Deutsche Glasfaser IPv6 Routingprobleme

  • Hallo Miteinander,

    ich wurde im November von DTAG DSL auf DG umgestellt und habe bei der DG das Problem, dass ich für IPv6 keine eingehenden Verbindungen aufbauen kann. Meine HW ist eine FB7530 per LAN1 an einem Nokia ONT von der DG. Zum Test habe ich mir hierzu die Fernwartungsfunktion der Fritzbox aktiviert, die lauscht nun auf Port 49102. Ich kann aus meinem LAN hinter der Fritzbox die Fernwartung über die globale IPv6 Adresse erreichen. Der Service ist als definitiv aktiv. Von meinem Contabo VPS im Internet ist jedoch keine Verbindung zur IPv6 Adresse der FB möglich. Für eine genauere Analyse habe ich mir eine Ubuntu Server Kiste als Layer 2 Bridgedevice konfiguriert und diese zwischen ONT und Fritzbox eingesteckt, so dass der ganze Traffic über diese Bridge muss und per tcpdump mitgeschnitten werden kann. In der angehängten Grafik kann man das sehen, die IP Adressen habe ich im Diagramm geändert aus verständlichen Gründen.

    Ich habe nun auf dem Contabo Server und auf der Bridge Kiste tcpdump gestartet, von dem Contabo Server einen http Request per curl Richtung Fernwartung abgesetzt und nach dem curl Timeout das Ganze wieder gestoppt. In Wireshark sieht man in den Dumps deutlich, dass die TCP SYN Pakete vom VPS auf der FB ankommen und dort auch mit SYN,ACK beantwortet werden. Leider frisst aber der Router von der Deutschen Glasfaser exakt diese SYN,ACK Rückpakete, sie kommen nie auf dem VPS an. Es liegt aber nicht an dem VPS, ich kann auch von diversen Testseiten "anderswo" im Internet traceroute6 per ICMP oder TCP oder UDP versuchen, immer das gleiche Ergebnis. Der DG Router leitet keine Pakete zur Source IP zurück, wenn diese im "Internet" liegt. Nur in Richtung Source FB > Target Internet funktioniert die IPv6 Kommunikation wie sie eigentlich soll.

    Ein Ticket habe ich bei der DG schon Ende November aufgemacht, es leidet aber extrem unter Unkenntnis/Unverständnis (Helpdesk) und Trägheit (Backoffice).

    Hat jemand ähnliche Symptome bei sich beobachtet, oder ist dies bei mir ein Einzelfall?

    cu, Dr Froeschle

  • Willkommen im Forum!

    Auch hier der gut gemeinte Rat sucht mit den Grundlagen von IPv6 auseinanderzusetzen.

    In einem IPv6 Netz wird nie von extern die Adresse des Routers angesprochen, da kein NAT notwendig ist! Lediglich die IPv6 Adresse des anzusprechen den Gerätes im Heimnetz ist in der Firewall des Routers freizugeben/zu öffnen. Am Besten nur die notwendigen Ports!

    Tückisch können die IPv6 privacy Extensions auf dem Gerät im Heimnetz sein, darauf solltest Du achten.

  • Für eine genauere Analyse habe ich mir eine Ubuntu Server Kiste als Layer 2 Bridgedevice konfiguriert und diese zwischen ONT und Fritzbox eingesteckt, so dass der ganze Traffic über diese Bridge muss und per tcpdump mitgeschnitten werden kann.

    Warum hast du nicht einfach einen Paketmitschnitt in der Fritzbox angelegt? Dieses Gerät ist an einem DG Anschluss gefährlich, da die DG nur eine MAC Adresse am ONT akzeptiert. Ich vermute, deine Probleme stehen in Zusammenhang damit.

    Mach die Analyse noch mal nur mit der Fritzbox und deren Paketmitschnitt.

    Ich kann aus meinem LAN hinter der Fritzbox die Fernwartung über die globale IPv6 Adresse erreichen. Der Service ist als definitiv aktiv.

    Nein, das stimmt so nicht. Anfragen aus dem lokalen Netz sind für die Box was komplett anderes, als aus dem Internet. Es kann durchaus sein, dass der Service nicht erreichbar ist.

