Wofür ist das Teil genau und was sagen die Messwerte aus?

  • Hallo,

    ich habe da mal eine Frage an die Techniker und/oder Wissenden unter euch: Wofür ist das SKYSHL SS101PVC3 [Anzeige] gut, was misst man damit und wie interpretiert man die angezeigten Messergebnisse?

    Ich wurde von einem Nachbarn gefragt, der sein Heimnetzwerk um ein Glasfasernetzwerk erweitern will, und das Gerät günstig bekommen hat. Ich bin in dem Punkt etwas überfragt und auf Amazon, wo man das Teil auch kaufen kann, heißt es einfach nur um Leitungen zu testen.

    Wir hatten damit mal ein bei mir am Switch angeschlossenes Multimode-Kabel getestet und wir kamen auf einen Wert von -45,xx db und als Referenzwert wurden 50 db angezeigt. Aber was sagt und das nun genau und wurde so überhaupt richtig gemessen?

    Mein Nachbar dachte er könnte es gebrauchen und hat es einfach gekauft, und jetzt sind wir beide neugierig und wollen wissen, wofür udn wie man das Gerät verwenden kann.

    Schöne Grüße
    Thomas

    Internet/Netzwerk: Fritzbox 5590 Fiber, E.ON Highspeed 1000/500, natives IPv4
    und IPv6 Dual Stack, MikroTik CRS309-1G-8S+IN, MikroTik CRS305-1G-4S+IN
  • Das Gerät misst die Leistung, die aus einer Glasfaser rauskommt. Nicht mehr und nicht weniger.

    Ob -45 dB gut sind oder nicht, hängt vom Szenario ab. Welcher Standard kommt zum Einsatz, was sind die typischen Ausgangsleistungen und in welchem Bereich liegt die spezifizierte Eingangsempfindlichkeit? Dann kann man einschätzen, ob -45dB gut sind, ob vielleicht die Dämpfung des Kabels zu hoch ist oder die Sendeleistung des Transmitters zu niedrig. Eine Sendeeinheit mit bekannter Sendeleistung hat das Gerät leider nicht, also ist es im Einzelfall schwierig, einzuschätzen, ob ein Problem nun auf das Kabel oder auf den Transmitter zurückzuführen ist. Aber über Vergleichsmessungen mit mehreren Transmittern kommt man vielleicht zu einer Einschätzung.

  • Tipp: Jetzt kostenlos registrieren, mitmachen und das Forum ohne Werbebanner nutzen.
  • Ganz abgesehen davon, benötigen Nutzer einer FRITZ!Box Fiber oder 5690 Pro an der Faser solch ein Messgerät nicht. Da misst die Fritze und zeigt die Werte auch an bzw. man hat Zugriff auf die Messwerte.

    Ja, wenn sie direkt und ohne ONT davor betrieben wird.
    Die Möglichkeit habe ich leider immer noch nicht weil die DG Probleme mit ihrer Infrastruktur hat.

  • Mein Nachbar dachte er könnte es gebrauchen und hat es einfach gekauft, und jetzt sind wir beide neugierig und wollen wissen, wofür und wie man das Gerät verwenden kann.

    Schön. :) Das ist doch schnell beantwortet: Man kann damit einen Signalpegel messen und nebenbei auch Schadstellen (knick, starke Biegung) einer Glasfaser durch den Lichtaustritt des Rotlichtlasers an der Schadstelle lokalisieren . :P

    Um das Gerät aber in der Praxis verwenden/ablesen zu können muss man aber mindestens die Grundkenntnisse der optischen/elektrischen Signalübertragung verstanden haben. Dies ist für Laien recht kompliziert - selbst viele Elektriker haben oft nur kurz in der Schule damit zu tun gehabt.

    Nicht ohne Grund gibt es mittlerweile viele Privatunternehmen und Schulungszentren die mehrtägige Fortbildungskurse im Bereich Glasfaser/LWL anbieten. Oft wird ein ganzer Tag nur für die Messtechnik eingeplant, und dabei werden schon andere Grundkenntnisse (meist aus den 2-3 Schulungstagen davor) vorausgesetzt.

    Einfacher Test: Wer z.B. dBm nicht von dB unterscheiden kann ist schon mal nicht qualifiziert eine Aussage zum Messergebnis treffen zu können ;)

    Aber gut, wir wollen ja etwas lernen. Ich habe mal kurz gegoogelt. Hier ist ein PDF in dem das halbwegs kompakt (mit etwas Vorwort) beschrieben ist: https://www.lwlportal.de/bibliothek/bib…ngsmessung.html

  • Ich kann ja mal kurz erklären wie ich solch ein Pegelmessgerät bei mir im GPON-Netz einsetze.

    Voraussetzung für eine "schnelle" einseitige Messung ist, das ich weiß wie mein Netz aufgebaut ist.
    So haben wir z.B. in der ganzen Stadt identische Hardware in den MFGs und NVts und Häusern.

    Sprich der "Messaufbau" ist immer der gleiche: Lichtquelle ist ein GPON-SFP+ Modul --> der speist einen 1:32-Splitter --> und dieser speist die Kundenanschlüsse mit den immer gleichen ONTs (Genexis Fibertwist).
    Dazwischen natürlich mal weniger und mal mehr Kilometer Glasfaser sowie Dämpfungen durch Spleiße in Muffen, NVts und Hausanschlüssen.

    Aus dem Datenblatt des GPON-Fibertwist geht hervor das dieser mit einem Empfangspegel (RX) zwischen -8 und -28 dBm zurecht kommt. Ergo muss mein Pegelmessgerät wenn ich es beim Kunden-APL anstecke mindestens einen Pegel in diesem Bereich anzeigen. Wobei -28 dBm schon echt miserabel sind und in meinem Fall definitiv ein Grund ist das mit einem OTDR weiter zu untersuchen.

    Für mich gilt also die Daumenregel das Werte von -8 dBm bis -17dBm als akzeptabel gelten. Rund um die -20dBm akzeptiere ich wenn die Strecke sehr lang ist, und unruhig werde ich ab -22dBm.

    Wie gesagt ist das nur eine Bewertung der Lichtleistung nur einer Richtung im GPON Netz (Downstream-Wellenlänge). Setzt man das Pegelmessgerät in anderen Szenarien ein (Unternehmensnetzwerke, Multimode/Singlemode Direktverbindungen) muss man zumindest einmal Aufwändiger mit Referenzmessung etc. Messen.

    Einmal editiert, zuletzt von sn0 (2. August 2024 um 18:30)

  • Tipp: Jetzt kostenlos registrieren, mitmachen und das Forum ohne Werbebanner nutzen.
  • Vielen Dank für eure Antworten. Ich sehe schon, ich werde meinem Nachbarn nahe legen, dass er das Messgerät entweder wieder zurückschicken soll (sofern er das noch kann) oder es verkauft. Für den Privatgebrauch, oder um mal eben schnell im Fehlerfall die Leitung zu checken, ist das Teil in des Laien Hand nahezu unbrauchbar.

    Schöne Grüße
    Thomas

    Internet/Netzwerk: Fritzbox 5590 Fiber, E.ON Highspeed 1000/500, natives IPv4
    und IPv6 Dual Stack, MikroTik CRS309-1G-8S+IN, MikroTik CRS305-1G-4S+IN