Deutsche Extrawurst Gigabit Infrastructure Act

  • Wenn ich das richtig interpretiere, bedeutet das umgangssprachlich: Entweder ich benutze dein Leerrohr mit oder erhalte Bitstream Zugang.

    Wenn das zu mehr Wettbewerb auf der vorhandenen Faser führt, warum nicht?

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  • In der Tat ist es im Ausland völlig üblich und normal, das Mitbewerber vorhandene Leerrohr-Infrastruktur mitnutzen. Da existieren offensichtlich andere Besitzverhältnisse als in D und auch andere Bauvorschriften.

    Evtl. verhilft uns ja diese Sonderlocke dazu, das aus dem Open Access Versprechen der Provider ein muss wird.

  • Wenn man das maximale Angebot an jedem Ort im FTTH Bereich möchte, dann müsste man die Großhandelspreise regulieren. Das kann man aus meiner Sicht aber nicht zu Zeiten des großen Ausbaus machen, weil es die Marge im Netzbetrieb deutlich reduziert und somit die Investitionsbereitschaft drückt. Ich bin kein Netzexperte, denke aber, dass zunächst die Investitionen zurück verdient sein müssen, bevor man dann nach vielen Jahren über Regulierung nachdenken kann, wenn es von allein nicht läuft.

    FTTH DG 1000/500 | FRITZ!Box 5590 Fiber | 2 mal FRITZ!Repeater 3000AX als Access Points

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  • Der Netzaufbau ist der Schritt, der die höchsten Kosten verursacht. Die Investitionen amortisieren sich durch einen hohen Auslastungsgrad/Nutzung des Netzes durch angebotene Services.

    Daraus kann man folgende Hierarchie ableiten:

    1. Homes passed: verursacht Kosten, keine Nutzer
    2. Homes connected: verursacht hohe Kosten, Nutzung ungewiss
    3. Homes activated: Amortisierung der Kosten durch Nutzung

    Durch die Öffnung des eigenen Netzes für den Mitbewerber ist es für hochpreisige Anbieter leichter Homes connected in Homes activated zu konvertieren, die Auslastung des Netzes zu erhöhen und mit relativ geringem Aufwand mehr Gewinn zu erwirtschaften.

    Spielt der Netzbetreiber selbst in der Liga der günstigen Anbieter, dann muss dieser ein Maximum an Homes activated im ersten Anlauf erreichen, ist damit allerdings langfristig auf die Einbuchtung von Mitbewerbern nicht angewiesen (= Open Access ist ein kann und kein muss).

    Ein Einstieg von Investoren oder Mischkalkulation haben unmittelbar Einfluss auf die Kritikalität des Faktors Zeit. Ein Beispiel zur Erläuterung: Habe ich als Glasfaser-Full-Service-Provider viele zahlende VDSL Kunden, sitzt mir die Amortisierung des Glasfasernetzes nicht so im Nacken, wie ein Provider, der kein eigenes CuDA-Netz besitzt.

    Natürlich wirken regulatorische Maßnahmen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen (Krieg, Sanktionen, Lieferketten,...) unmittelbar auf die Wirtschaftlichkeitsberechnungen ein, manchmal auch erst im Nachgang. Das können wir alle an den Preissteigerungen und/oder buchbaren Bandbreiten in den letzten Monaten beobachten. In einigen Fällen auch an den wirklich attraktiven Angeboten des Rückholmanagements bei einigen Glasfaserprovidern.

  • Daraus kann man folgende Hierarchie ableiten:
    Homes passed: verursacht Kosten, keine Nutzer
    Homes connected: verursacht hohe Kosten, Nutzung ungewiss
    Homes activated: Amortisierung der Kosten durch Nutzung

    Wenn das so ist, warum hat dann die Telekom nicht konsequent ab 2008 FTTH ausgebaut und das Kupfernetz in den Ausbaugebieten still gelegt? So wie man ISDN abgeschaltet hat, hätte man auch das Kupfernetz abschalten können. In 16 Jahren hätte man eine Menge Anschlüsse umrüsten können. Und wenn man sich mit dem Wettbewerb verständigt und koordiniert hätte, dann wäre wir heut wohl mit dem Umstieg fertig. Statt dessen lieber Kleinkrieg und Überbau ...

