LEW Highspeed im Landkreis Augsburg

  • Hallo zusammen,

    hier im Landkreis Augsburg in Bayern baut eine Tochter des lokalen Energieversorgers Lechwerke AG, LEW TelNet, in zahlreichen größeren und kleineren Gemeinden geförderte Glasfaser-Netze aus. In meiner Gemeinde gab es hierfür im Jahr 2021 eine Vorvermarktung. Würden sich mehr als 50% aller Haushalte für einen Glasfaseranschluss entscheiden, so würde der Ausbau erfolgen. Der Anschluss ist kostenlos mit 2-jähriger, natürlich nicht kostenlosen Vertragsbindung an "LEW Highspeed", so der Name des Netzes. Man hat die Wahl zwischen 100/50, 200/100, 500/250 und 1000/500 MBit/s für 45, 55, 80 oder 150 €/Monat.

    Auch wenn nicht ganz die 50% Haushalte zusammen kamen, wurde im Januar 2022 der Ausbau bestätigt. Irgendwann im Sommer begann die Verlegung der Leerrohre, mein Stadtteil war im September 2022 dran. Im November 2022 wurden die Glasfaserkabel eingeblasen, im März 2023 APL und ONT installiert. Seit Anfang Mai ist der Anschluss aktiv.

    Der Wechsel von 1&1-DSL verlief eigentlich problemlos, man hatte über DSL auch die nächsten Tage noch Internetzugang, nur die Telefonzugänge wurden ab Mitternacht bei 1&1 deaktiviert. Da es zunächst noch Probleme mit der Glasfaserverbindung gab (der Techniker hatte einen Ablesefehler bei der Seriennummer des ONT, wodurch die Verbindung nicht aufgebaut wurde) und der Anschluss erst am nächsten Tag nach Konfigurationsänderung seitens LEW funktionierte, mussten die Telefonzugänge ebenfalls noch einen Tag über DSL (mit den neuen Zugangsdaten bei vitroconnect) laufen, was problemlos möglich war.

    Ich habe eine Fritzbox 7590 über WAN an dem ONT hängen. Speedtest zeigt 104/48 MBit/s, 13 ms.

    Die Hotline war nur nach einer guten halben Stunde Warteschleife erreichbar, der Rückruf eines Technikers erfolgte innerhalb weniger Stunden, die Behebung des Fehlers innerhalb eines halben Arbeitstages.

    Der Anschluss ist native IPv6 und Dual Stack (nicht DS-Lite), man bekommt eine nicht-öffentliche IPv4-Adresse. Da damit mein VPN nicht mehr funktionierte, hat mir die Hotline (kostenlos) eine öffentliche IPv4-Adresse zugewiesen.

    Bisher habe ich keine weiteren Probleme, läuft klaglos. :thumbup: Ich habe einige Fotos von den Erdarbeiten, der Leerrohre und der Verbindungen der selben, des Innenlebens der Patch-Verteilerkästen am Straßenrand, der Hausdurchführung und von APL und ONT gemacht. Falls es von Interesse ist, kann ich das bei Gelegenheit einstellen (aber wahrscheinlich kennen das eh die meisten).

  • Willkommen im Forum!

    Kannst Du Angaben machen, welche Topologie (AON oder GPON) genutzt wird? Aus deiner Schilderung vermute ich GPON, Du weisst es aber besser...

    Darüber hinaus wäre es sicher interessant für die Nachwelt ob eine VLAN-ID für den Internetaccess und/oder Telefonie benötigt wird.

  • Tipp: Jetzt kostenlos registrieren, mitmachen und das Forum ohne Werbebanner nutzen.
  • Insgesamt hört sich das aber sehr problemlos an, im Vergleich mit anderen Berichten hier im Forum. Vor allem der Service scheint für einen kleinen Anbieter in der Ausbauphase vorbildlich funktioniert zu haben - da würde ich die halbe Stunde Warteschlange nicht überbewerten, wenn die Reaktion anschließend so zügig und lösungsorientiert verlief.

  • Stimmt, es war echt problemlos. Immerhin wird im ganzen Ort noch gebuddelt, also sind wir noch mitten im Aufbau. Überrascht hat mich auch, dass ich einfach eine öffentlich IP4-Adresse bekam, scheint auch nicht immer der Fall zu sein. Leider habe ich vergessen zu fragen, ob sie es einem leicht machen, den ONT nicht zu nutzen. Aber da ich die 7590 eh habe, werde ich zunächst dabei bleiben.

  • Tipp: Jetzt kostenlos registrieren, mitmachen und das Forum ohne Werbebanner nutzen.
  • Hier mal für diejenigen, die so einen Glasfaseranschluss in Wirklichkeit noch nicht kennen, ein paar Bilder zur Verdeutlichung.

