Passiver Netzabschluss - Verkabelung

  • Hallo zusammen,


    da unsere Gemeinde von der Deutschen Glasfaser ausgebaut wird, würde ich gerne in Erfahrung bringen, ob jemand von euch auf einen passiven Netzabschluss nach TKG §45d bestanden hat.


    Bei meiner Anfrage zum passiven Netzabschluss bekam ich als erstes eine Absage am Telefon und ich sollte mich doch bitte per E-Mail an die DG wenden. Nach einigen E-Mails bekam ich die Antwort, dass bei Errichtung eines passiven Netzabschlusses der Support entfällt und keine vertraglichen Änderung mehr möglich sind.


    Welche Erfahrungen habt ihr bzgl. des passiven Netzabschlusses sammeln können?

    Kann die DG bei einem passiven Netzabschluss die vertraglichen Kondition zum Nachteil für den Kunden auslegen?


    Wenn der ONT entfällt, kann ich doch mit einem entsprechenden SFP Transceiver (1000BASE-BX10-U) die Glasfaser direkt an einen Switch/Glasfaserrouter anschließen oder?

    z.B.:

    HÜP => Switch => Router

    oder

    HÜP => Glasfaserrouter

  • Bei der Helinet werden meines Wissens nur aktive Glasfaseranschlüsse verlegt. Mir ist noch nicht ganz klar, welche Vorteile du dir mit dem passiven Glasfaseranschluss versprichst. Soweit ich weiß, ist bei einem passiven Anschluss auch oft ein ONT zur Datenfilterung dabei, damit man deinen Anschluss wohl nach wie vor zuordnen kann. Bin da jetzt aber selbst nicht firm drin und kann dir da leider keine konkreten Antworten liefern. Vielleicht weiß ja wer anders mehr.

  • Die DG verwendet seit letztem Jahr GPON. Mit dem 1000BASE-BX10-U SFP wird es in einem neu angeschlossenen Ort also schon mal nicht funktionieren. Es müsste jetzt ein GPON-ONT SFP sein. Da dieses grundsätzlich vom Provider provisioniert werden muss, kann man da auch nicht irgendeines nehmen und einfach anschließen. Auch wenn das TKG dem Kunden das Recht auf einen passiven Netzabschluss gibt, rate ich klar davon ab, dieses Recht in diesem Fall einzufordern. Die DG verwendet keinen Zwangsrouter. Der von der Deutschen Glasfaser installierte NT ist letztendlich auch nur ein GPON-ONT, nur eben nicht als SFP, sondern als separates Gerät mit 1000BASE-T Schnittstelle. Ein eigener Wandler hat keine Vorteile. Der NT von der DG braucht nicht nennenswert mehr Strom als ein SFP Modul und ist für den Kunden kostenlos (GPON-ONT-SFPs sind nicht billig).

  • @alfalfa


    Könntest du bitte erklären, wie du zu dieser Aussage kommst?
    Ich lese in der Schnittstellenbeschreibung nichts davon. Dort ist nach wie vor von 1000BASEBX10-U als optische Schnittstelle die Rede.

  • Könntest du bitte erklären, wie du zu dieser Aussage kommst?

    In bisherigen Ausbaugebieten war es 1000BASE-BX10, also steht das auch noch in der Schnittstellenbeschreibung. In der "Schnittstellenbeschreibung 2.0" steht GPON aber etwas versteckt im zweiten Abschnitt. Dort ist von "2.488Gb/s line rate downstream, 1.244Gb/s line rate upstream" die Rede. Das ist GPON, nicht 1000BASE-BX10-U. Außerdem habe ich den Wandler hier an der Wand hängen: Es ist ein Alcatel-Lucent G-010G-P.

  • Wenn das so stimmt ist das was die als "Schnittstellenbeschreibung 2.0" online gestellt haben ja wohl eine Zumutung.

    Nicht nur, dass unter 1. keinerlei Änderungen gemacht wurden und dort weiterhin 1000BASEBX10-U steht, was dann ja falsch wäre, sondern auch dass man unter 2. den eigentlichen Standard aus der Bandbreitenangabe selber herauslesen soll?


    Außerdem wie kommt man auf die gloreiche Idee, dass nachdem der Gesetzgeber bereits einen passiven Netzabschluss verpflichtend gemacht hat, beim Netzabschluss von p2p auf ein shared medium zu wechseln, und sein Netz damit anfällig gegenüber Fremdeinwirkung macht?


    Ich mein die Kabelnetzbetreiber haben dieses Problem aufgrund ihres bereits vorhandenen Mediums. Hier ist es hausgemacht. Also sorry, hier hat das Management der DG in meinen Augen vollständig versagt.