    Einmal editiert, zuletzt von Schnurz (11. Februar 2024 um 14:14)

  • Aus meiner Sicht wollte die Telekom mit dem VDSL Ausbau schnell viele Kunden mit deutlich höherer Geschwindigkeit versorgen und dem immer stärker werdenden Wettbewerb durch die Kabel Anbieter begegnen. Hätten Sie damals mit dem FTTH Hausbau begonnen, dann hätten sie vermutlich sehr viele Kunden an die Kabel Anbieter verloren, weil es Ewigkeiten gedauert hätte, bis FTTH flächendeckend verfügbar gewesen wäre.

    Ich zB hatte bis ca. 2014 nur 3,5 MBit über eine super lange Leitung und mit der Telekom als Provider wären es aufgrund des starren Schaltungsregimes sogar allenfalls 2 MBit gewesen. In 2014 der Sprung auf 100 MBit über den VDSL Ausbau und in 2017 dann der SV Ausbau auf 250 MBit. In 2023 kam dann FTTH in meinem Fall über einen Drittanbieter. Hätte die Telekom damals direkt mit FTTH angefangen, dann wäre ich vermutlich bis 2020 bei meinen 3,5 MBit geblieben. Aktuell ist doch auch noch gar kein Druck da, mehr als 250 MBit haben zu müssen. Ja, das wird bis 2030 ganz anders sein, aber bis dahin wird man ja auch in der wirklichen Fläche mit FTTH mehr oder weniger durch sein.

    Als einer von eher wenigen finde ich den damaligen Ansatz der Telekom gut, denn man hat erst die Brückentechnologie VDSL genug Zeit gewonnen und die Kunden gehalten, um jetzt auf FTTH umzuschalten. Da verliert die Telekom jetzt geschätzt dennoch ca. 1/3 der Kunden, weil eben nicht nur die Telekom ausbaut.

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    Einmal editiert, zuletzt von arcade99 (11. Februar 2024 um 15:54)

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  • Als einer von eher wenigen finde ich den damaligen Ansatz der Telekom gut, denn man hat erst die Brückentechnologie VDSL genug Zeit gewonnen und die Kunden gehalten, um jetzt auf FTTH umzuschalten. Da verliert die Telekom jetzt geschätzt dennoch ca. 1/3 der Kunden, weil eben nicht nur die Telekom ausbaut.

    Nimm mal die Perspektive jener Kunden ein, die aktuell auf einem VDSL (weil es nie ein SVDSL Upgrade gab) festhängen und die in der Prio der DT für einen FTTH-Ausbau gar nicht existieren.

    Ein meinem (wie auch bei vielen anderen) Fall will die DT gar keinen eigenen FTTH-Ausbau umsetzen und agiert im Nachbarstadtteil noch kontraproduktiv, in dem sie mit einer Ausbauankündigung die Wettbewerber aus dem Markt drängt und dann aber trotzdem nicht ausbaut. Mit dieser Vorgehensweise verliert die DT nicht einen einzigen Kunden. Dafür lassen sie das Cu-DA Netz noch weitere 50 Jahre am Leben. DAS ist wirtschaftlich.

  • Auch bei dir wird ausgebaut werden. Ich behaupte, dass in den nächsten 10 Jahren jeder VDSL Kunde FTTH haben wird.

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  • Wenn das so ist, warum hat dann die Telekom nicht konsequent ab 2008 FTTH ausgebaut und das Kupfernetz in den Ausbaugebieten still gelegt?

    Es gab keinen Zwang durch Mitbewerber/Konkurrenzdruck. In diese Not ist das marktmächtige Unternehmen erst gekommen, als Investorengelder (und natürlich auch eine stabile Technik) vorhanden waren. Junge Unternehmen im Gf-Umfeld waren flexibel genug zu agieren, während Ozeandampfer wie eine Deutsche Telekom erst einmal reagieren muss, bevor sie in Fahrt kommt. Dann ist allerdings mächtig Wucht dahinter. Da waren allerdings viele Investorengelder schon gebunden und nicht mehr so verfügbar, wie 5 Jahre zuvor.

    Wir erinnern uns: richtig propagiert hat die DTAG den Glasfaserausbau erst Anfang der 2020er Jahre.

    Die Parallelen zur hypende New Economy waren/sind sehr deutlich.

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  • In diese Not ist das marktmächtige Unternehmen erst gekommen, als Investorengelder (und natürlich auch eine stabile Technik) vorhanden waren.[...]