    Entlang der Grundstücke wurde die Straße aufgebuddelt (bei uns glücklicherweise gepflastert, sodass später keinerlei Spuren zurückblieben). Dies erfolgte entlang der Stromversorgung der Häuser (links sieht man noch zusätzlich die Telefonkabel, über das DSL läuft).

    Hinein verlegt wurden größere Leerrohre, durch die anschließend die Mikroleerrohre verlegt wurden. Die einzelnen dicken Leerrohre wurden an den Stellen, an denen die Stichleitungen zu den Gebäuden abgeführt wurden, nicht verbunden.

    Die Mikroleerrohre werden in orangefarbenen Bündeln verlegt, wobei es je nach Anzahl Anschlüssen unterschiedlich dicke Bündel gibt.

    Hier die Leerrohre, die in (Einfamilien-)Häuser geführt werden, jeweils 2 Leerrohre in einem.

    Diese wurden unterirdisch ins Grundstück bis zum Gebäude verlegt.

    Verbunden werden die Stich-Leerrohre mit den außen an den Grundstücken entlang verlegten Rohren über solche Kupplungen. Werden die orangefarbenen Sicherungen rausgezogen, kann die Verbindung wieder gelöst werden.

    In meinem Fall war keine neue Bohrung in den Keller notwendig, da die beiden Leerrohre bei der Stromdurchführung ins Haus verlegt werden konnte. Zur Abdichtung wurden spezielle Dichtungen montiert. So sieht die Durchführung im Keller aus:

    Das andere Ende der Leerrohre mündet in einem Verteilerkasten.

    Irgendwann wurden dann die Glasfaserkabel eingeblasen, der graue Hausübergabepunkt (HÜP) sowie das schwarze Modem (ONT) montiert. Das graue Kabel mit schwarzem RJ45-Stecker am ONT führt zum Router.

    Das zweite Leerrohr blieb leer, das Glasfaser hat 8 Fasern, davon sind zwei über die gelben Glasfaserkabel mit 2 Buchsen im HÜP verbunden, die restlichen Fasern sind im HÜP aufgewickelt.

    Einmal editiert, zuletzt von targa (17. Mai 2023 um 11:00)

  • Habe 2 Jahre LEW Glasfaser hinter mir und kann nichts Schlechtes darüber berichten. Leistung wurde zuverlässig geliefert, laut log gab es selten mal nachts einen kurzen Ausfall der Telefonnummer, aber nichts was irgendwie von Bedeutung gewesen wäre.

    Dass ich keine öffentliche IPv4 bekomme war mir bei Vertragsabschluss nicht klar, obwohl ich das Kleingedruckte ausführlich gelesen habe. Inzwischen kann man es in der Leistungsbeschreibung bei LEW auf der Homepage nachlesen, wenn man sucht. Wer eine eigene IPv4 will muss den PLUS Tarif buchen, was im Schnitt zusätzliche 25 Euro pro Monat bedeutet. Obwohl mir ein von außen erreichbarer Anschluss sehr wichtig ist, war es mir keine 79,90 Euro im Monat wert (billigster IPv4 Tarif). Nachdem ich jetzt meine 2 Jahre abgesessen habe geht es für mich zurück auf Kupfer, 100Mbit müssen reichen.

    Die Portierung zurück gestaltet sich etwas holprig. Laut Bundesnetzagentur (die echt schnell antworten) ist LEW kein klassischer Netzbetreiber, da ihm keine Portierungskennung zugeordnet ist:

    Bundesnetzagentur - Nummerierung - Verzeichnis der Portierungskennungen

    Somit ist LEW ein Reseller und betreibt das Netz nicht selbst. Um das Portierungsformular ausfüllen zu können, habe ich nachgebohrt und die Kennung D027 genannt bekommen (falls ihr auch mal kündigen wollt). Die gehört zur Ventelo GmbH was seit 2019 eine Tochter von Plusnet GmbH ist. Laut Homepage betreibt diese Firma unter anderem die Glasfasernetze für Gemeinden, die den Ausbau selbst in die Hand nehmen wollen, das würde also passen. Warum das so ein Geheimnis ist weiß ich nicht.

  • Nachdem ich jetzt meine 2 Jahre abgesessen habe geht es für mich zurück auf Kupfer, 100Mbit müssen reichen.

    Wegen einer fehlenden IPv4 Adresse? Nicht dein Ernst, oder? Es gibt so viele einfache Möglichkeiten, auch ohne öffentliche IP Adresse den Zugang von außen möglich zu machen, und deshalb verzichtest du auf die Vorteile von Glasfaser?

  • Tipp: Jetzt kostenlos registrieren, mitmachen und das Forum ohne Werbebanner nutzen.
  • frank_m ist doch gut, wenn er drauf verzichten kann und eine Alternative hat. Die Tarife von LEW sind preislich ganz unabhängig von der IPv4-Thematik eine absolute Unverschämtheit und das muss der Provider spüren.

