Warscheinlichkeit, Glaubwürdigkeit des Doppelausbaus durch Glasfaser Plus?

  • Hallo Ich wohne in einem Dorf mit 8 Ortsteilen und ca. 3000 Einwohner. Aktuell baut bei uns die Unsere Grüne Glasfaser (UGG) mit dem Subunternehmen CWP Glasfasertechnik in allen Ortsteilen aus. Laut Quote der Gemeinde sind fast schon 40 Prozent der Straßen erschlossen.


    Seit 2023, dem gleichen Zeitraum wo die UGG ihren Ausbau bekannt gegeben, hat auch die Deutsche Telekom verkündet den Ausbau in 4 Ortsteilen durch Glasfaser Plus auszubauen. Seitdem bekomme ich massig Werbeanrufe der Telekom, obwohl ich neben der UGG auch bei der Telekom angerufen habe und einen Vertrag abgeschlossen habe . Ansonsten nach Rücksprache der Gemeinde hat die Glasfaser Plus mit der Firma Insyte bis jetzt in zwei Straßen Glasfaserkabel verlegt und dann den Kontakt zur Gemeinde abgebrochen. Es wurden keine weiteren neuen Verkehrsrechtlicheanordnungen der Straßen für den Ausbau seitens der Glasfaser Plus gestellt.


    Wie warscheinlich ist, dass die Glasfaser Plus neben der UGG mit den Doppelausbau der 4 Ortsteile weiter verfolgt. Besteht Hoffnung, dass die bis jetzt noch ausgeschlossenen weiteren 4 Ortsteile auch in Zukunft durch die Glasfaser Plus ausgebaut werden.

    Man sieht auch bis auf den DSL Kästen in den Straßen keine Glasfaserwerbung der Deutschen Telekom. 2023 bei Verkündung des Ausbaus stand das Telekom Glasfasermobil auf dem örtlichen Supermarktparkplatz für 2 Wochen, seitdem habe ich dieses auch nicht mehr wieder gesehen.

    Warum baut die Deutsche Telekom nicht auch auf den Land selbst aus, sondern mietet sich bei Glasfaser Plus ein. DSL wird ja auch direkt am Land von der Deutschen Telekom ausgebaut.

    Früher hat Telekom immer behauptet sie selbst sei Netzbetreiber von hoher Qualität und stolz darauf manwürde sich niemals auf Netze privater Netzbetreiber wie Vodafone, o2 etc. einkaufen, da man auf die Qualität des Netzes der Deutschen Telekom bei den Mitbewerber nicht gewährleisten kann.


    Warum jetzt auf einmal der Sinneswandel mit der Bereitstellung der Angebote der Deutschen Telekom beim offenen Netzbetreiber Glasfaser Plus?

  • Früher hat Telekom immer behauptet sie selbst sei Netzbetreiber von hoher Qualität und stolz darauf manwürde sich niemals auf Netze privater Netzbetreiber wie Vodafone, o2 etc. einkaufen, da man auf die Qualität des Netzes der Deutschen Telekom bei den Mitbewerber nicht gewährleisten kann.

    Wann und wo hat sie das so pauschal behauptet? Bei FTTC mietet sich die Telekom seit etwa 10 Jahren bei anderen Netzbetreibern ein und bietet ihre VDSL-Tarife dort an wo diese Anderen FTTC und Vectoring ausgebaut haben. Dort nutzt sie auch deren Technik. Und bei FTTH ist die älteste mir bekannte Kooperation aus dem Jahr 2012, in diesem Fall allerdings wohl nur passive Netzinfrastruktur (also die Fasern selbst). Ähnliches gibt es mittlerweile mit über einem Dutzend Stadtwerken.

    Bei GlasfaserPlus ist der Sonderfall dass diese Firma der Telekom zu 50% gehört. GF+ ist ein Joint Venture der Telekom mit einem australischen Pensionsfonds, der hier nur Geld anlegt. Auch wenn es formal eine andere Firma ist, die technische Umsetzung geschieht sicher so wie die Telekom es haben will. Über GF+ kann die Telekom einfach noch ein paar Mrd Euro mehr in den Glasfaserausbau investieren, ohne selbst zusätzliche Schulden machen zu können die in der Bilanz auftauchen würden. Ähnliches gibt es ja schon seit Jahren bei Glasfaser Nordwest, einem Joint Venture mit EWE. Wobei EWE sicher eine stärkere eigene Meinung dazu hatte wie die Netze gebaut werden sollen als ein australischer Pensionsfonds.

