FTTH und FTTB, die zweite, wie ich sehe

  • Hallo, bin ganz neu hier und platze mit Fragen rein. In unserer Region baut die "unsere grüne Glasfaser" das Netz mit O2 aus.


    Wir sind eine Eigentümergemeinschaft mit 4 Wohneinheiten, die nach meiner Einschätzung sowohl mit FTTB als auch mit FTTH ausgestattet werden können (Technikertermin steht aus).


    Wir haben einen zentralen Anschluss, der vielleicht 12, max. 15m bis zu den am weitesten entfernten Wohnungen liegt. Wenn also bei FTTB ein gemeinsamer Lichtleiter dort hineingelegt würde, wäre es von der Leistung her äquivalent zu FTTH, würde man dann individuell mit Glasfaser verlängern? Was könnte so eine Verlängerung dann kosten bzw. wo könnte ich mich darüber schlau machen?

    Der Anschluss von außen soll ohne Vertrag 640€ kosten. Im Moment interessiert es mich nicht, viel schneller zu werden, aber ich möchte einen gescheiten Anschluss ins Inventar aufnehmen.


    Bin gespannt!

  • Wenn also bei FTTB ein gemeinsamer Lichtleiter dort hineingelegt würde, wäre es von der Leistung her äquivalent zu FTTH, würde man dann individuell mit Glasfaser verlängern?

    Bei vielen Netzbetreibern ist es üblich ist es das eine mehrfaserige Glasfaserleitung pro Gebäude oder Hausnummer vorgesehen ist und in einem Hausanschlussraum oder Kellerraum in einem Übergabekasten an der Wand (APL) endet.

    In dem Kasten befinden sich Glasfaser-Steckverbindungen an die ein Techniker wahlweise direkt ein Glasfasermodem/Medienkonverter oder z.B. abgehende Glasfaserkabel (zu den einzelnen Wohnungen) einstecken bzw. spleißen kann.

    Es gibt auch Provider die eine Glasfaser-Anschlussdose (Gf-TA) bis in die jeweilige Wohnung legen.


    Ob man jetzt die Leitung direkt mit Glasfaser bis in die Wohnung verlängert, oder ob man per CAT7a-Leitung (Kupfer) die letzten Meter überbrückt, hat bei den heute Verfügbaren Bandreiten keinen Einfluss auf die Geschwindigkeit. Denn auch CAT7a kann auf 100m Leitungslänge noch 10Gbps übertragen. (Bei 50m sogar 40GBps)

    Was könnte so eine Verlängerung dann kosten bzw. wo könnte ich mich darüber schlau machen?

    Die Kosten variieren in der Regel nach Aufwand der betrieben werden muss um die Leitungen in die einzelnen Wohnungen zu legen. Ist z.B. vom Hausanschlussraum schon Infrastruktur bis in die Wohnungen vorhanden (z.B. Leerrohre, CAT7-, Coax-Kabel, etc.) kann das die Kosten senken.

    Es gibt auch Betreiber die diese Kosten als Pauschale mit einkalkulieren. Konkretes wird dir nur der Provider sagen können.


    Mal angenoommen der Netzbetreiber bietet nur FTTB (bis in Keller/HA-Raum) an, oder aber FTTH ist mit zu hohen Kosten verbunden. so das die einzelnen Wohnungseigentümer die Verlegung der Leitungen zu den Wohungen selbst bezahlen müssten. Dann würde ich einen Elektriker beauftragen der Leerrohre/Kabelkanäle mit passenden Glasfaserpachkabeln oder alternativ CAT7a-Leitungen verlegt.


    Abstand nehmen sollte man von Krücken wie dLAN/Powerline (LAN über Steckdose) und WLAN, da diese übertragungsarten nicht frei von Störeinflüssen sind und so die Geschwindigkeit stark beeinflussen.

  • Wir haben einen zentralen Anschluss, der vielleicht 12, max. 15m bis zu den am weitesten entfernten Wohnungen liegt. Wenn also bei FTTB ein gemeinsamer Lichtleiter dort hineingelegt würde, wäre es von der Leistung her äquivalent zu FTTH, würde man dann individuell mit Glasfaser verlängern?

