Warum sind Glasfasertarife in Berlin asymmetrisch und bei 1 Gbit/s gedeckelt?

  • Ich habe seit ein paar Monaten Glasfaser direkt in der Wohnung und schaue mich gerade nach einem Tarifwechsel um.

    Dabei ist mir aufgefallen, dass bei mir alle verfügbaren Anbieter nur asymmetrische Tarife anbieten, also sowas wie 1000/500 oder 500/250 Mbit/s. Und dann ist noch bei allen Anbietern bei 1 Gbit/s Schluss. Hää?

    Es kann doch nicht sein, dass 2,5 Gbit/s, 5 Gbit/s oder 10 Gbit/s symmetrische leitungen für Privatkunden gar kein Thema sind bei Telekom, Vodafone ect. Oder braucht die echt keiner in Deutschland?

    Mich würden vor allem von euch interessieren:

    Hat hier jemand privat einen Glasfaseranschluss mit mehr als 1 Gbit/s oder einen symmetrischen Tarif? Wenn ja: welcher Anbieter und welche Stadt?

    Gibt es hier jemanden aus Berlin, der sowas buchen kann?

    Warum sind die Tarife meistens asymmetrisch?

    Und was meint ihr: Wann kann man in Berlin realistischerweise mit 2,5 Gbit/s oder 5 Gbit/s rechnen?

  • Es kann doch nicht sein, dass 2,5 Gbit/s, 5 Gbit/s oder 10 Gbit/s symmetrische leitungen für Privatkunden gar kein Thema sind bei Telekom, Vodafone ect. Oder braucht die echt keiner in Deutschland?

    Dafür gibt es schlicht und ergreifend die Infrastruktur noch nicht. XGS-PON wird gerade erst punktuell ausgebaut.

    Warum sind die Tarife meistens asymmetrisch?

    Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen entspricht es einfach dem Kundenverhalten, dass deutlich mehr Daten heruntergeladen als gesendet werden - der Unterschied ist sogar deutlich größer als nur Faktor 2. Und der 2. Grund ist, dass bei dem heute üblichen GPON auf der Faser für alle Kunden doppelt so viel Downstream wie Upstream zur Verfügung steht.

  • Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen entspricht es einfach dem Kundenverhalten, dass deutlich mehr Daten heruntergeladen als gesendet werden - der Unterschied ist sogar deutlich größer als nur Faktor 2. Und der 2. Grund ist, dass bei dem heute üblichen GPON auf der Faser für alle Kunden doppelt so viel Downstream wie Upstream zur Verfügung steht.

    Mir geht es weniger darum, wie oft oder wie viel hochgeladen wird, sondern eher um die verfügbare Geschwindigkeit beim Upload.

    GPON gibt das in der Form nicht her. Aber sobald auf XGS-PON aufgerüstet wird: Wäre es dann realistisch, dass Anbieter wie Telekom oder Vodafone irgendwann auch auf symmetrisch wechseln?

    Ich habe hier im Forum von Pilotprojekten gelesen, die vor zwei bis drei Jahren gestartet sind. Soweit ich es verstanden habe, ging es dabei aber eher um 2000/1000 Mbit/s und nicht um symmetrische 2 Gbit/s.

    Was daraus geworden ist, ist mir ebenfalls nicht ganz klar, vor allem nicht, ob diese Gebiete seitdem nennenswert erweitert wurden.

    Heißt für mich vermutlich: Ich sollte in den nächsten Jahren eher nicht fest damit rechnen, dass bei mir mehr als 1 Gbit/s verfügbar wird.

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  • Da du jetzt explizit Telekom und Vodafone genannt hast, solltest du dir im Klaren darüber sein, dass beide mit dem Peering experimentieren, was den Upload in Richtung schmal angebundener Teile des Internets im Extremfall auf wenige kbit/s drücken und mit vielen Paketverlust spicken kann. Also je wichtiger dir ein universell nutzbarer, sehr hoher Upload ist, desto dringender würde ich dir davon abraten, bei diesen beiden Anbietern bevorzugt eine Tarifbuchung anzustreben, falls dies irgendwann möglich sein sollte. Der Moment der Enttäuschung kann da sehr ausgeprägt sein.

    Was in Sachen XGS-PON, wo das Zugangsnetz der Telekom wie du selbst geschrieben hast, immerhin 1 Gbit/s Upload hergibt, allerdings auch gesagt werden kann ist, dass du da keine Rätsel raten musst. Die Telekom hat den Coverage Checker, dort kannst du gut sehen wo die Telekom jetzt schon XGS-PON hat oder bald haben will (auf Festnetz klicken, lila Gebiet mit Rautenmuster ist oder wird sicher XGS). Pilot kann man das nicht mehr nennen, auch wenn Ausbau und Aufrüstung sehr lange dauern, sind sie voll dabei und es wird der neue Standard werden.

    Einmal editiert, zuletzt von DLMttH (3. Juli 2026 um 20:48)

  • Im Grunde wären auch symmetrische Bandbreiten via GPON möglich.

