Erfahrungsbericht: Deutsche Glasfaser in Niedersachsen

  • Liebes Forum,

    ich habe jetzt seit Juni 2023 Glasfaser von der Deutschen Glasfaser an einem Wohnort im östlichen Niedersachsen. Zeit um ein Zwischenfazit zu ziehen.

    Bauarbeiten

    Von der ersten Bestellung bis zur Aktivierung des Anschlusses hat es rund 2 Jahre gedauert. Die Bauarbeiten vollzogen sich in verschiedenen Phasen, wobei durchaus ein oder mehrere Monate zwischen verschiedenen Schritten gelegen haben. Die Bauarbeiten wurden von ausländischen Kräften durchgeführt, die alle freundlich waren, teilweise in Turnschuhen unterwegs waren und oft nur gebrochen oder gar nicht Deutsch konnten. Bei dem ein oder anderen Bauarbeiter hatte ich den Eindruck, dass er noch nicht viel Erfahrung im Bau hat. Letztlich lief es, man muss aber entspannt sein, was Termine angeht und auch damit leben können, dass irgendwann halt Bauarbeiter vor der Tür stehen und anfangen wollen. Und es ist wichtig bei den Bauarbeiten dabei zu sein und hinzusehen, was die Bauarbeiter machen. Ich muss auch sagen, dass dadurch, dass ich ein Mietshaus bewohne, ich etwas entspannter war. Meine Eltern, die bereits in Rente sind, würde ich aber nicht zu einem Anschluss von DG raten. Das Unwissen wann die Bauarbeiter kommen, wann die Arbeiten beendet werden und einige Bauarbeiter die nicht gerade Professionalität ausgestrahlt haben, hätten das ganze speziell für meinen Vater zur Tortur werden lassen.

    Bandbreite

    Ich habe den Tarif mit 1000/500 Mbit/s. Da ich nur per WLAN verbunden bin kann ich nicht abschließend sagen, ob diese Werte auch anliegen. Im besten Fall kommen ca. 600/300 durch, was aber vermutlich an meinem Router liegt. Hier ist also alles in Ordnung. Was meine "User Experience" angeht sei angemerkt, dass ich davor einen 4G-Router im o2-Netz (ca. 100/30) als Internetverbindung hatte und nicht sagen könnte, dass sich das Internet jetzt merklich schneller anfühlt, von großen Downloads selbstverständlich abgesehen. Das ist aber kein Vorwurf an DG, sondern hängt natürlich von eigenen Nutzungsprofil ab, welches bei mir vor allem Homeoffice mit den klassischen Ofice365-Anwendungen ist und normale private Nutzungen wie Surfen, Streaming und Videocalls.

    Ping

    Dieser liegt bei 9ms zu den meisten Zielen, z. B. zu teams.microsoft.com. Aufgrund des WLANs liegt er auch öfters mal bei 10-15, aber 9ms ist der niedrigste Wert den "ping x" anzeigt. Das entspricht ziemlich genau dem Wert den man in dieser Gegend auch mit einem Vectoring-DSL-Anschluss erzielt (Stichprobe: 4 Anschlüsse, davon 2x direkte Nachbarn, 2x Verwandte in Nachbardörfern). Insofern muss man hier leider sagen, dass DG wohl offenbar einige ms im Backbone "verbummelt". Aber ehrlicherweise ist der Unterschied zwischen 9ms und sagen wir 5ms, vermutlich nicht merklich.

    Zuverlässigkeit

    Und hier kommen wir - neben den Bauarbeiten - zum größten Manko des Anschlusses. Ich habe den Anschluss seit Juni und hatte bereits 2x Tage in denen ich fürs Homeoffice auf den Hotspot des Handys ausweichen musste, weil die Leistungseinbrücke so stark waren, dass selbst normale Office-Anwendungen nicht mehr zuverlässlig und teils auch gar nicht mehr liefen. Dazu gab es auch mindestens zwei Abende an dem die Leistung merklich - nicht nur im Speedtest - im Keller war. Beispielsweise hat sich heute Abend Google Street View teilweise erst nach mehreren Sekunden geladen. Außerdem habe ich schon mehrere Störungsmeldungen per Mail von DG erhalten, bei denen ich aber nicht Zuhause war. Gemessen an meinen Erfahrungen mit verschiedenen DSL-Anschlüssen, aber auch mit dem Internet über 4G im o2-Netz in den zwei Jahren vor DG, habe ich jetzt schon mehr Störungen als ich in vielen Jahren mit anderen Anschlüssen hatten. Man muss vielleicht dazu sagen, dass DG munter im Landkreis ausbaut, insofern besteht vielleicht noch die Hoffnung, dass es sich hier um "Geburtswehen" handelt.