    Zum Test habe ich mir hierzu die Fernwartungsfunktion der Fritzbox aktiviert, die lauscht nun auf Port 49102.

    Port 49102 liegt schon im PAT Bereich. Das würde ich ebenfalls ändern.

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  • In einem IPv6 Netz wird nie von extern die Adresse des Routers angesprochen, da kein NAT notwendig ist! Lediglich die IPv6 Adresse des anzusprechen den Gerätes im Heimnetz ist in der Firewall des Routers freizugeben/zu öffnen. Am Besten nur die notwendigen Ports!

    [...]

    Ich habe doch gar kein Gerät aus dem Heimnetz, welches ich freigeben müsste. Die Fernwartung ist doch ein Service der Fritzbox, also wird er auch an die globale Adresse der Fritzbox gebunden. Auch myfritz.net löst genau auf diese Adresse auf.

  • Nachtrag: Was passiert, wenn du aus deinem Heimnetz einen Trace auf deinen VPS machst?

    root@internerserver:/# traceroute6 2a02:c206:1234:5678::1
    traceroute to 2a02:c206:1234:5678::1 (2a02:c206:1234:5678::1), 30 hops max, 80 byte packets
    1 fritz.box (2a00:6020:8765:4321:3ea6:2fff:fe44:183a) 1.301 ms 1.249 ms 1.218 ms
    2 * * *
    3 * * *
    4 * * *
    5 * * *
    6 ffm-bb1-v6.ip.twelve99.net (2001:2034:1:6b::1) 18.455 ms 13.084 ms 15.288 ms
    7 ddf-b3-v6.ip.twelve99.net (2001:2034:0:195::1) 17.629 ms 16.171 ms 16.438 ms
    8 anonymous-ic-386520.ip.twelve99-cust.net (2001:2035:0:25e6::2) 22.439 ms 20.056 ms anonymous-ic-359931.ip.twelve99-cust.net (2001:2035:0:f2b::2) 15.941 ms
    9 vmdxxxxxx.contaboserver.net (2a02:c206:1234:5678::1) 25.820 ms 24.561 ms 26.526 ms

    Anmerkung: Start und Zieladressen wurden wieder unkenntlich gemacht.

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  • OK, dann entschuldige bitte mein vorpreschen. Sehr häufig wird von Problemen in einem Dual Stack mit CGNAT berichtet, da sich in den Köpfen die IPv4 Portweiterleitung im Router eingebrannt hat. Leider wird nicht realisiert, das dies im IPv4 CGNAT nicht mehr funktioniert (bzw. der Access auf den Router) und bei IPv6 lediglich das Gerät im Heimnetz anzusprechen ist. Obwohl es so einfach ist, umgibt IPv6 die Aura der Kompliziertheit. Ist es aber gar nicht.

  • Ach guck an, da sind die Telia Router im Spiel, die auch zum Zugriff auf Cloudflare in den letzten Tagen für Probleme sorgten. Am Ende hängt das zusammen. Sollte man auf jeden Fall im Hinterkopf behalten, auch wenn ich im Moment die Ursache woanders vermute.

    Wie sieht ein Trace von deinem VPS auf die Adresse der Fritzbox aus? Und wie sehen deine tcpdumps aus, wenn nicht die Ubuntu Bridge dazwischen hängt?

  • Wie sieht ein Trace von deinem VPS auf die Adresse der Fritzbox aus? Und wie sehen deine tcpdumps aus, wenn nicht die Ubuntu Bridge dazwischen hängt?

    dann bis 30 Sternchen. Ich komme immer genau bis zum 2a00:6020:0:b::2 , egal von wo extern ich trace. Also wird vermutlich der Hop danach die Probleme bereiten.

    Ohne Ubuntu Bridge ist das Verhalten exakt gleich. Die Bridge funktioniert auf L2, wie ein Switch, holt sich also keine IP Adresse per DHCP oder so. Alle Ethernet Frames werden durchgereicht. Ohne die Bridge kann ich allerdings nur noch auf der FB direkt Dumps ziehen. Da ich aber der FB etwas misstraut hatte (der AVM Support hatte mein Problem auch nicht so richtig verstehen wollen), habe ich die Bridge dazwischengebaut um definitiv sehen zu können, was sich vor der Haustüre der FB abspielt.