    Wir erinnern uns: richtig propagiert hat die DTAG den Glasfaserausbau erst Anfang der 2020er Jahre.

    Der große Schwung an Investorengelder kam bemerkenswerter Weise allerdings erst, nachdem die Telekom auf FTTH-Ausbau umgeschwenkt ist.

    Die Telekom hält alle drei Jahre "Kapitalmarkttage" ab, bei denen sie insbesondere Ausblick auf die nächsten drei Jahre gibt. Bei den Kapitalmarkttagen im Mai 2018 war das Ende des FTTC-Ausbaus und der Umstieg auf FTTH-Ausbau ein großes Thema. Damals wurde angekündigt den FTTH-Ausbau hochzufahren und ab 2021 dann 2 Mio Haushalte pro Jahr ausbauen zu wollen. (Die +2 Mio wurden dann tatsächlich erst 2022 erreicht, nach +300k, +600k und +1200k in den Jahren 2019-2021.)

    Das war dann das Startsignal für Investoren, die auch noch etwas vom Kuchen abhaben wollten. Da kamen dann diverse neue Anbieter mit großen Ausbauplänen auf den Markt, wie Deutsche Giganetz, Hello Fiber, UGG, OXG. Und auch die Deutsche Glasfaser wurde 2020 von neuen Investoren übernommen, die sich stärker engagieren wollten. Die bauen jetzt auch 500k Haushalte pro Jahr aus. Für die ersten 500k brauchten sie noch 8 Jahre, von 2011 bis 2019.

    Sieht man ja auch an den Ausbauzahlen, die der VATM jedes Jahr in seiner Marktstudie veröffentlicht. 2018 und 2019, im Jahr der Telekom-Ankündigung und im Jahr danach, lag die jährliche Zahl "Homes Passed" ausgebauter Haushalte der Telekom-Konkurrenz bei jeweils 300k. Mittlerweile sind es 2 bis 2,5 Mio HH pro Jahr.

    Man stelle sich vor, Investoren hätten (z.B.) schon ab 2015 soviel Geld in den FTTH-Ausbau gesteckt, als die Telekom noch mitten im FTTC-Ausbau steckte...

  • richtig propagiert hat die DTAG den Glasfaserausbau erst Anfang der 2020er Jahre.

    Aber den Umstieg von ISDN auf VoIP im Jahr 2008. Das das nicht auf einen Schlag passieren kann, ist jedem klar. Aber diesn Umbau ISDN raus, VoIP rein, hätte man mit Glas rein, Kupfer raus, kombinieren können.

    Denn das man ein leistungsfähiges IP-Netz braucht, ist mit der Abschaltung POTS doch klar.

  • Die Investoren haben sicherlich nicht auf die DTAG gewartet, vielmehr war das ein günstiger Zeitpunkt für Investitionen in Infrastrukturmaßnahmen. Die Zinsen waren extrem niedrig, ja es gab sogar Negativzinsen. Da kam der Glasfaserausbau in D gerade zum richtigen Zeitpunkt, dort wurden sich durch Kapitalanlagen hohe Renditen versprochen. Meiner bescheidenen Meinung nach wurde nicht realisiert, dass es Jahrzehnte dauert, bis sich tatsächlich eine Rendite ergibt. Da reichen 3,5 oder 7 Jahre nicht aus, um Vermögen gewinnbringend zu parken. Jedoch hat sich eine Eigendynamik entwickelt und kein Investor wollte sich nachsagen lassen den Glasfaserausbau zu verschlafen. Glasfaserrausch in D statt Goldrausch in Alaska.

    2015 müsste man Visionär sein, um diese Entwicklung vorherzusehen. Visionären vertraut man in D nicht, vielleicht hat doch die DTAG zur Initialzündung beigetragen...

    VoIP ist unabhängig vom Übertragungsmedium und ist nur eine Technologie zur Übertragung von Sprache. Es gab in den 0er Jahren dieses Jahrtausends schlicht und einfach keinen Grund ein etabliertes, eingeführtes Medium wie die CuDA für Telefonie abzulösen. Sogar die Mobilnetze haben anfänglich explizit VoIP in ihren Datenverträgen verboten. Zu groß war die Befürchtung dadurch berechnete Gesprächsminuten zu verlieren, vor allem bei Gesprächen vom und ins Ausland.