    Ob die GF+ den Ausbau jetzt noch durchzieht lässt sich so einfach nicht beantworten. GF+ hat auch schon Ausbaugebiete wieder abgesagt nachdem anderen ausgebaut hatten. Sind denn noch laut Verfügbarkeitsprüfung Glasfaser-Tarife verfügbar?

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    Ich verstehe die Frage nicht so ganz. Durch das Befragen einer Suchmaschine deiner Wahl oder ein Blick auf die Webseite von Glasfaserplus hättest Du das gefunden:

    Zitat

    Die GlasfaserPlus ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Telekom und des IFM Global Infrastructure Fund. Die Telekom ist der große Errichter von Glasfasernetzen in Deutschland. IFM ist Experte für Infrastrukturprojekte weltweit. Das Joint Venture bündelt die Stärken dieser beiden Partner in der GlasfaserPlus, sodass noch schneller und noch mehr Glasfasernetze entstehen

    Nach wie vor ist ein Doppelausbau selten. Eher ist es wahrscheinlich, dass sich ein Anbieter zurückzieht. Leider betreibt die Telekom ein Rosinenpicken. Sollte sich UGG bei euch tatsächlich zurückziehen und nicht nur pausieren, dann schauen 4 OT in die Röhre. Glasfaserplus/Telekom baut nur die OT aus, die am meisten Gewinn versprechen. Da dies natürlich auch politischen Sprengstoff beinhaltet und damit die Kommune von Glasfaserplus/Telekom erpresspar wird, muss man wissen.

    DSL basiert auf dem Kupfernetz der Bundespost, deren Nachfolger die Telekom ist und damit Monopolist in diesem Bereich. Zumindest ist sie das "marktmächtigste" Unternehmen. Daher gibt es für das Kupfernetz auch eine Regulierungsbehörde (Bundesnetzagentur), die der Telekom Leitungspreise für Mitbewerber vorschreibt. Glasfasernetze sind bisher explizit von der Regulierung ausgenommen.

  • GlasfaserPLus ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Telekom mit dem australischen Infrastrukturfonds Industry Funds Management (IFM Global Infrastructure Fund).

    UGG ist ein Gemeinschaftsunternehmen der O2 Mutter Telefonica mit der Allianz.

    In beiden Faellen ist die jeweilige ISP-Tochter als Anker-ISP gesetzt...

  • Glasfasernetze sind bisher explizit von der Regulierung ausgenommen.

    Jain, die Telekom ist durch die Bundesnetzagentur verpflichtet worden auch fuer FTTH Anschluesse einen Standardvertrag anzubieten mit oeffentlich bekannten Preisen, was es da bisher nicht gibt sind ex-ante regulierte Preise... (und der Prozess ist noch nicht abgeschlossen).

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  • Glasfasernetze sind bisher explizit von der Regulierung ausgenommen.

    Seit 2022 gibt es eine Regulierung für die Telekom-FTTH-Netze, nach denen die Telekom ein (von der Bundesnetzagentur zu genehmigendes) Standardangebot für Vorleistungen vorlegen musste zu dessen Konditionen jeder Anbieter FTTH-Tarife über Telekom-Netz anbieten kann. Mitte 2024 wurde das auf Glasfaser Nordwest und GlasfaserPlus ausgeweitet:

    "Die Bundesnetzagentur hat in vier Regulierungsverfügungen die Regulierung für die Glasfaser NordWest GmbH und die Glasfaser Plus GmbH festgelegt. Damit wird der Rahmen, der bereits für die Glasfaserinfrastruktur der Telekom Deutschland GmbH (Telekom) gilt, auf deren Glasfaserbeteiligungen erstreckt."

  • Stimmt ihr habt Recht und ich hatte es tatsächlich vergessen, das diese Regulierungsverfügungen ausschließlich für die Deutsche Telekom und ihre Kooperationen (Glasfaser Nordwest und GlasfaserPlus) existiert. Allerdings nur bis 2026, dann erfolgt eine Neubewertung durch die BNetzA.

  • Lustig, dass die Insyte bei euch für die Glasfaserplus buddelt. Bei uns hat sie für die UGG gebuddelt und die Firmen scheinen schlecht miteinander auszukommen, weswegen sich seit einiger Zeit nichts mehr tut.

