Mehrfamilienhaus - Architektur

  • Ich habe ein älteres 7-Parteien Haus (Ulm) das ich strukturell auf einen Glasfaseranschluss vorbereiten will der voraussichtlich in ein paar Jahren kommt.

    Leerrohre gibt es vom Keller in die Wohnungen, allerdings sind diese mit Coax-Kabel belegt. Weiterer Leerrohre sind nicht vorhanden. In der Wohnung gibt es einen Anschlußraum / Abstellkammer wo alle Kabel zusammenlaufen. Also die klassichen alten 2-Draht Telefonkabel, die Gegensprechanlage, das Leerrohr mit dem Coax-Kabel. Von dort geht es je nach Sanierungsstatus in die einzelnen Zimmer mit Coax oder teilweise auch CAT7-Kabeln (wenn die Wohnung in den letzten Jahren renoviert wurde).

    Prinzipiell gibt es sicherlich die klassische Variante einzelne Glasfasern in die Wohnungen zu legen und dort hat jede Partei dann seinen separaten Anschluß.
    Frage #1: Ersetzt der Glasfaserstrang dann das Coax-Kabel? Das würde ja bedeuten es sollte Konverter geben um die Informationen vom Glasfaser-Kabel dann auf das Coax-Kabel das in der Wohnung liegt

    Die Alternative die ich sehe wäre ein zentraler Router und Switch mit VLAN im Keller der dann separate unabhängige Netzwerke in jede Wohnung aufspannt. Hierzu habe ich zwar im Internet ge-googelt bin aber nicht fündig geworden ob das möglich ist. Sei es technisch oder aber rechtlich (der Glasfaserbetreiber hätte dann ja nur eine Anschlußgebühr anstelle von max 7 Stück).

    Frage #2 ist ob sich hier jemand auskennt und mir Infos geben kann. Telefonanschlüsse sind dabei auch ein Thema das sicherlich eine extra Betrachtung verdient.
    Sollten es dann CAT-Kabel oder Glasfaserkabel vom zentralen Punkt zu den Wohnungen sein?

    Die Architektur finde ich insgesamt schöner. Es hat zudem den Vorteil das z.B. Erweiterungen wie der Netzwerk-Anschluß einer Wallbox in einer Garage, eine Kamera im Hauseingangsbereich (sollte es jemals von den Mietern gefordert werden) genauso wie die Gegensprechanlage mit Video damit einfach integriert werden können.

    Frage #3 ist dann eher banal. Ich führe in zwei der Wohnungen demnächst Arbeiten aus. Jetzt könnte ich heute natürlich das Geld in die Hand nehmen und das Treppenhaus aufreisen lassen und direkt in alle Wohnungen Leerrohre zu legen. Oder aber ich warte bis der Glasfaseranschluss konkret wird. Was meint Ihr? Irgend wann werde ich das Geld wohl in die Hand nehmen müssen.
    Leerrohre für Glasfaser oder CAT oder sogar beides (warum)?

    Danke

    Faulenzer

  • Ich habe ein älteres 7-Parteien Haus (Ulm) das ich strukturell auf einen Glasfaseranschluss vorbereiten will der voraussichtlich in ein paar Jahren kommt.

    Dann ist die Zielsetzung schon klar. In jeder Wohnung soll ein Glasfaserkabel enden.

    Ich gehe auch davon aus, das die Wohnungen vermietet werden. Dementsprechend würde ich die bestehende Infrastruktur zur Versorgung der Wohnungen grundsätzlich nicht anfassen, sondern die Leitungswege für das Glasfaserkabel zusätzlich schaffen.

    Frage #3 ist dann eher banal. Ich führe in zwei der Wohnungen demnächst Arbeiten aus. Jetzt könnte ich heute natürlich das Geld in die Hand nehmen und das Treppenhaus aufreisen lassen und direkt in alle Wohnungen Leerrohre zu legen. Oder aber ich warte bis der Glasfaseranschluss konkret wird. Was meint Ihr? Irgend wann werde ich das Geld wohl in die Hand nehmen müssen.
    Leerrohre für Glasfaser oder CAT oder sogar beides (warum)?

    Das Treppenhaus gilt in Mehrparteienwohnungen als Fluchtweg und dort greifen die länderspezifischen Brandschutzvorschriften. Also bleibt dir da nur die Unterputzverlegung von Kabelkanälen/Leerrohren durch das Treppenhaus zur Anführung an die einzelnen Wohnungen. Aufputzverlegung ist nicht statthaft, es sei denn es wird die Feuerwiderstandsklasse F90 erreicht. Ein Verkabelung außerhalb der Wohnung mit CAT 7 oder 8 Kabel macht in meinen Augen in einem Mietobjekt keinen Sinn.

