Top Zustandsbericht zum Desaster der Glasfaernetze in der EU

  • Bitter für den Standort Deutschland ist dessen Abschneiden im „European Telecom Health Index“, der erstmals Teil der Studie ist. Die größte Volkswirtschaft des Kontinents landet demnach beim Wohlergehen des Sektors nur auf dem 15. Platz von 20 untersuchten Ländern. Damit rangiert die Bundesrepublik im unteren Drittel, weit hinter digitalen Vorreitern wie Norwegen, Schweden oder Portugal. Deutschland erreicht lediglich 64 von 100 möglichen Punkten.

    Glasfaser erreicht in Deutschland inzwischen rund die Hälfte der Haushalte. Doch die Anschlussquote liegt gerade einmal bei knapp über 25 Prozent. Viele Kunden nutzen weiterhin die bestehende Altinfrastruktur, was Erträge aus den neuen Investitionen nur schleppend fließen lässt. Gleichzeitig wächst die Unzufriedenheit:
    In schlechter abschneidenden Märkten wie Deutschland äußern Kunden eine höhere Wechselbereitschaft und fordern häufiger bessere Servicequalität sowie stabilere Netze als in den Top-Nationen.

    Das deutsche Mimimi.

    Europas 174-Milliarden-Lücke: Müssen Privatinvestoren die Digitalnetze retten?
    Ohne massive Kapitalspritzen droht Europa laut Beratern der digitale Stillstand. Im „Telecom Health Index“ landet Deutschland nur auf Rang 15 von 20 Staaten.
    www.heise.de
  • Mimimi von wem genau? Von den Anbietern, dass die den Kunden keine minderwertige Leistungen zu überteuerten Preisen andrehen können? Und USA als Vorzeige zu nehmen ist auch gewagt. Man muss nicht lange suchen, um herauszufinden, wie beliebt Comcast und Konsorten sind.

  • Die Argumente der Wechselskeptiker lauten:

    1. Glasfasertarife sind - verglichen mit DSL-/Kabel-Tarifen - viel zu teuer.

    2. Der bisherige Anschluss funktioniert doch einwandfrei - warum also Technologie wechseln.

    3. Schnellere Geschwindigkeiten werden nicht benötigt.

    4. Der Tiefbau hat bei Nachbarn/Bekannten/wem_auch_immer eine Spur der Verwüstung hinterlassen.

    5. Ausfälle haben nach Umstellung auf Glasfaser (2021) zugenommen (ist bei uns im Ort tatsächlich so).

    In Teilen kann ich dies auch vollkommen nachvollziehen. Wer nicht viel im Internet unterwegs ist, benötigt sowas dann auch nicht. Auf der anderen Seite betreue ich technisch auch eine liebe Nachbarin (76 Jahre alt), die den Schritt Richtung Glasfaser gewagt hat und damit sehr zufrieden ist.

    Viele Grüße

    nordbaby

    DG giga 1000 (aktiv seit 26.04.2021)

  • Tipp: Jetzt kostenlos registrieren, mitmachen und das Forum ohne Werbebanner nutzen.
  • In schlechter abschneidenden Märkten wie Deutschland äußern Kunden eine höhere Wechselbereitschaft und fordern häufiger bessere Servicequalität sowie stabilere Netze als in den Top-Nationen.

    Und trotzdem sind 60% der DSL Kunden bei der Telekom... ich sehe mal wieder eine Auftragsarbeit ein Consulting-Firma die eine bestimmte Agenda pushen soll, meine Motivation mir dazu tiefere Informationen zu besorgen ist aeusserst gering, weil ich diese Gruetze satt habe... Andererseits macht es wenig Sinn darueber zu diskutieren wenn man es gar nicht gelesen hat.

    Was ich spannend finde ist, dass man bei uns sehen kann was passiert wenn man neo-liberale Privatisierung und individuelle Optimierung auf die Spitze treibt... Der Infrastrukturausbau soll privatwirtschaftlich erfolgen (weil das ja bei anderer Infrastruktur auch oft erfolgreich so gemacht wird diese den Kraeften des Marktes zu ueberlassen, mir faellt nur gerade kein erfolgreiches Beispiel ein) und privatwirtschaftliche Unternehmen rechnen mit spitzem Bleistift was sich rechnet und was sich aktuell nicht rechnet. Und die treffen jetzt auf Endkunden die ebenso mit spitzem Bleistift rechnen ob sich aktuell ein Vorvertrag oder ein Wechsel lohnt... In beiden Faellen wird krurzfristig optimiert und IMHO mittel- und langfristig hoehere Kosten in Kauf genommen (bzw. es wird gar nicht auf die lange Sicht geachtet und nur kurzfristig optimiert).