    In den Nachbarkommunen hat die UGG nicht die Insyte geschickt, dort kommen sie deutlich besser voran. Ich tippe daher einfach mal darauf, dass die UGG bei euch das Rennen macht und was die GF+ dann im Anschluss noch so treibt kann denen, die einen richtigen Internetanschluss haben wollen, ja ziemlich egal sein.

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  • Leider betreibt die Telekom ein Rosinenpicken.

    Also wenn wirtschaftliches Handeln Rosinenpicken ist, dann weiß ich es jetzt bald auch nicht mehr.

    Ist nicht jeder eigenwirtschaftliche Ausbau nach wirtschaftlichen Aspekten ausgerichtet? Die meiste mir bekannten Unternehmen bauen nur aus, wenn sie sich vorab mindestens 40 % der Kunden exklusiv sichern können.

  • Wenn UGG 8 von 8 OT ausbaut und zeitgleich die Telekom verkündet ebenfalls auszubauen, jedoch nur 4 von 8 OT, dann hat das nur den Zweck den Wettbewerber zur Aufgabe zu bewegen. Das ist Rosinenpicken.

  • Na ja, makrooekonomisch ist es erkennbar sub-optimal der GlasfaserPlus einen partiellen Doppelausbau zu erlauben, der den Plan der UGG eine groessere Zahl an FTTH-Anschluessen zu bauen torpediert/unwirtschaftlich macht. Allerdings ist das eine direkte Konsequenz aus dem bei uns gewaehlten FTTH-Ausbaumodells "primaer privatwirtschaftlich finanziert", und innerhalb der aktuelle Regularien zulaessig (also nicht illegal).

    Fuer die GlasfaserPlus/Telekom (bzw. jeden anderen "Rosinenpicker") hat das zwei Vorteile:

    a) der ausgebaute Bereich duerfte lukrativer sein und billiger zu erschliessen

    b) dem Mitbewerber wird dadurch geschadet.

    Dummerweise lassen sich grosse Unternehmen meist nur davon leiten was verboten ist, d.h. was nicht explizit verboten ist, wird gemacht wenn es Vorteile verspricht. Das ist kein Ruhmesblatt fuer unsere Unternehmen, aber vor allem nicht fuer die Politik die solches Agieren nicht nur zulaesst sondern oft auch foerdert...

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  • Wenn UGG 8 von 8 OT ausbaut und zeitgleich die Telekom verkündet ebenfalls auszubauen, jedoch nur 4 von 8 OT, dann hat das nur den Zweck den Wettbewerber zur Aufgabe zu bewegen. Das ist Rosinenpicken.

    Und hat die UGG keinen Arsch in der Hose? Ist deren Angebot etwa so schlecht?

    Lasst uns doch einfach normales wirtschaftliches Handeln nicht als Rosinenpicken framen. Denn alle Unternehmen am Markt picken demnach Rosinen und was uns diese Aussage dann bringen soll, ist mir ein Rätsel.

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  • Das ist kein Ruhmesblatt fuer unsere Unternehmen, aber vor allem nicht fuer die Politik die solches Agieren nicht nur zulaesst sondern oft auch foerdert...

    Die Absichten der Politik sind doch relativ eindeutig. In der Schaffung der Ausführungsbestimmungen, aka Gesetze, erkennt man aber ziemlich deutlich die Handschrift der Lobbyisten. Der Gesetzgeber will möglichst kein Geld in dieses Art der Infrastruktur stecken => eigenwirtschaftlicher Ausbau vor Förderung! Begründung: Die Netzeigentüer wollen ja damit Geld verdienen. Also sollen sie es auch selber bezahlen.
    Gleichzeitig wünscht der Gesetzgeber (wir alle!) aber einen flächendeckenden Ausbau ohne Ausnahmen um annähernd gleichwertige Lebensbedingungen zu schaffen. Das widerspricht aber der Kostenkalkulation der Netzbetreiber/Erbauer, da der RoI für einen derartigen Ausbau massiv schwankt. Insbesondere, wenn die vorhandene Infrastruktur noch keinen wirklichen Anreiz zum "upgrade" verlangt.

    Einmal editiert, zuletzt von Schnurz (25. Mai 2025 um 11:00)

  • Der Gesetzgeber will möglichst kein Geld in dieses Art der Infrastruktur stecken => eigenwirtschaftlicher Ausbau vor Förderung! Begründung: Die Netzeigentüer wollen ja damit Geld verdienen. Also sollen sie es auch selber bezahlen.