  • Mach mal halblang. GPON ist weltweit viel häufiger im Einsatz als 1000BASE-BX10. Es ist halt billiger, besonders wenn die Kunden noch eher niedrige Geschwindigkeiten im Bereich von ein paar hundert Mbit/s buchen. Das Netz der Deutschen Glasfaser wird trotzdem in Point-to-Point Topologie gebaut.


    1000BASE-BX10 in der Schnittstellenbeschreibung ist nicht falsch. Die Deutsche Glasfaser rüstet alte Anschlüsse nicht um, und die Schnittstellenbeschreibung gilt ja nicht nur für neue Anschlüsse. Ich stimme dir zu, dass man klarer darstellen könnte und sollte, dass mehrere Standards im Einsatz sind und welche das wo sind.


    Außerdem geht es hier eigentlich um den passiven Netzabschluss. Den kann man bei der DG bekommen, weil das TKG die DG zur Bereitstellung verpflichtet, aber man sollte den Anschluss besser so nehmen, wie die DG ihn normalerweise bereitstellt. Das hat keine Nachteile gegenüber einem passiven Abschluss, es ist günstiger für den Anschlussnehmer und man bekommt klare Zuständigkeiten.

  • Doch es ist definitiv falsch. Unter 1. beschreibt man die Schnittstelle am HÜP, und wenn sich dort nichts ändert, kann man als Leser wohl annehmen, dass wohl ein anderer Transceiver eingesetzt wird aber die Schnittstelle ansonsten gleich bleibt. Dies entspricht aber nicht dem was tatsächlich deployed wird nähmlich entweder 1000BASE-BX10 oder GPON. Außerdem ist die 1. Schnittstellenbeschreibung ja auch noch online.


    Und doch es hat was mit dem passiven Netzabschluss zu tun; denn wenn Kunden ihre eigene (möglichweise inkompatible) Hardware an ein shared medium (GPON) anschließen, kann es bei anderen Kunden zu Problemen kommen. Daher wäre bei GPON in der Tat besser die ONT wird von DG betrieben. Dies entspricht dann aber widerrum nicht einem Passiven Netzabschluss.


    Und das mit keine Nachteile will ich so auch nicht stehen lassen, der passive Netzabschluss ist m.M. nach ein Vorteil an sich, da man alle aktiven Komponenten selber unter Kontrolle hat. Und dies sieht der Gesetzgeber ja wohl offenslichtlich genauso.

  • Wenn du der Meinung bist, dass ein Netzabschluss durch einen von der DG bereitgestellten ONT einen Nachteil gegenüber einem passiven Abschluss hat, dann lass mal hören, was das sein soll. Fundamentalopposition kann ich nicht ausstehen.

  • Hi Leute und willkommen im Forum Nappy


    Hier darf keine eifrig weiter diskutiert werden, aber bitte bleibt immer freundlich zueinander, auch wenn die Meinung des anderen vielleicht nicht gerade passt. Einen respektvollen Umgang miteinander wird jedem hier gut tun und erhält die Freude an diesem Board.

    Beste Grüße

    • Ich hab keine Kontrolle über alle aktive Komponenten in meinem Netzwerk und kannt somit Remote-Zugriff auf die Hardware die bei mir läuft nicht ausschließen
    • Ich habe keine Kontrolle über meinen eigenen Stromverbrauch (es geht nicht um die absoluten Zahlen sondern um das Prinzip). Ich bin für meinen Stromverbrauch verantwortlich und nicht der Provider.
    • Ich möchte meine Netzwerk-Hardware gerne ordentlich in ein 19" Rack einbauen und nicht irgendwo an die Wand schrauben
    • Ich möchte die Anzahl der Netzteile reduzieren
    • Ich hab keine Kontrolle über alle aktive Komponenten in meinem Netzwerk und kannt somit Remote-Zugriff auf die Hardware die bei mir läuft nicht ausschließen
    • Ich habe keine Kontrolle über meinen eigenen Stromverbrauch (es geht nicht um die absoluten Zahlen sondern um das Prinzip). Ich bin für meinen Stromverbrauch verantwortlich und nicht der Provider.
    • Ich möchte meine Netzwerk-Hardware gerne ordentlich in ein 19" Rack einbauen und nicht irgendwo an die Wand schrauben
    • Ich möchte die Anzahl der Netzteile reduzieren

    Zum ersten Punkt: Der Netzbetreiber hat genau den gleichen Zugriff auf die WAN-Schnittstelle deines Routers als würdest du deinen eigenen Netzabschluss verwenden. Was von draußen reinkommt, kannst du auch mit einem eigenen ONT nur durch den Router filtern lassen.


    Zum zweiten: Praktisch ist es so, dass der Stromverbrauch auch anfällt, wenn du deinen eigenen Wandler einsetzt. Der von der DG installierte NT ist ein sehr minimalistisches Gerät.