    Eigentlich kann ich da keiner Seite einen echten Vorwurf machen, beide verhalten sich so wie es unser Wirtschaftssystem erwartet und foerdert...

    Der Fehler liegt IMHO in der abstrusen Idee Infrastruktur zu privatisieren und deren Modernisierung dem "Markt" zu ueberlassen, was so wenig funktioniert, dass wir ja bereits ein Foerdersystem etablieren mussten dass 2-stellige Millardenbetraege festlegen musste um zumindest einen Teil des Marktversagens auszugleichen. Wir solllten statt dessen Bau und Wartung des Zugangsnetzes in staatliche Hand nehmen, dann liesse sich ein Wechsel von Kupfer auf Glas relativ leicht gesetzlich regeln. Weil wir aber aus den Zeiten der grauen Post wissen, dass das Netz damals ganz gut war, weniger aber die Dienstleistungen auf diesem Netz sollten wir auf dem staatlichen Zugangsnetz Betreiberwettbewerb organisieren... reguliertes Monopol wo sich natuerliche Mono- oder Duopole aufdraengen, Wettbewerb da wo er realistisch funktionieren kann.

    Einmal editiert, zuletzt von pufferueberlauf (20. Januar 2026 um 09:13)

  • In die von pufferueberlauf gehauene Kerbe hacke ich nun auch mal.

    Aus dem obigen heise Artikel:

    Zitat

    Gleichzeitig wächst die Unzufriedenheit: In schlechter abschneidenden Märkten wie Deutschland äußern Kunden eine höhere Wechselbereitschaft und fordern häufiger bessere Servicequalität sowie stabilere Netze als in den Top-Nationen.

    Aha, eine Steigerung der Kundenzufriedenheit (sprich: operative Exzellenz) ist in D angeraten. Nun, wie war das im Glasfaserausbau, es herrscht freier Wettbewerb, die Marktmächte können mit einer "Regulierung light" sich frei entfalten [2021;https://www.heise.de/news/Letzte-Me…er-6215570.html]. 4 Jahre später kamen die TK Unternehmen auf der Anga Com zu einem etwas anderen Ergebnis: Regulierung bloß nicht abbauen![2025;https://www.heise.de/news/Glasfaser…g-10424425.html].

    Es gibt eine Studie mit dem Titel "Die Wettbewerbsdynamik bei Funkturm- und Glasfaserinfrastrukturunternehmen" von WIK-Consult im Auftrag der BEREC aus dem Jahr 2023, die Kurzfassung ist hier zu erhalten: https://www.wik.org/veroeffentlich…kturunternehmen

    Ich zitiere einmal aus dieser Kurzfassung:

    Zitat

    Die Auswirkungen auf Investitionen durch FibreCos hängen stark davon ab, welche Rolle sie im Markt spielen und wie die Eigentümerstruktur ausgestaltet ist. Während investorengetriebene FibreCos oft ein Katalysator für den Glasfaserausbau sind, kann das Engagement von Incumbents in FibreCos (insbesondere durch Joint Ventures mit einem Investor oder Joint Ventures mit anderen Anbietern mit hohen Marktanteilen) die aggregierten Investitionen in den entsprechenden Regionen reduzieren.

    Das sehen wir ja gerade im konkreten Fall bei Deutsche Glasfaser [2025;https://www.boersen-zeitung.de/unternehmen-br…achrang-stellen]

    Eine Binsenweisheit aus der Studie ist dies:

    Zitat

    Neben überhöhten Zugangspreisen kann sich auch wettbewerblich negativ auswirken, wenn ausschließlich aktive Wholesale-Zugänge angeboten werden. Dies ist bei eigenwirtschaftlichen Netzausbauten zumeist der Fall.

    Ja, das kennen wir alle in den Netzen von Deutsche GigaNetz, Deutsche Glasfaser, UGG, DNS:Net,.. war es doch zunächst einmal so, dass keine Mitbewerver über das Glasfasernetz buchbar waren. Angesichts der engen Kapitaldecke der Unternehmen bricht dies glücklicherweise aktuell auf. Über Jahre hinweg war jedoch die Konkurrenz im eigenen Netz unerwünscht.

    Und nun das letzte Zitat:

    Zitat

    In Gebieten, in denen Infrastrukturwettbewerb ökonomisch möglich ist, kann das Engagement in Joint Ventures durch den Incumbent (oder mehrere andere größere Anbieter) das erreichbare Marktpotential für Wettbewerber so stark reduzieren, dass sich kein Infrastrukturwettbewerb entwickelt.

    Und da lasse ich die Axt im Stamm stecken.