Zwei Häuser mit Glasfaser miteinander verbinden

  • Erst mal ein freundliches "Hallo" in der Runde, ich bin ganz neu hier, und hoffe, dass ihr mir helfen können. Folgende Situation:

    Wir haben ein Haus gekauft, welches direkt neben meinem Elternhaus ist. Da wir komplett renovieren, ist jetzt noch die Möglichkeit, Kabel gescheit unter Putz zu verlegen. Daher möchte ich die beiden Häuser nicht nur mit CAT7, sondern auch mit Glasfaser miteinander verbinden. Ich habe folgendes "Verlegekabel" gefunden, und würde gerne wissen, ob das das Richtige ist: https://www.ebay.de/itm/2543071763…YQAAOSwM~BgdW0O

    Ist dies ein "universelles" Kabel, also kann ich hier zu gegebener Zeit von einem Fachmann mir Stecker dran montieren lassen, um dann später eine superschnelle Netzwerkverbindung zwischen beiden Häusern zu haben? Und könnte ich damit auch einen Glasfaseranschluss, der bei uns innerhalb des nächsten Jahres kommen soll, auch von einem in das andere Haus legen? Hintergrund ist, dass ich mit der Firma vereinbart habe, dass wir erst mal einen Vertrag machen, die aber in eines der beiden Häuser dann zwei Kabel einschießen. Dann würde ich mit diesem Kabel dann diesen Glasfaseranschluss in das andere Haus "verlängern", so dass dann beide Häuser mit einem eigenen Glasfaseranschluss ausgestattet sind.

    Und für den Fall, dass das Kabel für meine Bedürfnisse nicht geeignet ist, was für ein Kabel sollte ich denn dann nehmen?

    Ich danke euch schon vielmals für jegliche Antworten, Hilfe und Tips! :)

    Einmal editiert, zuletzt von totto (17. Februar 2023 um 12:02)

  • Das universellste Kabel ist das Leerrohr.

    Das verlinkte Kabel ist ein Multimode-Kabel, erkennbar an der Kennzeichnung "50/125". Das sind die Durchmesser von Kern und Mantel, angegeben in Mikrometer. Singlemode erkennt man an 9/125.

    Multimodefasern kannst du nicht mit Singlemode-Fasern kombinieren, wie sie für FTTH verwendet werden. Du kannst die Multimodestrecke für die Verbindung der Häuser verwenden und über ein solches Netzwerk auch den FTTH-Anschluss logisch weitergeben, aber dann muss aktive Technik zwischen dem Anschluss und der Häuserverbindung übersetzen. Im Falle eines GPON-Anschlusses wäre es z.B. nicht möglich, das optische Endgerät (ONT oder optisch angeschlossener Router) im zweiten Haus zu positionieren.

    Flexibler und zukunftssicherer wäre Singlemode-Kabel, oder eben ein Leerrohr, in das man in Zukunft ein Singlemode-Kabel einziehen könnte. Für Singlemode gibt es außerdem schnellere Optiken, und über Längenbeschränkungen muss man sich bei Singlemode auch keine Gedanken machen.

    Hinweis zum Schluss: Singlemode heißt nicht "eine Faser" sondern meint den Kerndurchmesser. Für FTTH brauchst du nur eine Faser ("Simplex"), aber für gängige LAN-Übertragungsstandards braucht man zwei ("Duplex"), und als Reserve mehr Fasern zu haben schadet nicht.

  • Vielen Dank für die detaillierte Antwort.

    Ein Leerrohr ist leider nicht möglich, das wäre auch mein Favorit, aber ich muss da x-mal um Ecken durch, das haut leider nicht hin.

    Ich habe jetzt noch einen Anbieter gefunden, der Patchkabel in 50 Meter länge anbietet. Wäre dieses Kabel eventuell eher geeignet: https://shop.fiber24.net/FOPC-F2-S9-SX-LCU-LCU/de

    Und kann man solche Patchkabel per Kupplung, ohne Einsatz von aktiver Technik, verlängern?

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  • Hi,

    Häuser DIREKT nebeneinander, also Doppelhaushälfte?

    Wenn nein und du musst durch die Erde musst du auch Erdkabel nehmen. Also fällt Patchkabel schon mal komplett raus.

    Ansonsten vergiss das mit dem CAT 7 mal ganz schnell. Zwei Häuser verbindet man nur und ausschließlich via Glasfaser sonst holst du dir ganz schnell Ausgleichsströme ins Haus die dir u.U. deine komplette Netzwerkhardware zerstört.