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  • Da ich aber der FB etwas misstraut hatte (der AVM Support hatte mein Problem auch nicht so richtig verstehen wollen), habe ich die Bridge dazwischengebaut um definitiv sehen zu können, was sich vor der Haustüre der FB abspielt.

    Das funktioniert aber erfahrungsgemäß sehr gut. Es reicht ja, dass die Ubuntu Bridge von sich aus Broad- oder Multicasts ins Netz spielt, dann kann das schon Probleme bereiten.

    Eine Erklärung hab ich auch noch nicht für deine Probleme, außer, dass bei den Adressen was schiefläuft. Aber das musst du selber beurteilen, da du sie ja unkenntlich machst.

  • Hast du testweise mal mit nc zwischen dem VPS und einem System bei dir im Netzwerk Verbindungen getestet? Also aus beiden Richtungen?

    Ist denn IPv6 generell ok? Kannst du entsprechenden Ziele erreichen?

  • Hast du testweise mal mit nc zwischen dem VPS und einem System bei dir im Netzwerk Verbindungen getestet? Also aus beiden Richtungen?

    Ist denn IPv6 generell ok? Kannst du entsprechenden Ziele erreichen?

    Jo, ergibt sich ja aus den Tests, die ich bisher gemacht und dokumentiert habe. IPv6 raus funktioniert alles wie es soll. Wenn curl und DNS und der Browser tun, wird's an netcat nicht mehr scheitern... :)

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  • Das funktioniert aber erfahrungsgemäß sehr gut. Es reicht ja, dass die Ubuntu Bridge von sich aus Broad- oder Multicasts ins Netz spielt, dann kann das schon Probleme bereiten.

    Eine Erklärung hab ich auch noch nicht für deine Probleme, außer, dass bei den Adressen was schiefläuft. Aber das musst du selber beurteilen, da du sie ja unkenntlich machst.

    Broad/Multicast kann nicht sein, dafür bräuchte das Interface erstmal eine IP Adresse. Außerdem habe ich ja die Probleme auch ohne die Ubuntu Bridge. Die ist nur zur Analyse dazwischen.

    An ein Problem mit den Adressen als solche glaube ich nicht, denn in meinen Wireshark Screenshots kann man ja sehen, dass die TCP SYN,ACK von der Fritzbox "zurück"gesendet werden. Und im zweiten Screenshot sieht man, dass diese nicht ankommen. Ich habe den gleichen Test auch ohne Bridge dazwischen gemacht, also direkt ONT an Fritzbox. Dann sieht es auf VPS Clientseite exakt gleich aus.

  • Außerdem habe ich ja die Probleme auch ohne die Ubuntu Bridge. Die ist nur zur Analyse dazwischen.

    Es kann aber trotzdem das Verhalten beeinflussen.

    An ein Problem mit den Adressen als solche glaube ich nicht, denn in meinen Wireshark Screenshots kann man ja sehen, dass die TCP SYN,ACK von der Fritzbox "zurück"gesendet werden.

    Man sieht aber nicht, was zurückgesendet wurde, z.B. in Bezug auf MTU, TTL usw. Es gibt zahlreiche Gründe, warum das Paket vielleicht nicht zurückkommt. In Bezug auf die Adressen: Wenn du irrtümlich die LAN anstatt der WAN Adresse der Fritzbox verwendest, könnte das die Probleme erklären.

    Es fällt halt auf, dass die Pakete durchkommen, wenn sie Antworten auf deine ausgehenden Pakete sind, und nicht, wenn du sie proaktiv an deine Adresse schickst. Da kommt unmittelbar der Verdacht, dass die ausgehenden Pakete von einer anderen Quelladresse sein könnten.

  • Es kann aber trotzdem das Verhalten beeinflussen.

    Man sieht aber nicht, was zurückgesendet wurde, z.B. in Bezug auf MTU, TTL usw. Es gibt zahlreiche Gründe, warum das Paket vielleicht nicht zurückkommt. In Bezug auf die Adressen: Wenn du irrtümlich die LAN anstatt der WAN Adresse der Fritzbox verwendest, könnte das die Probleme erklären.