    Zwar gibt das Medium eine 2:1 Ratio vor, aber Kollisionen im Bandbreitenbedarf dürften seltener als im Download sein. Meinen Anschluss nutze ich recht intensiv für Upload, liege aber im Mittel immer noch eher bei 3:1. Der Anschluss meines Bruders liegt eher bei 20:1.

    Ich schiebe das eher auf historisch gewachsene Strukturen. Kabel hatte lange Zeit eine Ratio von 20:1, VDSL zwischen 2,5:1 und 6,25:1.

    Es gibt durchaus Provider mit symmetrischen Bandbreiten. DNS:NET, bei OpenInfra sind einige, LWLcom etc.

    XGS-PON wird da im Massenmarkt sicherlich den Weg ebnen.

  • Dabei ist mir aufgefallen, dass bei mir alle verfügbaren Anbieter nur asymmetrische Tarife anbieten, also sowas wie 1000/500 oder 500/250 Mbit/s. Und dann ist noch bei allen Anbietern bei 1 Gbit/s Schluss. Hää?

    Weil es keine richtigen Anbieter sind, sondern Wiederverkäufer Aktiver Vorleistungen des Netzbetreiber.
    Der Netzbetreiber gibt Technik und die Tarife vor.
    Deswegen bekommst du bei allen das gleiche.
    Und da nur einer die Technischen und Tariflichen vorgaben bestimmen kann, sind sie langsam und teuer.
    Ein sehr unvorteilhaftes System für Endkunden.

    Einmal editiert, zuletzt von Edding (4. Juli 2026 um 11:50)

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  • Ja, das ist mir schon klar, aber woran willst du die Tarife gestalten, wenn nicht am Nutzungsverhalten und an den technischen Gegebenheiten?

    Nicht nach nutzungsverhalten das kann man eh nur orakeln sondern einheitlichen Preis auf Grundlage der am Standort verfügbaren Leistungsfähigkeit der Technologien.

  • Dabei ist mir aufgefallen, dass bei mir alle verfügbaren Anbieter nur asymmetrische Tarife anbieten, also sowas wie 1000/500 oder 500/250 Mbit/s. Und dann ist noch bei allen Anbietern bei 1 Gbit/s Schluss. Hää?

    Wie schon geschrieben passt das zu den Limits der haeufig verwendeten GPON Technologie, aber wie mbo77 so treffend bemerkte fuer einen ISP ist die tatsaechliche Auslastung eigentlich relevanter als die verfuegbare Kapazitaet und da auch in der Spitzenlastzeit das Down/Up Verhaeltnis eher bei 5:1 liegt waere da noch etwas Raum. Andererseits wird es fuer einen echten 1000er Upload in einem GPON Segment trotzdem eng, d.h. was da realistisch ginge waere z.B. 500/500 und 1000/750, aber das macht dann halt den 1000er Tarif weniger attraktiv.

    Was dann noch dazu kommt ist, dass die Leute die viel Upload brauchen oft Geld damit verdienen, und fuer solche Kunden wollen ISPs halt oft Geschaeftskundentarife verkaufen, weshalb sie es OK finden wenn die Privatkundentarife dafuer nicht optimal geeignet sind.

    Selbst mit GPON liessen sich Tarife mit mehr als 1 Gbps schnitzen, aber dann braucht die ganze Kette (ONT), Router,LAN jeweils > 1 Gbps Kapazitaet, d.h. billige Gigabit-Ethernet-Ports reichen nicht mehr, und das macht dann alle Komponenten teurer, was nur semi-attraktiv ist.

    Es kann doch nicht sein, dass 2,5 Gbit/s, 5 Gbit/s oder 10 Gbit/s symmetrische leitungen für Privatkunden gar kein Thema sind bei Telekom, Vodafone ect. Oder braucht die echt keiner in Deutschland?

    Na ja, zumindest ist die Nachfrage nach 1 Gbps+ Tarife nicht so hoch, dass es sich fuer ISPs grossartig lohnt ihre Netze vorzeitig zu so etwas zu ertuechtigen. Liest man ja hier im Forum immer wieder, einerseits muss es 10 Gbps sein (damit sind meist allerdings die ca. netto 8.2 Gbps gemeint die man ueber XGSPON mit FEC maximal realisieren kann) anderseits darf es nicht mehr als 30-50 Euro kosten... Warum soll ein ISP jetzt Geld investieren um einen OLT fuer XGSPON zu ertuechtigen, wenn dann er dann statt 70 Euro fuer 1 Gbps auf einmal nur noch 50 Euro fuer 8 Gbps bekommen sollte? Klar, als Endkunde faende ich das OK, aber ich bin lange genug dabei um zu verstehen, dass ISPs ihre Investitionsentscheidungen nicht primaer an den Wuenschen der Endkunden ausrichten.

    Ich habe hier im Forum von Pilotprojekten gelesen, die vor zwei bis drei Jahren gestartet sind. Soweit ich es verstanden habe, ging es dabei aber eher um 2000/1000 Mbit/s und nicht um symmetrische 2 Gbit/s.

