EU: Abschaltung der TK Kupfernetze bis 2030

  • Es wird auch hier im Forum immer wieder über die bevorstehende Abschaltung der kupferbasierten TK Netze gesprochen bzw. spekuliert.

    In der EU werden gerade die Weichen hierzu gestellt. 80% bis 2028, der Rest bis 2030.

    Digital Networks Act: EU strebt einheitlicheren Telekommunikations-Markt an
    Die scheidende EU-Kommission verabschiedet sich mit einem letzten großen Digitalvorschlag: Der Telekommunikationsmarkt soll europäisch einheitlicher werden.
    www.heise.de

    Es wird zwar nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird, es wird jedoch enk eng für die Kupferprotagonisten.

    Einmal editiert, zuletzt von HubeBube (21. Februar 2024 um 22:12)

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  • Was stören einem diese Kupfernetze? Ist es etwa so mit Abwrackprämie: verschrotte dein fast neues Auto und kauf ein Elektrofahrzeug weil der im Betrieb grüner ist? Bzw. wäre gewesen, wenn man nicht halbe Strom aus Kohle erzeugt hätte? Und die Emissionen, die bei der Herstellung entstehen, ignorieren wir einfach?

    Glasfaser ist besser, keine Frage. Aber dann werden die Provider ihre Kupfernetze dadurch irgendwann sowieso ersetzen. Die wollen alle ihre Kunden behalten.

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  • Das bestreitet auch niemand. Sind die Ersparnisse aber bereits groß genug, um die Emissionen durch Tiefbau auszugleichen? So ähnlich wie mit einem alten Kühlschrank, Austausch aufgrund des Energieverbrauchs lohnt sich nur, wenn das neue Gerät genug effizienter ist.

    Sobald die Leitung so oder so weg muss, soll bitte Glasfaser rein, kein frisches Kupfer.

  • Was stören einem diese Kupfernetze? Ist es etwa so mit Abwrackprämie: verschrotte dein fast neues Auto und kauf ein Elektrofahrzeug weil der im Betrieb grüner ist? Bzw. wäre gewesen, wenn man nicht halbe Strom aus Kohle erzeugt hätte? Und die Emissionen, die bei der Herstellung entstehen, ignorieren wir einfach?

    Glasfaser ist besser, keine Frage. Aber dann werden die Provider ihre Kupfernetze dadurch irgendwann sowieso ersetzen. Die wollen alle ihre Kunden behalten.

    Die heutigen xDSL Provider, bzw. deren interne Controller werden noch Jahrzehnte die CashCow melken. Der erhöhte Stromverbrauch rechnet sich noch die nächsten 50 Jahre.

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  • Und schwups hat sich der Finanzchef zu Wort gemeldet:

    Telekom-Finanzchef: Glasfaser? Was zählt, sind Kunden auf dem Netz - Golem.de
    Für die Telekom ist es wichtig, dass die Kunden ihr Netz buchen. Vectoring reicht eigentlich schon aus. Es muss nicht immer FTTH sein.
    www.golem.de
    Zitat

    Zudem sei für die Telekom mit alten Kupferanschlüssen und DSL-Technik die Profitabilität eines Kunden viel höher als die eines Glasfasernutzers.

    Aha!

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  • Und schwups hat sich der Finanzchef zu Wort gemeldet:

    Du solltest vielleicht dazu sagen dass der von Dir zitierte Satz keine Aussage des Finanzchefs oder der generell Telekom ist, sondern (laut Golem) die Meinung von unspezifizierten "Telekom-Konkurrenten". Könnte jemand Mißverstehen wenn man den verlinkten Artikel nicht liest.

    Einmal editiert, zuletzt von Sowieso (24. Februar 2024 um 09:49)

  • Aber der Satz vom Finanz-Chef tritt es doch genau.

    "Am Ende des Tages ist für mich das einzig Entscheidende, ob sich die Kunden für die Deutsche Telekom entscheiden. Und wenn sie sagen, mir reicht auch ein Vectoring-Anschluss in meiner Umgebung, Hauptsache, sie sind bei uns auf dem Netz."

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  • Aber der Satz vom Finanz-Chef tritt es doch genau.

    "Am Ende des Tages ist für mich das einzig Entscheidende, ob sich die Kunden für die Deutsche Telekom entscheiden. Und wenn sie sagen, mir reicht auch ein Vectoring-Anschluss in meiner Umgebung, Hauptsache, sie sind bei uns auf dem Netz."