    Zum dritten: der HÜP wird sowieso an die Wand geschraubt. Der ist größer als der NT. Aber von mir aus kannst du dir den NT auch in einen Rackeinschub legen.


    Zum vierten: Der NT hat einen sehr üblichen Stromanschluss. Den kannst du auch über einen POE Splitter anschließen, wenn dir das lieber ist als das kleine effiziente Schaltnetzteil.


    Für mich klingt das alles sehr weit hergeholt. Tatsächlich sagst du in Punkt 2 sogar, es geht dir ums Prinzip. Diesen im wesentlichen haltlosen "Gründen" für einen passiven Abschluss stehen als Nachteile deutlich höhere Kosten und unklare Zuständigkeiten gegenüber. Die DG hat mit der Trennung von Router und NT die für die Kunden einfachste und günstigste Lösung zum Standard gemacht. Ich kann nur nochmal empfehlen, das so zu nehmen und nicht "aus Prinzip" auf eine kompliziertere, teurere und kein bisschen bessere Konstruktion zu bestehen.


    Wenn es hier um einen Zwangsrouter ginge, der dann vielleicht noch für den Netzbetreiber öffentliche WLANs aufspannt oder ähnliches, würde ich dir sofort zustimmen. Der NT ist damit aber überhaupt nicht vergleichbar. Der wandelt nur zwischen Glasfaser und Ethernet.

    1. Du hast schon Recht, dass am WAN Port ja eh meine Firewall läuft und ich
      somit ab dort die Kontrolle über alles habe. Ich bezog mich im Grunde eher auf den Remote-Zugriff auf das Modem selber. Ist zugegebenermaßen aber auch eher ein prinzipielles Argument.
    2. Wie gesagt es geht um die Kontrolle, dass in beiden Fällen Strom verbraucht wird ist klar.
    3. In meinem konkreten Fall (Mehrfamilienhaus) Ist mir die Wand-Montage des HÜP relativ egal, da das im Hausanschlussraum genau wie der APL der Telekom an die Wand montiert wird. Der NT befindet sich dann aber im Sondereigentum des jeweiligen Mieters, und dementsprechend ist es mir dort nicht mehr egal. Ein Rackeinschub mit einem "Plastemodem" mag für einige sicherlich akzeptabel sein, allerdings ist das aus meiner Sicht aber eher Pfusch.
    4. Wenn das Gerät PoE unterstützt wäre das erfreulich, geht aus der Schnittstellenbeschreibung aber leider auch nicht hervor.


    Ich finde halt mit einem Passiven Netzabschluss hat man die Zwangsrouter Problematik gesetzlich sauber gelöst, da man ansonsten immer das Problem hat, dass die Provider beliebig viel aktive Compute-Kapazität in Ihr Modem einbauen können.


    DG arbeitet aktiv gegen den Passiven Netzabschluss indem sie:

    1. In ihren Nutzungsbedingungen den Austausch des NT als "unzulässig" beschreiben und nur auf Nachfrage die vom gesetzgeber vorgesehene Leistung bereitstellen.
    2. Durch ihre Umstellung von P2P auf P2MP ein Passiver Netzabschluss unattraktiver bzw. Fehleranfälliger wird.
    3. Fehler- bzw. Lückenhafte Schnittstellenbeschreibungen bereitstellt

    Ich denke dies sind legitime Vorwürfe, zu denen sich die DG mal öffentlich äußern sollte.


    Edit: Ein weiteres Argument ist, dass durch den passiven Netzabschluss der Provider gezwungen ist bereits auf der untersten Netzwerkzebene Standards einzusetzen. Ich bin prinzipell für Standards, daher finde ich eine solche Regelung richtig und wichtig. ;)

  • Wenn das Gerät PoE unterstützt wäre das erfreulich, geht aus der Schnittstellenbeschreibung aber leider auch nicht hervor.

    Tut es nicht. Ich sagte, du kannst das über einen POE-Splitter anschließen. Die Anschlusswerte sind einzuhalten.


    Ich denke, dass die DG zu sehr damit beschäftigt ist, echte Glasfaseranschlüsse zu bauen, als sich über eine Problematik aufzuhalten, die vom Routerzwang ausgelöst wurde, den es bei der DG nicht gibt. Man kann sich da aus Prinzip querstellen oder akzeptieren, dass es für Glasfasernetzbetreiber schwierig ist, einen kundenfreundlichen passiven Netzabschluss bereitzustellen, weil fast allen Kunden die nötigen Kenntnisse fehlen, um einen passiven Netzabschluss fachgerecht zu nutzen. Schon alleine die Gefahr von Verschmutzungen und Beschädigungen der Stirnfläche der Single-Mode-Faser durch falsche Kabel und falsche Handhabung rechtfertigt ein nachgeschaltetes Gerät. Kaum ein Kunde hat die nötigen Werkzeuge, um Fehler dieser Art selbst festzustellen und zu beseitigen. Den Technikereinsatz müsste der Kunde bezahlen. Die DG hat mit einem minimalistischen Abschlussgerät, das sich auf die Medienkonvertierung beschränkt, die beste Lösung gewählt. Auch wenn das TKG prinzipiell das Recht auf eine andere Lösung gibt, ist die noch lange nicht vorzuziehen. Wer die vernünftige Schnittstellenwahl ablehnt und auf einen passiven Abschluss besteht, schießt sich meines Erachtens selbst in den Fuß und wird diese Entscheidung beim ersten Problem mit dem Anschluss bereuen.