    Wie andere schon schrieben, bei der Telekom findet ein langsamer "Wechsel" statt, d.h. reine GPON-OLTs werden wohl in G-XGS-PON-Kombo-OLTs umgebaut, die GPON Bestandskunden weiterhin per GPON versorgen und im selben PON-Baum halt zusaetzlich XGSPON anbieten koennen. Und ja die Telekom (und viele ihrer Mitbewerber) bleiben beim 2:1-Verhaeltnis fuer Down/Up.

    Und was meint ihr: Wann kann man in Berlin realistischerweise mit 2,5 Gbit/s oder 5 Gbit/s rechnen?

    Bei der Telekom gibt es wohl schon 2/1 Gbps in Berlin, 5/2.5 Gbps bietet z.B. M-Net in Muenchen. Ob die Telekom so bald mehr als 2/1 Gbos anbieten wird du

    Weil es keine richtigen Anbieter sind, sondern Wiederverkäufer Aktiver Vorleistungen des Netzbetreiber.

    Durfte auch von der Nachfrage und dem Wettbewerb abhaengen, ich wuerde da jedoch nicht den Atem anhalten.

    Weil es keine richtigen Anbieter sind, sondern Wiederverkäufer Aktiver Vorleistungen des Netzbetreiber.

    Das macht die jetzt nicht zu unrichtigen Anbietern, und natuerlich koennten die z.B. 500/500 Mbps Tarife anbieten.

    Der Netzbetreiber gibt Technik und die Tarife vor.

    Jain, die L1-L2-Technik kommt in der Tat 100% vom Vorleister, aber ab L3 aufwaerts koennen Reseller mit eigener Technik punkten. Was die Tarife angeht, da setzen die Vorleistungspreise sicherlich Untergrenzen fuer das was Reseller rentabel anbieten koennen, sind aber keine harten Vorgaben. Wobei da auch die BNetzA gefragt ist fuer mehr flexibilitaet zu sorgen... was sofort ein grosses Jammern bei allen Vorleistern erzeugen wuerde (die sind alle der Meinung, dass jeweils nur ihre Mitbewerber reguliert werden sollten, nie sie selber ;) ).

    Und da nur einer die Technischen und Tariflichen vorgaben bestimmen kann, sind sie langsam und teuer.
    Ein sehr unvorteilhaftes System für Endkunden.

    Ja, unser TK-Markt ist nicht wirklich allgemeindienlich organisiert, bzw. koennte allgemeindienlicher organisiert werden. Aber dazu braeuchte es politischen Hunger und ein Verstaendnis, dass Maerkte meist nur so gut sind wie ihre Vorgaben und Regeln erlauben, pomadige Regeln -> pomadige Maerkte. Zuviele Menschen sind da mMn. zu naiv-optimistisch wann/wie Maerkte funktionieren... (Das herrscht zu viel Marklt-Dogmatismus und zu wenig Markt-Realismus).

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  • Nicht nach nutzungsverhalten das kann man eh nur orakeln

    ??? Ein ISP weiss sowohl welche Kapazitaet er verkauft hat als auch wann und in wie weit diese Kapazitaet abgerufen wird... d.h. das Nutzungsverhalten seiner Anschluesse ist fuer einen leidlich kompetenten ISP kein Buch mit 7 Siegeln.

    sondern einheitlichen Preis auf Grundlage der am Standort verfügbaren Leistungsfähigkeit der Technologien.

    Das ist halt nicht das was einen Markt typoischerweise ausmacht, oder? Auch im Ausland nicht, so kostet z.B. ca. 8-10 Gbps in der Schweiz unterschiedlich viel:

    10 Gbps AON: Init7: CHF 64.75/Mt mit Jahresrechnung (CHF 777/Jahr)

    8 Gbps XGSPON: SwissCom: 91.80 CHF/Monat

    8 Gbps XGSPON: Salt.ch: 49.95 CHF/Monat

    8 Gbps XGSPON: Galaxus: 39.00 CHF/Monat

    Das ist weder einheitliche Technik, noch eine Einheitspreis, noch nicht mal innerhalb der XGS-PON Anbieter.

  • Ergänzend zu erwähnen, dass SwissCom als auch Galaxus weitere Preisstufen marktgerecht anbieten. Wie fast alle anderen Anbieter weltweit auch, egal auf Basis welcher Technik das erfolgt. AON, DSL, DOCSIS, GPON oder XGSPON, de facto gibt es immer einen bunten Strauß an Tarifen. Das hat mit der Technik rein gar nichts zu tun.

  • Das hat mit der Technik rein gar nichts zu tun.

    +1; das ist eine Frage des Marketings... und da hat sich halt gezeigt, dass Endkunden selbst dann wenn sie ihren echten Bedarf gar nicht richtig einschaetzen koennen, Auswahlmoeglichkeiten schaetzen. Zusaetzlich tendieren Kunden dann wohl zu Tarifen "aus der Mitte" des Angebotes... in so fern sehe ich z.B. den 2/1Gbps Tarif der Telekom mit 141 Euro weniger als Tarif den die Telekom erwartet quantitativ an den Kunden zu bringen, und mehr als einen der den 1000er und den 600er Tarif relativ attraktiver erscheinen lassen sollen im Vergleich zum 300 und 150er...

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