    Den Anschluss hat er sich gesichert, ich hätte es bei den schlechten Konditionen genau so gemacht, habe aber auch eine makellose, günstige SVDSL-Leitung...

  • Ich finde das sehr teuer, wo guckst du denn zum Vergleich?

    Supervectoring bekommt man ab 690€ über zwei Jahre (z.B. 1&1-Reseller "Handyvertrag.de"), 35€ mtl. über den 24. Monat hinaus. Bei der LEW komme ich da mit dem im Download langsameren und im Upload schnelleren Tarif auf 1280 €, das ist doch schon ein gewaltiger Unterschied.

    Mit "Garantie" auf Dual Stack sind's dann 900€ über zwei Jahre. (o2, 35/40€). Da tröpfeln an einer optimalen Leitung 270/43 Mbit/s heraus. Baut zum Beispiel die UGG Glasfaser aus, bekommst du für die selben 900€ in zwei Jahren dann schon großzügig überprovisionierte 280/140 Mbit/s mit dem selben Tarif.

    Schauen wir mal bei 100 Mbit/s.. Deutsche Glasfaser zum Beispiel als Neukunde 780€ über zwei Jahre. LEW liegt da immer noch bei 1030€. Beim Discount-Reseller geht das VDSL ab 600€ über zwei Jahre los. Die 7 Mbit/s Unterschied im Upload ignoriere ich jetzt mal.

  • Tipp: Jetzt kostenlos registrieren, mitmachen und das Forum ohne Werbebanner nutzen.
  • Es gibt so viele einfache Möglichkeiten, auch ohne öffentliche IP Adresse den Zugang von außen möglich zu machen, und deshalb verzichtest du auf die Vorteile von Glasfaser?

    Hab das jetzt 2 Jahre versucht und alles waren nur Behelfslösungen, Workarounds und Sicherheitslücken... nichts was ich auf Dauer so möchte. Was sind diese tollen Glasfaser Vorteile? Ich gebe zu, bei meiner alten Wohnung hat zwei mal innerhalb eines Jahres der Blitz in den Telekom Verteilerkasten eingeschlagen und die FritzBox gegrillt, das wäre mit Glasfaser nicht passiert, aber sonst habe ich keinen Unterschied gemerkt.

  • Hab das jetzt 2 Jahre versucht und alles waren nur Behelfslösungen, Workarounds und Sicherheitslücken...

    Dann hast du nicht vernünftig gesucht. Das bekommt man genau so sicher hin, wie bei einer direkten öffentlichen IP.

    Was sind diese tollen Glasfaser Vorteile?

    Verfügbarkeit, Latenz, Bandbreite. Insgesamt ist die QoS halt deutlich besser. Auch Abseits der Blitzschläge.

  • Insgesamt ist die QoS halt deutlich besser.

    Das kannst du nicht verallgemeinern. Tendenziell stimmt das vielleicht, aber an einer stabilen VDSL-Leitung gibt es im Vergleich zu einem überteuerten Einstiegstarif der LEW nicht wirklich was auszusetzen...

    So wie es aussieht, wird sich hier bei mir die Latenz durch den Wechsel zu Glasfaser sogar verdreifachen und da meine VDSL-Leitung in 3,5 Jahren nie bewusst ausgefallen ist, dürfte es in Sachen Verfügbarkeit auch schwer werden, das zu überbieten.

  • Tipp: Jetzt kostenlos registrieren, mitmachen und das Forum ohne Werbebanner nutzen.
  • Dann hast du nicht vernünftig gesucht.

    Ich kenne sehr viele Möglichkeiten, die Nicht-Verfügbarkeit einer öffentlichen IPv4-Adresse zu kompensieren. Keine ist wirklich ein vollständiger Ersatz und keine ist praktisch so stabil und einfach, dass ich die höhere Komplexität jemandem zumuten würde, der nicht vom Fach ist.

    Man kann damit klarkommen, aber das ist schon ein sehr gewichtiger Nachteil. Provider, die selbst auf Anfrage und gegen Bezahlung keine öffentlichen IPv4 Adressen direkt auf dem Anschluss bereitstellen, verlieren völlig zu Recht Kunden, denen das wichtig ist. Diese Eigenschaft macht einen Anschluss (ob Glasfaser oder nicht) schlechter, und zwar nicht in vernachlässigbarer Weise.

    Wenn man aus Verfügbarkeit, Latenz, Bandbreite, QoS und Blitzfestigkeit keinen Vorteil zieht, überwiegt eben der Nachteil der nicht-öffentlichen Adresse. Und machen wir uns nichts vor: So gewichtig sind die Vorteile nicht:

    Die Verfügbarkeit einer gut abgehangenen Lösung wie VDSL ist je nach Zustand der Leitungen oft sogar besser als die eines Glasfaseranschlusses, wenn der Provider noch ständig am Netz herumschraubt.

