Unitymedia/Vodafone oder bn:t

  • Hallo zusammen,

    da ich keine Verkaufsgespräche mehr führen will, sondern nur objektive Meinungen und fundiertes Wissen benötige, frage ich mal hier :)

    Ausgangssituation. Bin an sich zufriedener Unitymedia/Vodafone Kunde. Vor gut zehn Jahren habe ich mir, für knapp 1000€, "Kabel" ins Haus legen lassen, habe inzwischen laut Vertrag 400mbit und liege im Schnitt immer ein wenig drüber.

    Nun flatterte ein Flyer von bn:t ins Haus, demnach das Glasfasernetz hier ausgebaut werden soll, sofern genug Leute mitmachen (40% der Dörfer). Der Anschluss (bis ins Haus) soll 299€ kosten plus 99€ Anschlussgebühr. Anschließende Vetragsbindung, die wohl üblichen 24 Monate.

    Und jetzt meine Fragen:

    1) Kann ich die alte, hausinterne Verkabelung komplett übernehmen? (kommt aktuell im Keller an, hängt dort an einem Verstärker, verläuft etliche Meter durch den Keller, landet dann im Erdgeschoss wo dann auch ein 2-fach Splitter für die beiden Fernseher dran hängt.)

    2) Kann ich meine alten Receiver für die Fernseher übernehmen? (wird ja vermutlich nur ein neuer mitgeliefert)

    3) Macht das Ganze überhaupt Sinn?

    Ich dachte zwar erst "Yeah Glasfaser", aber von den Tarifen her, gibt sich das aktuell nichts, so dass ich die 400 € bei einem Wechsel aktuell auch gar nicht wieder reinbekommen würde, sofern ich meine Leitung nicht downgraden will. Außerdem glaube ich ja auch inzwischen gelernt zu haben, dass ich aktuell per Kupfer an Glasfaser hänge und das Hauptproblem "shared Medium" wäre, das bei mir aber wohl nicht wirklich negativ in Erscheinung tritt. Habe in der Regel meine volle Bandbreite zur Verfügung.

    Schon mal danke!

    LG

  • Hallo Hoschi,

    echte Glasfaser bis ins Haus ist wirklich eine feine Sache. Auf lange Sicht ist dies die einzige zukunftsfähige Technologie. Dennoch werden uns kupferbasierte Anschlüsse und Mischformen noch eine ganze Weile begleiten.

    Vodafone / Unitymedia vermarkten Kabelanschlüsse als Glasfaser-Anschlüsse. Die Glasfaser endet jedoch bereits im Verteilerkasten. Der Weg vom Verteilerkasten bis in die Häuser ist kupferbasiert (TV-Kabel).

    Auch die Telekom vermarktet ihre Vectoring-Anschlüsse teilweise mit dem Begriff "Glasfaser". Doch auch bei diesen Anschlüssen endet die Glasfaser bereits vor dem Haus.

    Das TV-Kabel ist von einer höheren Qualität als das alte Zweidraht-Telefonkabel. Daher kann Vodafone / Unitymedia (Stand heute) durchaus leistungsstarke Internetanschlüsse anbieten. Den Unterschied zu einem echten Glasfaser-Anschluss erkennt man jedoch beim Upload. Auch mit der neusten Docsis-Technologie sind Kabelanschlüsse meilenweit von den mit Glasfaser möglichen Upstream-Raten entfernt.

    Stand heute wird an Glasfaser-Anschlüssen meist eine Bandbreite von bis zu 1 Gbit/s (annährend synchron) angeboten. Aus technischer Sicht sind deutlich höhere Bandbreiten (10 Gbit/s und mehr) möglich. Im Privatbereich werden derartige Bandbreiten heute noch nicht benötigt. Dennoch ist der Anschluss, im Gegensatz zu einem Kabel-Anschluss, dazu in der Lage. Ein Glasfaser-Anschluss ist also auch eine Investition in die Zukunft.

    Zu deinen Fragen (ohne die genauen Details zu kennen):

    Zu 1.) Die hausinterne Coaxial-Verkabelung ist für einen Glasfaser-Anschluss nicht geeignet.

    Zu 2.) Natürlich kannst du auch mit Glasfaser-Anschluss weiterhin über das TV-Kabel fernsehn schauen. Wenn Du stattdessen den Glasfaser-Anschluss nutzen möchtest, wird dir dein Provider eigene Receiver zur Verfügung stellen.

    Zu 3.) Aus meiner persönlichen Überzeugung: Ein Glasfaser-Anschluss macht fast immer Sinn, wenn man über Wohneigentum verfügt. Selbst wenn man den Anschluss (noch) nicht nutzen möchte, wertet er die Immobilie auf. Künftige Generationen werden für die Möglichkeit eines schnellen Anschlusses dankbar sein. Die Beauftragung eines Nachanschlusses (nach Ende des Ausbaus) ist zu dem deutlich teurer.

