Hat privater Glasfaserausbau eine Zukunft in DE?

  • Die absolute Mehrheit der Gigabit-Haushalte hat nicht etwa einen Glasfaseranschluss, sondern komplett eigenwirtschaftlich ausgebautes DOCSIS 3.1.

    Hat Jemand Gegenteiliges behauptet? Es geht aber nicht um den Ist-Zustand, sondern um die Zukunft.

    Über das mit dem "eigenwirtschaftlich" solltest Du allerdings nochmal genauer nachdenken. Der ganze Tiefbau für die Verlegung der Kabel wurde nicht von Vodafone durchgeführt, sondern staatlich gefördert von der Bundespost. Die Hochrüstung dann auf Rückkanalfähigkeit und DOCSIS war nur Austausch von Komponenten ohne großen Tiefbau und dagegen kein großer Aufwand.

    Und was die von eigenem Tiefbau hielten, habe ich selber erlebt, als wir gebaut haben und einen Anschluss an das Kabel vor dem Haus wollten: nichts.

    Ich wage zu behaupten, dass die Ankündigungen zum Glasfaserausbau durch Vodafone/OXG hauptsächlich dem Zweck dienen, solche Gebiete für Mitbewerber unattraktiv zu machen. So viel, wie sie hier angekündigt haben, können die in den nächsten 5 Jahren gar nicht ausbauen.

    Also sehen die den Ausbau durch andere Glasfaseranbieter sehr wohl als Konkurrenz, sonst würden die das nicht selber ankündigen.

    Die Monatsentgelte von DG & Co. werden ja auch mit "auskömmlicher Mittelausstattung" nicht etwa günstiger als die von Vodafone, sondern liegen beim Doppelten oder mehr.

    Vodafone ist auch nicht überall günstig, Vermutlich sind sie nur da günstig, wo es Konkurrenz durch Glasfaser gibt. Wo es das nicht gibt, sind die günstigen Werbeangebote auf einmal nicht verfügbar. Wird dann auf den NE4-Betreiber geschoben, durch den das nicht möglich wäre. Wer's glaubt, andere Tarifen (z.B. TV only) sind nämlich um kleinere Beträge "teurer".

    Praktisch gesehen wird ein 250-Mbit/s-DSL-Anschluss der Telekom mit der Glasfasermigration zum gleichen Preis 50 Mbit/s schneller und hat dann 300 Mbit/s. Dito mit bei 100 Mbit/s. Nichts da mit "Gigabit".

    Als Geschwindigkeit eines Anschlusses für Vergleiche rechne ich immer das Minimum aus Download und 2*Upload (Danke ans Heise-Forum für den Ansatz).

    Danach setze ich den Vodafone 1000/50 als 100er an und in dem Vergleich ist dann auch der Preis von - im Angebot - 45 im Rahmen.

    Für mich ist auch der Upload sehr wichtig, und da ist Vodafone mit seinem "Gigabit" völlig daneben.

    Wobei den Upload bei der "Gigabitförderung" auch niemanden interessiert. Sonst würden nur symmetrische Technologien gefördert. Mit 1000/1 bist du förderfähig.

    Warum vergleichst Du dann Vodafone Kabel 1000/50 mit Glasfaser 300/150? Ich kenne nicht einen Glasfaseranschluss mit einem so schlechten Verhältnis wie dem Vodafone-Anschluss, den Du als "absolute Mehrheit der Gigabit-Haushalte" bezeichnest. Für mich sind das keine mit Glasfaser vergleichbaren Gigabit-Anschlüsse.

    Für dich offensichtlich schon, dann darfst Du aber auch nicht die Förderung eines 1000/1 kritisieren.

  • Für dich offensichtlich schon, dann darfst Du aber auch nicht die Förderung eines 1000/1 kritisieren.

    Ausser dass das gar nicht gefoerdert werden darf:

    Zitat

    Die maßgeblichen Aufgreifschwellen für die Förderfähigkeit liegen künftig bei 300 Mbit/s im Download und mind. 150 Mbit/s im Upload. Nicht förderfähig sind Gebiete, in denen bereits zwei Netze vorhanden sind, die mind. 100 Mbit/s im Download zur Verfügung stellen oder voraussichtlich zur Verfügung stellen werden. Nicht förderfähig sind auch weiterhin Kabelgebiete, die mit mind. dem Standard Docsis 3.1 ausgestattet sind oder deren Aufrüstung auf Docsis 3.1 innerhalb von 12 Monaten ankündigt wird.

    So wie ich das sehe muss der Gefoerderte mindestens 300/150 oder bei einem 1000er mindestens 1000/150 versprechen... 1000/1 ist nicht foerderfaehig, und ich bezweifle dass es das jemals war...

  • Ausser dass das gar nicht gefoerdert werden darf:

    So wie ich das sehe muss der Gefoerderte mindestens 300/150 oder bei einem 1000er mindestens 1000/150 versprechen... 1000/1 ist nicht foerderfaehig, und ich bezweifle dass es das jemals war...

    Ist ja gut, ich wollte nur mit meiner Meinung dazu antworten. Kam ja nicht von mir ;)

    Aber damit entspricht auch ein 1000/50 nicht mehr den Anforderungen, wenn auch nicht gefördert werden darf.

  • Tipp: Jetzt kostenlos registrieren, mitmachen und das Forum ohne Werbebanner nutzen.
  • So wie ich das sehe muss der Gefoerderte mindestens 300/150 oder bei einem 1000er mindestens 1000/150 versprechen... 1000/1 ist nicht foerderfaehig, und ich bezweifle dass es das jemals war...

    Die Aufgreifschwelle legt fest unterhalb welcher Schwelle Adressen förderfähig sind.