    Leerrohr wäre trotzdem wünschenswert. Wenn du ein Kabel legen kannst, wirst du doch auch ein Leerrohr legen können?!

  • Nein, es sind zwei freistehende Häuser, sie sind aber über die Garagen physisch "verbunden", da gehe ich auch durch. Das Kabel wird also nur indoor gelegt, es geht nicht durch die Erde. Aber um an den Punkt zu kommen, wo die Verteilung stattfindet, muss man um etliche Ecken verlegen, daher ist ein Leerrohr nicht möglich. Leider!

    Die Schlitze habe ich großzügig gefräst, damit das zu verlegende Kabel nicht zu stark gebogen werden muss. Daher nochmal die Frage: Wäre ein solches Patchkabel das Richtige: https://shop.fiber24.net/FOPC-F2-S9-SX-LCU-LCU/de

    Und wenn nicht, welches Kabel wäre denn für meine Zwecke geeignet?

  • Von der Art der Faser wäre das Kabel geeignet, aber Patchkabel sind nicht dafür geeignet, eingeputzt zu werden. Es gibt armierte Kabel, auch fertig konfektioniert (mit Steckern). Wenn das Kabel auf gar keinen Fall ausgetauscht werden kann, würde ich auch keins mit nur einer Faser nehmen.

    Wenn elektrisches Ethernet zwischen Häusern verlegt wird, dann sollte unbedingt ungeschirmtes Kabel verwendet werden. Die Datenleitungen sind galvanisch von den Geräten getrennt. Ausgleichsströme fließen nur über die Abschirmung.

    Wenn der ganze Aufwand nur dazu da ist, die Kosten für den zweiten Glasfaseranschluss zu sparen, würde ich mir das nochmal durch den Kopf gehen lassen. Das wird früher oder später sowieso Probleme geben, wenn der Anschluss physisch nicht dort ist, wo der Anschluss gebucht wird.

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  • Die CAT 7 Verkabelung wollte ich mit dem gleichen Kabel machen, mit den ich auch das Haus selbst vernetzt habe. CAT 7 S/FTP Verlegekabel.

    Ich kann natürlich auch anstelle der CAT 7 Verbindung zwischen den Häusern (die Kabellänge wäre 45 Meter) auch dann mehrere dieser Patchkabel verlegen, und dann mit einem Medienkonverter arbeiten. Die kurze Strecke, wo die Kabel verputzt werden, mache ich um die Kabel eine PCV Hülle.

    Welche Medienkonverter 1000Mbit sind denn empfehlenswert? Habt ihr da einen Tip?

  • Wenn nur eine kurze Strecke unter Putz verlegt wird, dann leg doch für das Stück ein Leerrohr. Ich kann gar nicht genug betonen, wie sehr ich dir empfehle, das Kabel nicht unaustauschbar zu verlegen. Eine Installation mit nicht austauschbaren Datenkabeln ist übrigens auch nicht mehr normgerecht.

  • Wo ein Kabel gezogen werden kann, da kann man in der Regel auch Leerrohre verlegen. Bei mehr als 2 (90°) Biegungen wählt man an den zugänglichen Stellen eine offene Verlegung. Konkret: Vor den Biegungen enden die Leerrohre und bitte Zugdrähte nicht vergessen.

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  • Das geht leider nicht, da hier zwei 90 Grad Winkel sind. Und die sind genau dort, wo es im Boden verlegt wird, und dann verputzt. Das wird im Boden um einen Kamin rum verlegt. Da bekomme ich im Nachhinein nix reingezogen. Mir wäre ein gescheites Leerrohr mit Zugseilen auch lieber, aber ist halt nicht möglich.

    Hat jemand eine Empfehlung für einen 1000MBit Medienkonverter?

  • Der TP-Link MC220L wird gerne genommen, weil er günstig ist und tut, was er soll:

    TP-Link MC220L Gigabit-Ethernet-Medienkonverter (802.3ab, 802.3z, Hot-Swap, bis zu 0,55 Km für Multimode-Faser und 10 Km für Singlemode-Faser) schwarz metallic
    TP-Link MC220L Gigabit-Ethernet-Medienkonverter (802.3ab, 802.3z, Hot-Swap, bis zu 0,55 Km für Multimode-Faser und 10 Km für Singlemode-Faser) schwarz metallic
    amzn.to

    Dazu brauchst du jeweils ein SFP für deinen gewünschten optischen Übertragungsstandard.