    Bei der Aussage geht es um die Frage ob eine niedrige initiale TakeUp-Rate für die Telekom ein Problem ist. Und da ist die Antwort eben: das ist weniger ein Problem als für die neuen reinen Glasfaseranbieter, da für die Telekom eben der Gesamtmarktanteil wichtiger ist. Dieser bringt den Umsatz. Langfristig wird Marktanteil und Umsatz eben durch FTTH sichergestellt, aber dass der Umstieg möglichst schnell stattfindet ist eben nicht so wichtig.

    Die Telekom-Aussage bestätigt z.B. das was ich vor ein paar Tagen hier zu der geäusserten Sorge geantwortet habe, dass die Telekom ihren großen FTTH-Ausbau aufgrund aktueller TakeUp Raten von 13-15% einstellen würde.

    Was die Aussage angeht, dass für die Telekom DSL-Nutzer profitabler sind als Glasfasernutzer:

    Bei der Profitabilität spielen zwei Faktoren eine Rolle: die laufenden Kosten für den Netzbetrieb und die Erbringung der Leistung (Strom, Personalkosten für Netzbetrieb und Kundenservice), und zum anderen die Abschreibungen auf die Investitionen.

    Bei den laufenden Kosten dürfte es ziemlich unstrittig sein dass ein Glasfasernetz billiger zu betreiben und damit profitabler ist.

    Worauf die Aussage sich vermutlich bezieht: die Abschreibungen auf ein relativ neues und (pro Haushalt) teures FTTH-Netz sind sicher höher als auf ein VDSL-Netz, bei dem die Hausanschlüsse oft schon Jahrzehnte alt sind, und die neuere Technik in der Regel 5-10 Jahre alt, und teilweise abgeschrieben.

    Da kann es gut sein dass ein DSL-Anschluss nach Abschreibungen profitabler ist als ein FTTH-Anschluss.

    Nur: die Investitionen in den FTTH-Ausbau finden ja statt, und die Netze werden dem enstprechend ab Fertigstellung abgeschrieben. Diese Abschreibungen fallen zum guten Teil an egal ob 15%, 30% oder 60% der Haushalte das Glasfasernetz nutzen.

    Von daher halte ich es für zweifelhaft dass es für die Telekom insgesamt profitabler ist wenn die Kunden auf DSL bleiben, als wenn sie auf das bei den Betriebskosten günstigere Glasfasernetz wechseln. Langfristig natürlich sowieso nicht.

  • Bei den laufenden Kosten dürfte es ziemlich unstrittig sein dass ein Glasfasernetz billiger zu betreiben und damit profitabler ist.

    Das sehe ich nicht so. DA zu muss man Glasfaser ja auch erst einmal in nennenswerter Stückzahl haben. Bei Kupfer würde ich sagen sind 99,9999 % angeschlossen und der ganze Kram ist jetzt bestimmt schon 3 mal abbezahlt.

    Sehr große Teile der Netze geben sie ja weiter, da haben sie dann nichts mehr mitzutun, aber es bleibt bei der wichtigsten Aussage des 2 Satzes, egal ob nun direkt bei der Telekom oder den Wiederverkäufen:
    Kupfer ist nicht tot zu bekommen, dafür reicht es wohl noch 80 % der Menschen in Deutschland hinsichtlich Service und Geschwindigkeit.

    Und genau deshalb sehe ich die Abschaltung der Kupfernetze noch in sehr weiter Ferne, jedenfalls bestimmt nicht zu 2030. ;)

    Nur: die Investitionen in den FTTH-Ausbau finden ja statt, und die Netze werden dem enstprechend ab Fertigstellung abgeschrieben. Diese Abschreibungen fallen zum guten Teil an egal ob 15%, 30% oder 60% der Haushalte das Glasfasernetz nutzen.

    Und das glaube ich nicht, es kommt bei der derzeitigen Situation sehr stark ins Stocken. Kapitaldecke wird dünner, es gibt nicht genug Personal, um die Bautätigkeiten in überschaubarer Zeit umzusetzen und der Bedarf wird bei den Kunden nicht gesehen,

  • Das ist ja auch die Umfrageergebnisse in den 5 bevölkerungsreichsten Ländern in der EU sehr interessant.