    Schöne Grüße,

    Lars

  • Wow, vielen Dank schon mal! Muss aber doch nochmal nachfragen. Dass das Koax-Kabel, das ich vom Keller bis zum Büro verlegt habe, wo dann auch der Router steht, ein anderes sein muss, leuchtet mir ein. Schließlich soll die Bandbreite ja an meinem Rechner ankommen und nicht nur an der Kellerwand. Kommt denn an die TV Receiver auch kein Koax? Ich frage deshalb so blöd, weil ich das Kabel damals sehr spektakulär verlegt habe und es eine Mordsarbeit wäre das alles nochmal zu machen... Also quasi vom Büro aus, in zwei unterschiedliche Richtungen durch die Wände, unterm Laminat entlang und unter Fußleisten um mehrere Ecken, wo es eigentlich gar nicht durchpassen durfte... Das sind dann wahrscheinlich normale Ethernet Kabel auch für TV?

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  • Für TV gibt es verschiedene Möglichkeite, manche Anbieter setzten im Keller wieder auf das Koaxialkabel um andere arbeiten mit Settopboxen für IP TV die über W-Lan oder Ethernet angeschlossen werden . Wenn die vorhandene Koaxverkabelung zur Datenübertragung genutzt werden soll gibt es auch Konverter für Koax auf Rj45.

    • Offizieller Beitrag

    Da ein konkreter Betreiber genannt wurde: "bn:t" setzt auf IPTV. Es wird pro Fernseher eine Set-Top-Box benötigt. Vom Netzbetreiber kann man so viele "TechniStar K4 ISIO" kaufen oder mieten, wie man braucht. Die werden idealerweise per Netzwerkkabel mit dem Internetanschluss verbunden. Es gibt als Zubehör auch einen WLAN-Adapter, aber dann muss das WLAN zuverlässig funktionieren, wenn man keinen gestörten Fernsehempfang will.

    Unter den beschriebenen Umständen empfehle ich nicht, den Glasfaseranschluss zu bestellen, es sei denn man betrachtet das als Investition für die Zukunft, weil sich damit die Versorgungslage des Ortes verbessert. Praktisch wird die Umstellung zu viel kosten und zu viel Arbeit machen, als dass man damit jetzt glücklich würde. Zur Klarheit: ICH würde den Anschluss bestellen, aber ich kann und würde auch selbst ein Netzwerk im Haus installieren.

  • Oh sorry, nicht mitbekommen, dass es noch weitere Antworten gab. Vielen Dank dafür! Ja, ich werde es wohl auch sein lassen. Ich hätte es langfristig wohl auch einfach angenehmer gefunden, tarifmäßig flexibler zu sein, wenn ich nicht auf Vodafone angewiesen wäre. Aktuell würde ich aber mittelfristig nichts sparen und ich bin wohl noch unter den Top Ten der Haushalte mit der dicksten Leitung hier. Leg ich die 400 € halt an und bezahl im Zweifel in zehn Jahren davon 1400€ (+ Inflation) für einen nicht subventionierten Anschluss. Oder ich überspringe eine Technologie und mein Sohn baut eines Tages einen Funkmast aufs Haus, verlegt Teppichinternet oder hat ein Router Modul Implantat...

    Ich habe die Tage aber auch mit b:nt telefoniert. Da war man noch bei 15% Vorbestellungen von den benötigten 40%. Frist ist Ende Juli, also hat sich das vermutlich ohnehin erledigt.

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    • Offizieller Beitrag

    Aktuell würde ich aber mittelfristig nichts sparen und ich bin wohl noch unter den Top Ten der Haushalte mit der dicksten Leitung hier. Leg ich die 400 € halt an und bezahl im Zweifel in zehn Jahren davon 1400€ (+ Inflation) für einen nicht subventionierten Anschluss.

    Wenn das die Schlussfolgerung aus meinem Kommentar ist, ziehe ich den zurück. Erstens: Wenn ein Glasfaseranschluss nur dann bestellt wird, wenn man dadurch spart, dann wird es wohl nie eine flächendeckende Glasfaserversorgung geben. Das ist eine unrealistische Anspruchshaltung. Natürlich kostet ein solcher Ausbau Geld, das auch wieder eingenommen werden muss. Die bestehenden Netze haben diese Kosten nicht und können schlechtere Leistung billiger anbieten. Zweitens: Natürlich kann man die gesparten Investitionskosten anlegen und hoffen, damit später einen Anschluss zu bezahlen. Aber niemand garantiert, dass ein solcher Anschluss zu einem vertretbaren Preis verfügbar sein wird. Man kann zwar überall in Deutschland FTTH bekommen, aber teilweise muss man dann "Geld spielt keine Rolle" sagen und es auch meinen.