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  • Die Investoren haben sicherlich nicht auf die DTAG gewartet, vielmehr war das ein günstiger Zeitpunkt für Investitionen in Infrastrukturmaßnahmen. Die Zinsen waren extrem niedrig, ja es gab sogar Negativzinsen.

    Die Niedrigzinsphase begann ja bereits vor 2010, nach der Finanzkrise. Zwischen November 2013 und Juli 2022 lag der Leitzins der EZB unter 0,5%, ab März 2016 bei 0% (aktuell 4,5%).

    "Seit 2016 bestand in Deutschland das Nullzinsniveau. Durch die daran gekoppelte Einlagefazilität von -0,1 Prozent in 2014 bis -0,5 Prozent in 2019 entstanden in diesem Zeitraum für Finanzinstitute Negativzinsen."(Link)

    Auch unter diesem Aspekt war der Einstieg von Investoren nach 2020 eher unglücklich spät. Man hätte die 2010er Jahre dafür nutzen sollen.

  • OK, danke für die Korrektur. Da hat mich mein Erinnerungsvermögen im Stich gelassen.

    Dann ist die berechtigte Frage diese: Warum sind die Investoren so spät eingestiegen? Gab es vorher noch lohnenswertere Anlagen?

  • Gab es vorher noch lohnenswertere Anlagen?

    Evtl. bzw. hat man den Willen zum Umstieg auf FTTH nicht geäußert. Diesen Umstieg hätte man jetzt über 26 Jahre schon strecken können. Wir wären definitiv weiter. Und das xDSL eine Krückenlösung auf Leitungen, die nie dafür gedacht waren, ist, weiß jeder, der sich mit der Materie beschäftigt hat. Glasfaser als Datenverbindung haben wir schon im Studium Mitte der 80er Jahre besprochen.

    Da wurden lokale Netzwerke noch als 10Base5 oder 10Base2 aufgebaut. Switches? Was ist das denn? Sternverkabelung? AT&T hatte mal etwas als StarLAN entwickelt.

    Aber WAN wurde auch damals schon mal mit GF aufgebaut.

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  • Dann ist die berechtigte Frage diese: Warum sind die Investoren so spät eingestiegen? Gab es vorher noch lohnenswertere Anlagen?

    Ein möglicher Grund: Ich habe mehrfach gelesen dass man in vielen anderen europäischen Ländern Haushalte deutlich günstiger versorgen kann. Weniger Bürokratie, mehr Offenheit für oberirdischen Ausbau. Oberirdische Kabelverlegung, auch an Hauswänden entlang, sieht man in einigen Ländern auch in Städten häufiger.

    Dazu kommt, dass - allen Beschwerden zum Trotz - die allgemeine Breitbandversorgung nicht so schlecht war wie sie gerne geredet wird. 65% der Haushalte können Internet über Kabel bekommen, mit seit 15 Jahren regelmäßig steigenden Downloadraten. Und das betrifft insbesondere Gebiete die sonst besonders attraktiv wären mit dem Ausbau loszulegen, also Städte. Dazu kam der relativ schnelle FTTC-Ausbau für zum Schluss etwa 90% der Haushalte. Gut, gerade bei letzterem hätte man offensiver "reingrätschen" können... Aber letztlich ist es schon lange so, dass der Anteil der wirklich schlecht versorgten Haushalte (ADSL oder schlechter) in den meisten EU-Ländern höher ist als in Deutschland (bis heute). Das erhöht natürlich die TakeUp-Raten und macht den Ausbau attraktiver.

    Was ich im vorletzten Beitrag geschrieben habe ist zugegebenermaßen Spekulation, aber ich glaube dass das durchaus ein Faktor gewesen sein kann: als die Telekom 2018 angekündigt hat bald Millionen Haushalte jährlich ausbauen zu wollen war das ein Signal dass es mit FTTH in Deutschland "jetzt richtig losgeht". Und ich kann mir schon vorstellen dass das Investoren dazu bewogen hat noch einzusteigen. Investoren, die vorher vielleicht den dahinplätschernden FTTH-Markt beobachtet und abgewartet haben.

  • Ich finde, ihr macht alle die Rechnung ohne den Kunden. Ich würde sagen, dass 90 % der Kunden aktuell gar keinen Bedarf sehen auf GF zu gehen. Daher brechen überall die Nachfragen ein. Da ist der deutsche Kunde einfach zu konservativ oder auch zu wenig zukunftsorientiert/technikorientiert.

    Da werden es alle in Deutschland dran zu knabbern haben.