    Fazit

    Wer hinsichtlich der Bauarbeiten und ihren Widrigkeiten entspannt ist, dem kann ich grundsätzlich empfehlen einen kostenlosen DG-Anschluss zu buchen, schließlich ist es gut möglich, dass man die Bandbreite eines Glasfaser-Anschlusses mal braucht. Solange die DG die Zuverlässigkeits-Thematik nicht in den Griff bekommt, würde ich aber einen klassischen DSL-Vectoring-Anschluss dem DG-Anschluss aber vorziehen, da die Zuverlässligkeit des DG-Anschlusses bisher eher schlecht ist und ich in meiner alltäglichen Arbeit den Unterschied zwischen 1000/500 Glasfaser und herkömmlichen Anschlüssen nicht merke. Entsprechend werde ich jetzt erstmal in den kleinen 100/50 Tarif wechseln und dann nach 24 Monaten - sofern die Zuverlässligkeit sich nicht merklich gebessert hat - zu einem Vectoring-Anschluss wechseln.

    Ich hoffe euch hat der Bericht einen kleinen Einblick gegeben und würde mich interessieren, ob sich das mit euren Erfahrungen deckt.

    Einmal editiert, zuletzt von GroBaer (10. November 2023 um 01:04)

  • Wie richtig erwähnt wurde, handelt es sich um Geburtswehen. Das ist an vielen Stellen im Forum erwähnt.

    Man muss sich vor Augen halten, das nicht auf einer vorhandenen Infrastruktur aufgesetzt werden kann (VDSL,Mobilfunk), sondern ein komplettes Netz mit allen aktiven und auch passiven Komponenten neu erschaffen wird. Permanent werden Kunden abgeschaltet, das Bandbreitenmanagement muss nachgeregekt werden und viele andere Dinge.

    In dieser Zeit (ca. 3 bis 6 Monate nach Aktivierung beim ersten Kunden) ist daher mit Störungen zu rechnen.

  • Also ganz ehrlich: 9ms über WLAN halte ich nicht für „einige ms im Backbone "verbummelt".

    Das kommt mir eher wie ein ganz normaler Wert vor.

    Und dazu

    Zitat

    Wer hinsichtlich der Bauarbeiten und ihren Widrigkeiten entspannt ist, dem kann ich grundsätzlich empfehlen einen kostenlosen DG-Anschluss zu buchen, schließlich ist es gut möglich, dass man die Bandbreite eines Glasfaser-Anschlusses mal braucht

    Würde ich sagen:

    Wer sowieso absehbar noch auf DSL setzt, der kann doch ganz entspannt buchen, weil es ihm völlig egal sein kann ob die Bauarbeiter nun nächste Woche kommen oder erst in zwei Monaten.

    so ganz kann ich das Fazit daher nicht nachvollziehen. Ich denke, wer als Eigentümer einen kostenlosen (!) Hausanschluss nicht mitnimmt, der hat den Schuss nicht gehört, völlig egal ob er ihn nun aktuell braucht oder nicht und ob er mit der „Spontanität“ der Bauarbeiter gut kann oder nicht: ist doch total egal wenn ich es eh noch nicht buche.

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  • Ich sehe das auch so... der Anschluss ist kostenlos, man muss sich lediglich einige Zeitfenster schaffen für Tiefbau, einblasen und Montage. Es ist immer eine Wertsteigerung für das Objekt.

    Was kostet denn so ein Anschluss bei DG wenn er ungefördert ist ?

    Glasfasermonteur aus Leidenschaft

  • Hallo zusammen,

    danke für die ersten Rückmeldungen!

    Zum Thema Ping: Ich habe jetzt mal meine einzigen Laptop der noch einen Ethernet-Anschluss hat per LAN-Kabel angeschlossen und das sind die Werte (Screenshot #1 ist zu teams.microsoft.com). Wohlgemerkt lief auf dem Laptop keine andere Anwendung zu der Zeit. Auf einem anderen Laptop, welcher per WLAN verbunden war, lief ein YouTube-Video. Router ist eine FritzBox 7530.

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