    Wenn zeitgleich 3 Fernseher in einem Haushalt Netflix in 4k streamen können und dafür 100 MBit/s reichen, sehen die meisten keinen Bedarf. ;)

    Zitat

    Zufrieden mit der Langsamkeit?

    Wirklich niedergeschlagen ob der Schlusslicht-Position hinsichtlich der Geschwindigkeit ihrer Internetverbindungen sind die hiesigen Verbraucher nicht. Im Gegenteil: Ähnlich wie in der Vorjahresumfrage gaben über drei Viertel an, mit den Services ihrer Internetprovider zufrieden zu sein.

    "Die Studienergebnisse legen nahe, dass sich die Leistungsfähigkeit von Glasfaser zumindest aktuell nicht sichtbar auf das Nutzererlebnis auswirkt", kommentiert Deloitte-Berater Dieter Trimmel die Umfrageergebnisse. Der Geschwindigkeitsvorteil von Glasfasernetzen lässt sich für ihn einfach noch nicht ausspielen, da die meistgenutzten Online-Anwendungen schlichtweg noch keine enorm hohen Bitraten erfordern. Es kommt hinzu, dass insbesondere im deutschen Markt der Wunsch nach einer stabilen, verlässlichen Verbindung dominiert.

    Breitband-Studie: Deutschland entdeckt die Langsamkeit für sich
    Deutschland hinkt in puncto Schnelligkeit der Internetverbindung im westeuropäischen Vergleich deutlich hinterher, wie eine Studie von Deloitte zeigt.
    www.heise.de

    Einmal editiert, zuletzt von Phino (24. Februar 2024 um 17:27)

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  • Und genau deshalb sehe ich die Abschaltung der Kupfernetze noch in sehr weiter Ferne, jedenfalls bestimmt nicht zu 2030. ;)

    Damit rechne ich auch nicht.

    Und das glaube ich nicht, es kommt bei der derzeitigen Situation sehr stark ins Stocken. Kapitaldecke wird dünner, es gibt nicht genug Personal, um die Bautätigkeiten in überschaubarer Zeit umzusetzen und der Bedarf wird bei den Kunden nicht gesehen,

    Die Kapitaldecke ist eben vor allem das Problem der Neueinsteiger. Das sind quasi StartUps, mit relativ wenig Einnahmen und hohem Kapitalbedarf durch Investitionen. Und einem Businessmodell dass in Deutschland eben doch nicht so gut funktioniert wie manche sich das vorgestellt haben.

    Der Telekom geht es wirtschaftlich ziemlich gut. Im letzten Jahr wurde neben den Investitionen die Verschuldung gesenkt (um 10 Mrd Euro), die US-Tochter hatte nebenbei noch Geld übrig um für 14 Mrd $ eigene Aktien zurück zu kaufen. Das ist trotz Sondereffekt durch Verkauf eines Anteils der Deutschen Funkturm eine ziemlich solide Situation.

    Nach den gestern verkündeten Plänen sollen die Investitionen in Deutschland dieses Jahr leicht steigen, man will 2 Mrd Euro in den Aktienrückkauf von DT Aktien stecken. Die US-Tochter will weitere 15 Mrd US$ in den Rückkauf von T-Mobile US Aktien stecken. Die Kapitaldecke bei der Telekom ist momentan nicht so dünn. Das ist eben eine ganz andere Situation.

    Und auch wenn DSL derzeit aktuell vielen ausreicht: mittel- und langfristig braucht die Telekom FTTH. Weil es eben günstiger zu betreiben ist, weil es Reserven bietet, für höhere Anforderungen oder als Konkurrenz gegen die Kabelnetze, die ja auch aufgerüstet werden. Und weil DSL Hardware schlicht und ergreifend irgendwann keinen Herstellersupport mehr haben wird.

    Von daher gibt es aktuell wenig Grund für die Telekom die jährlichen Investitionen herunterzufahren. Das ist ja auch nichts was man einfach so ohne Aufwand für ein paar Jahre abschalten und bei Bedarf später wieder anschalten kann. Da stecken ja z.B. Mitarbeiter dahinter.

    Natürlich ist die Zukunft nicht in Stein gehauen. Wenn die Telekom in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät kann sich die Entwicklung schon ändern. Wenn nach den US-Wahlen ein Bürgerkrieg in den USA ausbricht, oder die Sicherheitslage in Europa aus den Fugen gerät wird das sicher Auswirkungen auf den Glasfaserausbau haben. Aber das ist dann nicht das größte Problem.