    Der Vertrag, der mit einem TK-Unternehmen wie UGG, DG, u.v.a. abgeschlossen wird, sind Teilnehmerverträge, also direkte Verträge mit dem Endkunden und nicht mit einem WEG-Verwalter. Wie sollte so etwas auch abgerechnet werden, da dies nicht in der Teilungserklärung geregelt ist?


    Bei großen Wohnungsgesellschaften die hunderte von Wohnungen in der Verwaltung haben, gibt es solche Verträge häufig im Bereich des Kabelfernsehens. Dort sind die Kosten fester Bestandteil der Nebenkostenabrechnung. Allerdings sind die Tage dieser Verträge mit dem neuen Telekommunikationsgesetz (TKG), welches im Dezember in Kraft tritt, gezählt und laufen nach einer Übergangsfrist ersatzlos aus.


    Ich gehe davon aus, das im konkreten Fall UGG kein FTTB, sondern FTTH ausbaut. Nach dem aktuell gültigen WEG kann ein Eigentümer einen FTTH Anschluss verlangen (allerdings auf eigene Kosten). Die Gemeinschaft kann und darf dem nicht widersprechen. Von daher würde ich in eurer 4er Gemeinschaft nichts anderes als FTTH vorsehen.

    Professionelle FTTB Lösungen, wie z.B. von Keymile, sind für deutlich größere WEGs als die eure ausgelegt.


    WLAN und dLAN/Powerline würde ich in eurem Falle nicht ins Auge fassen, sondern einen FTTH-Ausbau.

  • Hallo sn0,


    danke für die Ausführungen!

    Grundsätzlich wären alle Wohnungen über das Erdreich erreichbar, daher sollte FTTH denkbar sein, wenn das Kiesbett von 40..50cm nicht stört.

    Aus Deiner Antwort lese ich, dass FTTH schon sinnvoller wäre.


    Vielen Dank!

  • Der Vertrag, der mit einem TK-Unternehmen wie UGG, DG, u.v.a. abgeschlossen wird, sind Teilnehmerverträge, also direkte Verträge mit dem Endkunden und nicht mit einem WEG-Verwalter. Wie sollte so etwas auch abgerechnet werden, da dies nicht in der Teilungserklärung geregelt ist?

    Ok, danke auch für diese Info! Der Vertreter schloss den gemeinsamen Anschluss nicht aus. Vielleicht verstand er es auch als Anschluss des Kellers mit Weiterführung in die Wohnungen.

    Andererseits: die Abrechnung des Anschlusses sollte kein Problem sein: ein Verwalter hat normalerweise die Vollmacht über die gemeinsamen Konten für Instandhaltung und Nebenkosten. Öl und Müllabfuhr werden gemeinsam berechnet und dann wieder individuell aufgeschlüsselt.

  • Andererseits: die Abrechnung des Anschlusses sollte kein Problem sein: ein Verwalter hat normalerweise die Vollmacht über die gemeinsamen Konten für Instandhaltung und Nebenkosten. Öl und Müllabfuhr werden gemeinsam berechnet und dann wieder individuell aufgeschlüsselt.

    Bei FTTB in eurer WEG: Üblicherweise über Eigentumsanteile, sobald unterschiedliche Wohnungsgrößen vorhanden sind, gelangt man in Erklärungsnot, warum bei dem einen der Anschluss teurer ist, als bei dem anderen. Die juristische Erklärung: bei dem letztgenannten ist die Wohnung größer und damit die Eigentumsanteile höher, dementsprechend auch die Kostenbeteiligung. Führt aber in diesem Forum alles zu weit. Wichtig ist der Inhalt der Teilungserklärung.

  • Grundsätzlich wären alle Wohnungen über das Erdreich erreichbar, daher sollte FTTH denkbar sein, wenn das Kiesbett von 40..50cm nicht stört.