    Die Mindestanforderung bei Ausschreibungen unter Verwendung von Bundesfördermitteln ist seit ein paar Jahren 1Gbit/s symmetrisch (Quelle).

    "5.3 Mit der Förderung nach Nummer 3.1 oder Nummer 3.2 dieser Richtlinie sind allen förderfähigen Adressen bzw. Endnutzer im Projektgebiet Bandbreiten von 1 Gbit/s symmetrisch zu Spitzenlastzeitbedingungen (Zielbandbreite) zu gewährleisten."

    Das war wohl auch ein Grund warum z.B. die Telekom ihren XGS-PON-Tarif mit 2 Gbit/s im Download und 1 Gbit/s im Upload ein paar Monate vor den restlichen neuen Glasfasertarifen vorgestellt hat: sie brauchte den Tarif um Mindestanforderungen im geförderten Ausbau erfüllen zu können.

  • Das war wohl auch ein Grund warum z.B. die Telekom ihren XGS-PON-Tarif mit 2 Gbit/s im Download und 1 Gbit/s im Upload ein paar Monate vor den restlichen neuen Glasfasertarifen vorgestellt hat: sie brauchte den Tarif um Mindestanforderungen im geförderten Ausbau erfüllen zu können.

    Das wusste ich noch garnicht und würde erklären warum man sonst so ein Schneckentempo damit hinlegt. Es zeigt aber auch das die Politik mit den Förderprogrammen mitgestalten kann/könnte.

  • Über das mit dem "eigenwirtschaftlich" solltest Du allerdings nochmal genauer nachdenken. Der ganze Tiefbau für die Verlegung der Kabel wurde nicht von Vodafone durchgeführt, sondern staatlich gefördert von der Bundespost.

    Auch auf die Gefahr das ich mich wiederhole, das stimmt so nicht.
    Die Bundespost wurde nie staatlich gefördert, d.h. es ist nie Steuergeld in den Ausbau von Kabelnetzen geflossen. Die Bundepost war zu der damaligen Zeit ein Monopolist und dadurch entsprechend Profitabel.

    Aber natürlich hast du mit deiner Aussage recht, das Vodafone mit dem Netz das mal durch die Bundepost gebaut wurde (und mittlerweile wohl auch komplett abgeschrieben ist) gutes Geld verdient.

    Ich finde es auch deshalb nicht fair einem GF Anbieter zu hohe Preise im Vergleich zu DSL oder Kabel vorzuwerfen. Alle GF Anbieter am Markt müssen ihre Infrastruktur neu bauen und das können sie nur mit entsprechenden Krediten bzw. Investoren (die ihr Geld irgendwann wieder haben wollen).

  • Tipp: Jetzt kostenlos registrieren, mitmachen und das Forum ohne Werbebanner nutzen.
  • Ich finde es auch deshalb nicht fair einem GF Anbieter zu hohe Preise im Vergleich zu DSL oder Kabel vorzuwerfen.

    Zweischneidiges Schwert...:

    Ja: zumindest Vodafone nutzt sein, im wesentlichem amortisiertes, Netz um mit dem immer wiederkehrenden Aktionspreis um die 40-50 EUR fuer 1000/50 die Mitbewerber unter Druck zu setzen*. Und die Diskussion zur strategischen Verwendung der Restlaufzeit der DSL Netze um Mitbewerber wirtschaftlich unter Druck zu setzen tobt ja auch momentan.

    Nein: die Telekom DSL Preise sind so reguliert, dass ein effizienter Mitbewerber die Telekom profitabel unterbieten kann und dabei wird IMHO zu Grunde gelegt was man heute fuer ein solches Kupfernetz investieren muesste. D.h. eigentlich sollten (wenn die Regulierung tatsaechlich ihre Ziele erreicht) FTTH Anbieter zumindest mit aehnlich teuren Preisen we die Telekom arbeiten koennen. (Und bis zur letzten Preisanpassung der Telekom kam das auch leidlich hin).

    Die Beschwerden ob der hohen Preise klingen fuer mich immer ein bisschen hohl, wenn man bedenkt wie wenig preissensibel der grosse Teil der Kunden ist der immer noch DSL von der Telekom bezieht. (Es gibt sicher gute Gruende einen bestimmten ISP, wie die Telekom, zu waehlen, selbst wenn er nicht das billigste Angebot macht, aber ich bin nicht ueberzeugt, dass die Entscheidung beim aktuellen ISP zu bleiben bei den meisten Kunden weder bewusst gemacht noch datengetrieben ist.)


    *) Ich vermute die Idee war den Mitbewerbern auch Kunden abzujagen, aber das scheint wenn man sich die Aenderung der Breitbandinternetkundenzahlen bei VF anschaut eher nicht funktioniert. Was eher passiert sein duerfte ist dass VF-Bestanskunden mit Gusto zum schnelleren und billigeren Tarif wechselten...

  • Das wusste ich noch garnicht und würde erklären warum man sonst so ein Schneckentempo damit hinlegt. Es zeigt aber auch das die Politik mit den Förderprogrammen mitgestalten kann/könnte.

    Ist zugegebenermaßen eine Vermutung von mir. Aber zumindest setzt die Telekom XGS-PON nicht nur in Pilotgebieten wie in Berlin und Gunzenhausen ein, sondern laut eigener Aussage auch in einigen Fördergebieten. Oder sogar "vor allem" in Fördergebieten:

    "Teilweise setzen wir auch XGS-PON ein, vor allem in geförderten Gebieten."

    Ich schätze dass letzteres daran liegt dass dies Fördergebiete sind in denen bereits die aktuellsten Anforderungen gelten, also insbesondere mindestens 1 Gbit/s im Upload.

  • Tipp: Jetzt kostenlos registrieren, mitmachen und das Forum ohne Werbebanner nutzen.