    Die Latenz eines Glasfaseranschlusses kann spürbar besser sein, aber unter dem Preisdruck setzen Provider auf größere Puffer, um mit Traffic Shaping größere Überbuchungen zu ermöglichen, ohne dass alles zusammenbricht. In der Praxis ist die Latenz an vielen VDSL-Anschlüssen nicht schlechter, obwohl VDSL da technisch im Nachteil ist.

    Bandbreite ist am Glasfaseranschluss klar besser, aber die FTTH-Provider versuchen in Deutschland, einen Mehrwert in Rechnung zu stellen, der beim Benutzer nicht realisiert werden kann. Wenn man alles, was man täglich tut, mit der Bandbreite eines VDSL-Anschlusses problemlos abwickeln kann, dann kann der FTTH-Anschluss noch so schnell sein: Das erzeugt aber nicht so viel mehr WERT, wie dafür verlangt wird.

    QoS könnte ein Thema sein, aber gerade CGNAT macht in dem Thema alles kaputt, was die Anschlusstechnik vielleicht an Vorteilen bringen könnte, und die Unerfahrenheit der Provider tut ein Übriges.

    Bleibt die Blitzfestigkeit, aber außer in besonders exponierten Lagen scheint mir das kein so großer Vorteil zu sein, dass man das ständige Ärgernis CGNAT dafür akzeptieren muss.

    FTTH-Provider müssen noch lernen, dass der Wert nicht in der Anschlusstechnik besteht, sondern darin, wofür man sie nutzen kann.

  • Wenn man meine Aussagen nicht verallgemeinern kann, so eure auch nicht, denn wir haben zahllose Beispiele hier im Forum, an denen man sieht, wie gut es laufen kann. Und sie sind eindeutig in der Überzahl, und das in einem Forum, wo sich ja üblicherweise die Leute mit Problemen treffen. Die beschriebenen negativen Beispiele sind da eher die Ausnahme. Im allgemeinen verglichen mit Kabel- und DSL Anschlüssen bietet Glasfaser die deutlich bessere QoS - auch heute schon in Deutschland.

    Richtig ist, dass die Einrichtung einer Erreichbarkeit von außen ein gewisses Know-How voraussetzt, in das man sich aber einarbeiten kann. Die pauschale Aussage, "alles" seinen nur Krücken oder Sicherheitslücken, kann man genauso wenig stehen lassen.

  • Was noch gar nicht angesprochen wurde, an so einem Anschluss teilen sich ja viele Leute eine öffentliche IPv4 Adresse. Baut einer von denen richtig Mist, wird anscheinend diese IP vom Webserver einfach gesperrt und ist damit nicht erreichbar. Weiß nicht wie oft Paypal nicht erreichbar war. Gehst aus dem WLAN auf LTE… erreichbar; schaltest VPN ein… erreichbar; über Glasfaser keine Verbindung; startest die Box neu -> andere öffentliche IP -> Paypal geht wieder. So was hatte ich auf Kupfer Leitung nie. Wenn eine Seite nicht geht weißt nie, liegt es am Server oder ist meine IP wieder mal geblockt.

  • Tipp: Jetzt kostenlos registrieren, mitmachen und das Forum ohne Werbebanner nutzen.
  • Das Teilen von IPv4 Adressen zwischen mehreren Usern ist jedoch kein Argument das für oder gegen eine Abschlusstechnik spricht. Man könnte im Sinne der Verschleierung von Teilnehmeraktivitäten sogar IT-Securitytechnisch einen Vorteil herbeireden.

    Schon lange am Markt etablierte Unternehmen oder Reseller/virtual Operator haben natürlich den Vorteil evtl. sehr viele und sehr große Netzblöcke zu besitzen. Bei einer Netzblockade durch Diensteanbieter werden dort eher mehr Teilnehmer als weniger getroffen.

    Über den Sinn bzw. Unsinn von Netzblockade wurde auch hier im Forum schon viel geschrieben, meist ging es um Geo-Blocking, da müssen wir nicht wieder ein Fass aufmachen.

  • Was Verfügbarkeit und Latenz angeht bekommt das im mom was die PON Netze angeht wohl die Telekom noch am besten hin.

    Bandbreite ist nur Theorie da in Deutschland viel zu teuer angeboten.

    Das Mangel Management QoS als Vorteil zu erachten weil man ein Shared-Access Netz hat und ein QoS evtl nötig sein könnte sehe ich nicht als Vorteil an, das eher ein notwendiges Übel.

    yepun

    Hier ist der schwarze Peter aber auch bei Paypal zu suchen, die setzen noch immer kein IPv6 ein.