  • Nur noch ein kleiner Hinweis: Vor vielen Jahren habe ich für das TV-Koaxkabel gewelltes flexibles Leerrohr (ohne Zugdraht!) mit etlichen Biegungen in Estrich verlegt. Später konnte ich ohne großen Aufwand die Kabel zu den Antennendosen einziehen, später dann auch (mit Zugdraht) ein LAN-Kabel zum TV Gerät. aber wie gesagt, Ferndiagnosen sind so eine Sache.

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  • Dazu brauchst du jeweils ein SFP für deinen gewünschten optischen Übertragungsstandard.

    Hmmm,.. Das ist alles so Neuland für mich.... Was für einen Übertragungsstandard kannst Du mir denn empfehlen? :/

    Und ist das mit einem Simplex-Patchkabel auch möglich? Oder ist hierfür Duplex zwingend notwendig?

    Einmal editiert, zuletzt von totto (17. Februar 2023 um 15:36)

  • Das kommt zunächst mal auf den Fasertyp an (Singlemode oder Multimode). Bei Singlemode hast du die Wahl zwischen Bidi-Standards und den klassischeren LAN-Standards. Die Bidi-Variante wird oft für FTTH in AON Topologie verwendet und braucht nur eine Faser. Das hat den Vorteil, dass man keine Fasern verwechseln kann. Der Standard ist 1000BASE-BX. Dafür braucht man an den Enden verschiedene Module: Das SFP muss jeweils die Wellenlänge empfangen, auf der das andere SFP sendet. Standard sind 1490nm und 1310nm. Der entsprechende LAN-Standard ist 1000BASE-LX. Dabei wird nur eine Wellenlänge verwendet und folglich braucht man zwei Fasern. Die SFPs für 1000BASE-BX sind nur unwesentlich teurer.

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  • Ja, ein TP-Link MC220L und dieses TL-SM321A-2 SFP für die eine Seite, ein TP-Link MC220L und das SFP Gegenstück für die andere Seite, nämlich ein TL-SM321B-2, bilden zusammen mit einem LC/UPC-LC/UPC Simplex Singlemode Glasfaserkabel eine komplette optische 1Gbps Übertragungsstrecke.

  • Schau mal unter fiber24.de. Dort findest du fertig konfektionierte Glasfaserkabel. Also Kabel mit Steckern auf beiden Seiten. Nimm ein Singlemode Kabel mit 12 Fasern und LC Steckern auf beiden Seiten. Damit bist du die nächsten Jahre gerüstet.

  • Bloß kein Kupferkabel zwischen 2 Häusern!

    Auch wenn die Kabel nicht getauscht werden können aufgrund von Biegeradien, am besten trotzdem die Fasern im Leerrohr verlegen. Die sind nicht geeignet verputzt zu werden.

    Und definitiv mehr Fasern verlegen als du brauchst. Das hilft dann wenn doch mal ein Stecker am Ende Kaputt geht.

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  • DIN18015 schreibt zwingend die Austauschbarkeit von ITK Verkabelung vor (gilt also für Telefon, LAN/GF als auch TV-Inet-Koax). Bitte bei Verlegung aussen auch an die UV-Festigkeit der verwendeten Materialien (Leerrohr, Kabel) denken. Sonst wird der Mantel des Kabel oder das Leerrohrmaterial brüchig und verwittert! Also entweder unterirdisch oder UV-fest. Und zwingend Glasfaser aufgrund der unterschiedlichen Erdpotentiale der beiden Gebäude. Ausgleichsströme über Kupferkabel können auch Brandschäden initiieren.

  • DIN18015 ist nicht strafbewehrt.

    Es wurde schon genannt, dass die Leitung komplett in Gebäuden verläuft.

    Ich empfehle nicht, elektrisches Ethernet zwischen verschiedenen Gebäuden zu verlegen, aber Panik ist auch nicht angebracht. Ethernet ist dafür konstruiert, Geräte mit verschiedenen Erdpotenzialen zu verbinden. Die Datenleitungen sind auf beiden Seiten durch kleine Transformatoren galvanisch von den Geräten getrennt. Der Standard verlangt eine Isolationsspannung von 1500V. Über die Datenleitungen fließen keine Ausgleichsströme. Es ist nur darauf zu achten, dass über die Abschirmung kein Potenzialausgleich stattfinden kann. Die sollte also nicht angeschlossen werden oder besser gar nicht vorhanden sein.