    Ich möchte da noch ergänzen. Wie schon bekannt, werden üblicherweise mehrere Fasern in Mehrfamilienhäuser eingeführt. In einer Spleißbox, HÜP (Hausübergabepunkt) genannt, in einem zentralen Technikraum wird das Faserbündel aufgetrennt und bei FTTH aus dieser Plastikbox für jede Wohnung eine Faser herausgeführt. Vom HÜP geht es dann auf den (O)NT, das erste Gerät, welches in der Kette Strom benötigt und bereits einem konkreten Teilnehmer zugeordnet ist. Vor allem bei Neuausbau ist gesetzlich vorgeschrieben, das eine Anschlussdose verwendet werden muss, an die der (O)NT oder ein Glasfasermodem/router angeschlossen wird. Hier die Begrifflichkeiten und mögliche Geräteausstattung. Ist zwar auf DG gemünzt, jedoch sieht es bei allen Anbietern vergleichbar aus.

  • Ok, damit

    Bei FTTB in eurer WEG: Üblicherweise über Eigentumsanteile, sobald unterschiedliche Wohnungsgrößen vorhanden sind, gelangt man in Erklärungsnot, warum bei dem einen der Anschluss teurer ist, als bei dem anderen. Die juristische Erklärung: bei dem letztgenannten ist die Wohnung größer und damit die Eigentumsanteile höher, dementsprechend auch die Kostenbeteiligung. Führt aber in diesem Forum alles zu weit. Wichtig ist der Inhalt der Teilungserklärung.

    In einer Eigentümerversammlung kann gelegentlich auch der gesunde Menschenverstand die Oberhand gewinnen und man teilt sich die Kosten auf, wenn kein Korinthenkacker dabei ist.


    Im anderen Thread zitiertest Du auch:

    "Ich besitze ein Mehrfamilienhaus. Wie werden dort die einzelnen Wohnungen an Glasfaser angeschlossen? Verursacht das zusätzliche Kosten?

    In einem Mehrfamilienhaus wird das Glasfaserkabel wie in einem Einfamilienhaus unterirdisch zum Haus verlegt. Dort wird für jede Wohnung, die angeschlossen werden soll, ein Glasfaser Anschluss installiert. Der Eigentümer ist für das Verlegen der Netzwerkes im Haus verantwortlich. Sofern Leerrohre vorhanden sind, stehen 20 Meter für die Verkabelung im Rahmen der Installation zur Verfügung."


    Also zahlt der Eigentümer nur FTTB und FTTH ist beliebig oft automatisch bis 20m drin oder zahlt er für jede Wohnung bis 20m?!
    Zahlte er einfach, wäre das gemessen an den vorab genannten individuellen Teilnehmerverträgen etwas unfair.

  • Von UGG und auch von O2 sind technische Daten zu dem Glasfaseranschluss schwierig oder gar nicht zu finden. Da mag man mich gerne eines besseren belehren. Ich kann keine Schnittstellenbeschreibung finden (§ 41c TKG). Von daher ist das Wording nachvollziehbar unscharf, leider.


    FTTB Ausbau kann ich bei UGG/O2 ebenfalls nicht finden, lediglich FTTH. Da ist es ganz einfach: Wer einen Anschluss in der Wohnung haben möchte, bekommt es gebaut, stark vereinfacht ausgedrückt. Bei Mitbewerbern ist es üblich, das von dem HÜP bis zum Installationsort des Gf-TA/(O)NT 20m Glasfaserkabel dabei sind. Die Wegführung des Kabels ist nach Vorgabe des Anbieters durch den jeweiligen Teilnehmer durchzuführen (manchmal gibt es die Möglichkeit das ebenfalls durch den Anbieter bauen zu lassen).


    In Kurzform:

    1 Teilnehmer/1 Vertrag = 1 HÜP + 20 m Kabel + 1 Gf-TA/(O)NT

    2 Teilnehmer/2 Verträge = 1 HÜP + 2 x 20 m Kabel + 2 x Gf-TA/(O)NT

    3 Teilnehmer/3 Verträge = 1 HÜP + 3 x 20 m Kabel + 3 x Gf-TA/(O)NT

    usw.