    Das verlegte Koaxkabel ist für SAT oder Kabelfernsehen? Falls das letztere der Fall ist, kannst Du ja Kontakt mit dem Anbieter aufnehmen und dein Vorhaben erläutern. Evtl. bieten sich da ganz interessante Möglichkeiten in Bezug auf Glasfaseranschlüsse. Oder Du fragst bei der Telekom oder hier an. Wenn ein TK Anbieter den Ausbau bei dir durchführt, dann ist das ab Dezember mit 5€/Monat für 5 bis max. 9 Jahre pro Wohnung auf die Miete umlagefähig. (TKModG § 72 Glasfaserbereitstellungsentgelt)

  • Die DG hat als anforderungen für leerohre:"LeerrohrVoraussetzungen:–PVC-Rohr oder Stangenrohr, ø mind. 10mm (innen), z.B. M16–Glatte Innenseiten ohne Riffelung –Minimaler Biegeradius: 60mm–Keine Rohrbögen –Vor und nach einer Ecke kann das Glasfaserkabel „frei“ verlegt werde

    Also möglichst so ein Leerohr in Jede Wohnung bei Renovierung (Brandschutz beachten) und du solltest für alle Anbieter gewappnet sein. Nachträglicher Ausbau in die Wohnung kann sich jetzt durch die Umlage auf die Mieter lohnen, ich denke, dass die Anbieter sich da aber auch erst drauf einstellen müssen.

    Je nach Situation hab ich schon mitbekommen dass das Legen der Faser bis in die Wohnung entweder Kostenfrei war oder viel Geld kosten sollte.

    In einem Mehrfamilienhaus, das mir bekannt ist, wird jetzt z.b. auch nur die vorhandene CAT6 Verkabelung genutzt. Der Glasfaseranschluss kommt da nur in den Keller. Es hat sich aber auch nur eine Partei von 6 für den Anschluss enschieden. Vorhandenes CAT Kabel in die Wohnungen kann übergangsweise schon sinn machen, da es bis max 10Gigabit ausreichen sollte.

    Zukunftssicherer natürlich Faser bis in die Wohnung.

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    • Offizieller Beitrag

    Es gibt mittlerweile auch brandschutzkonforme Speedpipe Systeme, die deutlich kompakter als die Einfamilienhausbauweise der DG sind, z.B. von Gabocom: https://www.gabocom.de/speedpipe-im-haus/speedpipe-indoor/

    Die Deutsche Glasfaser ist auch durchaus bereit, solche Systeme zu nutzen, wie man in der Leistungsbeschreibung sehen kann:

    Zitat

    Mikrorohrsysteme sind so zu verlegen, dass jeder Wohneinheit ein eigenes Röhrchen zugewiesen wird, welches auf den Etagen so zu verbinden ist, dass eine durchgehende Verbindung von der Wohnung bis zum Hausübergabepunkt entsteht.

    Es gibt Betreiber, die ein herkömmliches Kabelfernsehsignal über die Glasfaser transportieren und als elektrischen Kabelanschluss auskoppeln (CATV). Die Deutsche Glasfaser hat das in ihrer Anfangszeit z.B. so gemacht. Teilweise wird sogar der Internetanschluss als DOCSIS über Glasfaser realisiert. Aber der Trend geht weg von solchen Versuchen, die herkömmliche Technik auf Glasfaser hinüberzuretten. Die Deutsche Glasfaser bietet inzwischen nur noch IPTV an und es gibt zahlreiche "over the top" Fernsehanbieter, die ihre Dienste über das Internet bereitstellen. Die Koaxialkabel werden damit auf längere Sicht überflüssig. Bis dahin sind sie aber noch eine Möglichkeit, einen günstigen Internetanschluss zu realisieren. Konkurrenz ist wichtig.