    Es fällt halt auf, dass die Pakete durchkommen, wenn sie Antworten auf deine ausgehenden Pakete sind, und nicht, wenn du sie proaktiv an deine Adresse schickst. Da kommt unmittelbar der Verdacht, dass die ausgehenden Pakete von einer anderen Quelladresse sein könnten.

    Die ipv6 Adresse ist völlig in Ordnung. Siehe den angehängten Screenshot, Ich habe mal das Pixeln weggelassen.
    Wenn ich in Wireshark den Capture auf

    Code
    ipv6.src == 2a00:6020:7380::1735

    filtere, dann bekomme ich auch anderen Traffic angezeigt, welchen die Fritzbox selbst als SourceIP initiiert. Z.B. DNS Request Forwards oder Versuche, eine Wireguard Verbindung zu einer anderen FB herzustellen, was unter anderem eines der Endziele der ganzen Aktion ist. Alle diese Pakete gehen mit der 2a00:6020:7380::1735 als Source IP ab. Es wird also nur die eine Global Unicast Adresse verwendet, nicht unterschiedliche.

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  • die ich bisher gemacht und dokumentiert habe.

    Womit eine Session initiiert wird, ist natürlich egal.

    Mir fehlt aber eine eingehende Verbindung, die sich nicht an die Fritzbox richtet.

    Deine Analyse ist bisher schlüssig. Aber ich schließe gerne Muster aus, die ich selbst prüfen kann.

  • Mir fehlt aber eine eingehende Verbindung, die sich nicht an die Fritzbox richtet.

    So, habe ich heute vormittag nachgeholt. Sehr interessantes Ergebnis. Hab auf einem Heimlinux einen Docker nginx Container aufgesetzt und den Port an der Fritzbox freigegeben. Ich kann aus dem Internet auf den Server zugreifen, "Hello World" funktioniert. Der Server ist allerdings mit einer Adresse aus dem propagierten Präfixnetz der FB sichtbar. Soweit wunderbar. Stellt sich nun die Frage, warum die IPv6 Systeme hinter der Fritzbox eine Rückroute bekommen, aber die Globale IPv6 Adresse der Fritzbox selbst nicht? Die Fritzbox registriert sich selbst ja auch nicht mit einer Adresse aus dem Präfixnetz bei myfritz oder einem anderen DynDNS Anbieter. Sondern halt nur mit der Adresse ohne Rückroute. Grmpf. Größtes Problem nun: Erklär das mal den Helden bei der Deutschen Glasfaser...

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  • So, habe ich heute vormittag nachgeholt. Sehr interessantes Ergebnis. Hab auf einem Heimlinux einen Docker nginx Container aufgesetzt und den Port an der Fritzbox freigegeben. Ich kann aus dem Internet auf den Server zugreifen, "Hello World" funktioniert. Der Server ist allerdings mit einer Adresse aus dem propagierten Präfixnetz der FB sichtbar. Soweit wunderbar. Stellt sich nun die Frage, warum die IPv6 Systeme hinter der Fritzbox eine Rückroute bekommen, aber die Globale IPv6 Adresse der Fritzbox selbst nicht? Die Fritzbox registriert sich selbst ja auch nicht mit einer Adresse aus dem Präfixnetz bei myfritz oder einem anderen DynDNS Anbieter. Sondern halt nur mit der Adresse ohne Rückroute. Grmpf. Größtes Problem nun: Erklär das mal den Helden bei der Deutschen Glasfaser...

    Ich habe es gerade nochmal verglichen, aber hier ist es ein OpenWRT-Router.

    Ich kann von außerhalb alle drei IPv6-Adressen des Routers erreichen, wenn die Regeln stimmen:

    - Eine IPv6-Adresse auf dem WAN-Interface im Bereich des delegierten Prefixes

    - Eine weitere IPv6-Adresse auf dem WAN-Interface

    - Eine IPv6-Adresse auf dem LAN-Interface

    Welche Adresse wird denn im DynDNS von der FB registriert?