    Nominell ja, und dennoch pumpen wir 2-stellige Milliardenbetraege in die Foerderung, weil ansonsten das 100% Ziel erkennbar unerreichbar bleibt. Und das ganze meist zur Fuellung von Wirtschaftlichkeitsluecken, d.h. die mit dem Foerdergeld gebaute Infrastruktur geht nach einigen Jahren in den Besitz des ausbauenden ISPs ueber... also aus der Tasche des Stuerzahlers in de Tasche der ISPs... statt das Zugangsnetz ganz zu verstaatlichen und zu bundesweiten Einheitspreisen an Betreiber-ISPs zu vermieten... das haette das Potential zu echtem Betreiberwettbewerb gehabt, und statt dessen bekommen wir ein mehr schlecht als recht reguliertes Oligopol... Spoiler alert: die groessten Fans Markwirtschaftlicher Loesungen ignorieren IMHO oft die Vorhersagen der Theorie unter welchen Bedingungen ein Markt funktionieren kann...

  • Der Gesetzgeber will möglichst kein Geld in dieses Art der Infrastruktur stecken => eigenwirtschaftlicher Ausbau vor Förderung! Begründung: Die Netzeigentüer wollen ja damit Geld verdienen. Also sollen sie es auch selber bezahlen.
    Gleichzeitig wünscht der Gesetzgeber (wir alle!) aber einen flächendeckenden Ausbau ohne Ausnahmen um annähernd gleichwertige Lebensbedingungen zu schaffen.

    Wobei wir im Breitbandmarkt die etwas kuriose Situation haben dass praktisch alle Anbieter (Telekom-Konkurrenten über deren Verbände wie VATM, Breko, als auch die Telekom selbst) schon seit längerem vom Staat fordern dass dieser sich bei der Förderung mehr zurück hält.

    Für einen flächendeckenden Ausbau ohne Ausnahmen braucht man natürlich Förderung. Aber dafür hätte es auch gereicht die Grenze für eine förderfähige Unterversorgung erstmal bei maximal 30 Mbit/s zu belassen. Oder notfalls auch 100 Mbit/s. Der Staat hat aber nach 2020 die Grenzen immer weiter angehoben, so dass immer mehr Haushalte förderfähig wurden. Das hat in der Branche niemand gefordert.

    Es ist also mMn durchaus der Staat der hier einen etwas übertriebenen Aktionismus an den Tag legt.

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  • Weil die halt keine Zeit und Ressourcen mit dem Ausbau nicht/wenig lukrativer Anschluesse binden wollen... ich bin sicher, dass sich das aendert sobald die lukrativen Anschluesse umgebaut sind. Dann heisst es bestimmt "Foerderung oder es wird nichts passieren"...

    Das hat in der Branche niemand gefordert.

    Ja, aber die Branche orientiert sich ausschliesslich am jeweils eigenen Profitstreben, waehrend der Staat schon noch mehr auf Fairness und aehnliche Bedingungen fuer alle Bewohner achtet (nicht so sehr wie ich es fuer angebracht halte, aber weit mehr als unsere Privatunternehmen mit ihrer "greed is good" Mentalitaet....).

    Es ist also mMn durchaus der Staat der hier einen etwas übertriebenen Aktionismus an den Tag legt.

    Aus Sicht eines Anteilseigner der ausbauenden Unternehmen ist diese Position nachvollziehbar, aus Sicht einer der Bewohner dieses Landes eher nicht...

  • Weil die halt keine Zeit und Ressourcen mit dem Ausbau nicht/wenig lukrativer Anschluesse binden wollen... ich bin sicher, dass sich das aendert sobald die lukrativen Anschluesse umgebaut sind. Dann heisst es bestimmt "Foerderung oder es wird nichts passieren"...

    Besonders unlukrativ sind eben diejenigen Haushalte, die besonders abgelegen sind. Die hätte man auch weiter über Förderung erreicht wenn man die Förderschwelle bei 30 Mbit/s oder 100 Mbit/s belassen hätte. Dass es Förderung braucht für die Vollversorgung ist ja unstrittig, die Diskussion geht eher darum wie weit und wie schnell man die Förderungen ausweiten muss. Dass effektiv alle Adressen ohne Kabel- oder FTTB/H-Verfügbarkeit förderfähig sind ist zu diesem Zeitpunkt eben übertrieben. Da hätte man die Förderung weiter auf schwierig zu versorgende Adressen begrenzen sollen und z.B. bei >100 Mbit/s erstmal dem eigenwirtschaftlichen Ausbau den Vortritt lassen können.