    Die Prinzipiendiskussion kann gerne jemand anders führen. Meine Empfehlung gebe ich auf der Basis praktischer Erwägungen.

  • Es ging (mir) in diesem Thread niemals darum irgendjemandem einen Passiven Netzabschluss zu empfehlen. Ich würde auf Grundlage von dem was du in die Diskussion eingebracht hast, nämlich dass GPON deployed wird, auch nicht tun. Ich empöre mich primär darüber, dass ich diese Information erst durch dieses Forum hier bekomme, und dies nicht aus der Schnittstellenbeschreibung ersichtlich ist.


    Anders als du würde ich allerdings Nutzern die aktiv nach einen passiven Netzabschluss fragen auch nicht davon abhalten, denn diese Nutzer sogen am Ende dafür, dass auch der Normal-User eine Leistung auf Basis offener Standards bekommt und finde die "Prinzipiendiskussion" wichtig.


    Wenn ich richtig informiert bin wird der Glasfaserausbau auch staatlich gefördert. Daher sehe ich auch die Provider in der Pflicht, staatliche Vorgaben zu erfüllen. Einige Punkte die aktuell gegen einen Passiven Netzabschluss sprechen liegen auch an der Umsetzung und dort macht sich die DG leider angreifbar.


    Ich danke auf jedenfall trotzdem für die Diskussion und die Aufklärung bzgl. GPON.

  • Du pochst wiederholt auf "offene Standards". Weder GPON noch Ethernet sind proprietär. Du kannst den Router frei wählen und bekommst einen Anschluss mit einer Schnittstelle zum Router, die einfacher und weiter verbreitet ist als jeder Standard für passive Kupferanschlüsse. Das ist ehrlich gesagt näher an der Idee der klaren Netzschnittstelle, als wenn du den Netzbetreiber für die Provisionierung auf deinen ONT lässt. Man muss nicht verlangen, was einem das Gesetz zu verlangen erlaubt, wenn es die schlechtere Lösung ist.

  • Mein Punkt ist, dass wenn der Provider nicht verpflichtet ist einen passiven er Netzabschluss bereitzustellen er auch irgendein proprietäres Modem einsetzen könnte, nicht dass er es tut. Denn zum Glück ist dieses Gesetz ja in Kraft, auch wenn es nicht bei jedem Kunden so umgesetzt wird.


    Die Ethernet-Schnittstelle hinter dem ONT, der das Signal bereits "terminiert" der DG hier jetzt mit einer passiven DSL Schnittstelle zu vergleichen halte ich nicht für zielführend. Das ist nen Äpfel-Birnen Vergleich.

    Außerdem möchte ich dich darauf aufmerksam machen, dass das die Schnittstelle ist, auf denen nach meinen Informationen aus div. Foren alle Pakete mit einer dem Kunden nicht mitgeteilten VLAN-ID getaggt sind.


    Und sorry zur Provisionierung eines eigenen ONT bin ich nicht im Bilde, dazu hab ich wohl noch nicht lange genug per Email Bittsteller bei der DG gespielt. Die wollen auch keine Informationen die über ihre Schnittstellenbeschreibung hinaus geht rausrücken...

  • Also wenn dir das so wichtig ist, dann solltest du das selbst für deinen Anschluss einfordern und nicht andere vorschicken, die das ausprobieren sollen. Wie macht das eigentlich die Telekom? Die baut ja auch stellenweise FTTH und da ist auch normalerweise ein GPON-ONT der Netzabschluss. Auch die Telekom erlaubt prinzipiell einen passiven Netzabschluss, weil das TKG das nun mal so vorschreibt. Auch bei der Telekom ist das kein Standardablauf. Man liest auch keine Berichte, wo das jemand in Anspruch genommen hätte, nur ein wenig Hörensagen, dass es wohl gehen soll. Vielleicht weil es echt keinen Vorteil und einen Haufen Nachteile bringt?


    Auf dem Ethernet zwischen dem NT von der DG und dem Router des Kunden sind die Pakete übrigens normalerweise nicht getaggt. Die Telekom verwendet an der Stelle ein VLAN.