mit TV, Radio und F-Anschluß. Alle in Sternverkabelung mit einzelnem Leerrohr pro Dose.

    Es geht also schon. Und ich empfehle dieses Jedem auch noch heute so zu tun.

    Wenn das, evtl. vorhandene, Leerrohr groß genug ist, könnte möglicherweise ein solches Produkt, zusätzliche UP-Dose einbauen, Dir das Problem lösen. Dazu bräuchtest Du natürlich einen Elektriker, der sich damit auskennt. Dann müsste das Koax-Kabel zurückgezogen werden und mit dem GF-Verbund (Leerrohr groß genug?) zusammen wieder eingezogen werden.