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    Mehr Infos gibt es in diesem Thread
  • Im Falle der Deutschen Glasfaser wird der Anschluss für alle Wohneinheiten eines Mehrfamilienhauses "vorbereitet", wenn ein Teilnehmer einen Anschluss bestellt. Vorbereitet heißt, dass genug Fasern bis zum HÜP im Hausanschlussraum oder Keller gelegt werden. Die restlichen Arbeiten für die Verbindungen vom HÜP bis in die Wohneinheiten werden nur für die bestellten Anschlüsse durchgeführt. Für die zunächst nicht bestellten Anschlüsse werden die dann mit späteren Anschlussbestellungen erledigt und bezahlt.


    Wie dein Anbieter das handhabt, kann anders sein. In der Regel ist es günstiger, wenn man einen Tarif bucht und den Anschluss damit bekommt, als sich den Anschluss kostenpflichtig nur vorbereiten zu lassen. Es kostet fast das selbe, aber man braucht dann ja noch einen anderen Internetanschluss, der auch bezahlt werden muss. Aber wenn niemand jetzt einen Glasfaseranschluss nutzen will, dann ist auch das bei einigen Netzbetreibern möglich und macht die Kosten leichter unter den Nutznießern aufteilbar.


    Mit FTTB ist übrigens nicht gemeint, dass die Glasfaser als Vorbereitung für FTTH zunächst nur in den Keller gelegt wird. FTTB meint, dass dann der Rest der Strecke nicht Glasfaser ist, sondern i.d.R. vom Provider über eine Kupferleitung realisiert wird. Du kannst dir FTTB zwar auch selbst machen, indem du dann z.B. ab dem Keller elektrisches Ethernet verwendest, aber für den Provider ist das FTTH, weil seine Verantwortlichkeit am Glasfaseranschluss endet. Wenn der Provider FTTB anbietet, dann betreibt er auch den Kupferabschnitt, z.B. mit einem vom Provider installierten DSLAM oder Koaxialkonverter. Sowas wollt ihr als neue Installation sicher nicht haben.

  • Da fällt mir aber noch was ein: wenn jetzt einer einen Vertrag abschließt, wird ein HÜP installiert, klar.


    Aber kann dann auch wirklich keiner im Nachhinein günstiger Hardware an- und einen Vertrag abschließen, wenn er die Installation kennt?


    Ich meine, ich habe schon eine Antwort auf eine Frage nach "FTTH oder FTTB und dann mit Glasfaser weiter" o.ä. erhalten, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es installationstechnisch viel teurer wird.

  • Das handhaben die Provider unterschiedlich, und auch ein und der selbe Provider kann das in verschiedenen Vermarktungsphasen anders machen. Bei einem jungen Provider wie "Unsere Grüne Glasfaser" gibt es noch keine Erfahrungswerte, ob für Anschlüsse außerhalb der Vorvermarktung tatsächlich Baukosten anfallen und ob die vom realen Aufwand abhängen. Andere Provider drohen zwar an, dass spätere Anschlüsse nicht mehr kostenlos sind, damit sich möglichst viele Kunden in der Vorvermarktung für einen Anschluss entscheiden, aber auch danach gibt es oft noch Angebote mit Inklusivanschluss.


    Man sollte sich nicht auf den Standpunkt stellen, dass man mit dem "Pionieranschluss" den anderen einen günstigeren Anschluss ermöglicht. Entweder man will den Anschluss selbst nutzen, dann bezahlt man den Tarif, oder man will ihn nicht nutzen, dann teilt man sich den vorbereiteten Anschluss ohne Tarif. Der installierte HÜP ist aber schon deshalb hilfreich, weil damit der Tiefbau erledigt ist, der sonst das größte Hindernis für einen zeitnahen Anschluss ist.

  • Ja, man will eben nicht als der Dumme dastehen. Beste Situation: mindestens einer schließt den o2-Vertrag ab und sobald andere Betreiber auf das Netz zugreifen können und andere Angebote möglich sind, wird ab HÜP so weiteragiert.

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