    Zu der Frage, ob es sinnvoll ist, Cat-Kabel von den Wohnungen in den Keller zu legen: Einen gemeinschaftlichen Anschluss wird kaum ein Netzbetreiber akzeptieren. Mindestens wäre dafür ein Geschäftskundentarif nötig und die rechtlichen Anforderungen an den dann frischgebackenen Miniprovider/Anschlussnehmer sind enorm. Für eine vernünftige Lösung muss die Verkabelung auf jeden Fall ermöglichen, dass für jede Wohnung ein separater Anschluss gebucht und mit der Technik des Betreibers in der Wohnung terminiert werden kann. Das setzt im Zweifelsfall mindestens eine Glasfaser bis in die Wohnung voraus. Andere Lösungen wie ein ONT je Wohnung im Keller mit einem Cat-Kabel bis in die Wohnung sind u.U. auch möglich, schränken aber die Auswahl bei der Anschlusstechnik ein.

  • Danke schon mal für die Rückmeldungen.
    Zu den konkreten Rückfragen: Ja, das Coax-Kabel wird für Sat/Internet genutzt.

    Soweit ich verstehe (und befürchtet habe) ist der Glasfaser-Leitung bis in jede Wohnung sinnvoll/notwendig.
    Wie realisiert man in diesem Zusammenhang aber sinnvoll das ich in Absprache eines Mieters (also worst case der im 3 OG) ein paar Infrastruktur-Geräte ins Internat über seinen Account laufen lasse. Diese Infrastruktur hat zwingend einen Sternverteilung im Keller, also auch dort wo das Glasfaser von der Straße kommt.
    Konkret z.B. die liebe Heizung. So ich es verstehe wollen die Heizungshersteller/Monteure zwischenzeitlich einen Remote-Zugriff auf die Heizung. Und auch eine Wallbox sollte eine LAN-Verbindung haben. Ich bin nämlich absolut kein Freund von WLAN.

    Ich brauche also in meinen Augen noch eine Möglichkeit wie ich von den Wohnungen in den Keller zurück komme und dort auf ein Patchfeld...


    Physikalisch damit wohl zwingend per CAT-Kabel oder aber mit weiteren Glasfaser-Verbindung....

    Und die aktuelle bzw. konkrete Fragestellung da ich im Moment noch ohne die ganzen Erweiterungen leben kann aber arbeiten in zwei Wohnungen anstehen (aber nicht im Hausflur). Macht es prinzipiell Sinn im Vorfeld Leerrohre zu setzen oder wartet man bis es die Glasfaser tatsächlich kommen (was in Neu-Ulm sicherlich noch mind 3 Jahre dauert).

  • Zu den konkreten Rückfragen: Ja, das Coax-Kabel wird für Sat/Internet genutzt.

    Damit scheidet die Einbeziehung eines Kabelfernsehanbieters in die Modernisierung schon einmal aus. Wäre ein Versuch gewesen.

    Wie realisiert man in diesem Zusammenhang aber sinnvoll das ich in Absprache eines Mieters (also worst case der im 3 OG) ein paar Infrastruktur-Geräte ins Internat über seinen Account laufen lasse.

    Gar nicht. Es gibt nur das Rechtsverhältnis zwischen Betreiber und Teilnehmer. Wenn dein Mieter der Teilnehmer ist, herrscht er alleinig über die Nutzung des Anschlusses. Fällst Du bei ihm in Ungnade, weil die Nebenkostenabrechnung nicht korrekt ist, kappt er dir den Zugang. Und das völlig zu Recht. Die AGBs der Betreiber sehen eine Nutzung wie von dir vorgesehen, bestenfalls für einen Businesstarif vor. Da ist das Preisniveau allerdings ein ganz anderes...

    Macht es prinzipiell Sinn im Vorfeld Leerrohre zu setzen

    Wenn sich die Frage auf den Ausbau innerhalb einer Wohnung bezieht, dann lautet meine Antwort ja. Vorzugsweise 25mm Wellrohr und 2 Dosen pro Raum. Aktuell reicht CAT7a völlig aus. Damit hat man die Flexibilität in einigen Jahren problemlos Glasfaser nachträglich einziehen zu können, falls Fiber-To-The-Desk (FTTD) konkret wird und mit CAT7a sind 10Gbit/s problemlos innerhalb der Wohnung möglich.

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  • Nachtrag: Falls Du die Mitnutzung des Anschlusses aus Kostengründen erwägst, solltest Du davon Abstand nehmen. Allerdings spricht gar nichts dagegen einen separaten Vertrag für einen Internetzugang abzuschließen, der ausschließlich für die Gebäudeüberwachung und -Steuerung verwendet wird. Dieser ist als Bestandteil der Betriebskosten auf die Mieter umlegbar. So wird es auch bei dem Aufzug bzw. dessen Notruf gemacht. Der Anschluss, mittlerweile VoIP oder Mobilfunk, ist voll umlagefähig.