Warum laufen Nachfragebündelungen so schleppend?

  • Glasfaseranschlüsse baut man nicht punktuell. Das wäre viel zu teuer. ...... "Brauche ich nicht" war schon immer das Argument dagegen. Daran wird sich nichts ändern. Aus den betroffenen Orten kommt dann später die Forderung nach Förderung, weil man sich nicht eingestehen will, dass man sich selbst abgehängt hat.

    Man könnte nun einfach schlussfolgern, für die geringe Weitsicht oder Risikobereitschaft vieler Bürger muss der Staat einspringen. Glasfaserausbau flächendeckend als ein Netz und hinterher werden die Kapazitäten unter Anbieter marktwirtschaftlich verteilt.

    Ich schaue mal weit zurück: ^^

    Als unsere Vorfahren ihr Wasser noch vom Brunnen geholt haben, warum sollten die irgendwann eine Trinkwasserleitung bauen? Waschmaschinen und Geschirrspüler gab es noch nicht und der Rest funktionierte seit Jahrunderten tadellos.

    Hat man für die Wenigen, die sich die Wasserleitung leisten wollten eine Nachfragebündelung gemacht? 8o Hat man mehrere Netze parallel gebaut, die doppelte Aufwendungen verbrauchen? 8o Für beides Nein. Es gab Vorschriften für Trinkwasser und Abwasser um das System wirtschaftlich zu betreiben. ^^

    Um nun wieder in die Gegenwart zu kommen: ich glaube in den baltischen Ländern wurde Glasfaser flächendeckend ausgebaut und dann marktwirtschaftlich betrieben.

    Einmal editiert, zuletzt von glas (18. September 2022 um 09:49)

  • Gerade mit den Wasserleitungen ist das ein sehr hakeliger Vergleich... Nicht die Bequemlichkeit war der Grund hierfür, sondern der Gesundheitsschutz. Pest und Cholera waren/sind Krankheiten, die durch Hygienemängel verursacht werden und Millionen Menschen dahingerafft haben.

    In unseren modernen Zeiten hat man das erkannt und gerade dem Trinkwasser einen übergeordneten Schutz zugesprochen. Schau dir bei Gelegenheit die ersten Sätze der DIN 2000 an, besser kann man das gar nicht ausdrücken.

    Mit dem Glasfaserausbau kann man das gar nicht vergleichen.

  • HubeBube

    Hygiene war damals unbestritten der Hauptgrund, wurde aber sicher auch nicht von allen so gesehen.

    Zeitgemäße Versorgungsnetze sind heute aber kein Ausdruck von Bequemlichkeit. Parallele Investitionen in gleichen Stadtteilen nur mit Wettbewerb zu begründen, Leitungen zu überbauen, ist nur Materialverschwendung auf Kosten des Endkunden. In anderen Ländern ist das marktwirtschaftlich auch anders möglich.

    Wie sieht es denn in Deutschland aus? Dort wo man ausgebaut hat, muss man irgendwann nochmal mit einem Förderprogramm durch. Alles dauert viel länger und wird teuer. Der Kunde zahlt und die hochgelobte Wettbewerbsfähigkeit verschiebt sich technologisch immer weiter nach hinten. Dann schimpfen wir wieder auf ausländische Unternehmen, die IT Monopolstellungen haben, ohne deren Produkte unsere Wirtschaft aber nicht mehr funktionieren würde.

    3 Mal editiert, zuletzt von glas (18. September 2022 um 16:23)

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  • Das sind alles keine neuen Erkenntnisse für ein Land voller Bedenkenträger.

    Wer den Glasfaserzug an seinem Bahnhof einfahren sieht, der muss auch ein Ticket lösen um mitfahren zu dürfen. Wer das nicht macht, benötigt entweder Zeit (DSL) oder viel Geld (LTE). Im ungünstigsten Falle beides.

    Die BNetzA arbeitet gerade an einem Katalog der Mindestbandbreiten im Mobilfunk. Da wird mancher aufwachen, welche Abschläge es zu den Betreiberangaben gibt. In der Stadt darf die Mobilfunkbandbreite bis auf 15% und auf dem Land bis auf 5% der Providerangabe absinken, ohne das der Kunde Regressansprüche geltend machen kann.

    Selbst in dem drittreichsten Landkreis der Republik sieht es für einen privatwirtschaftlichen Ausbau nicht gut aus:

    Schnelles Internet: Auch Kronberg braucht Glasfaser
    Kronberg und Bad Vilbel haben es gut. Hier soll ein schnelles Glasfasernetz für alle gebaut werden. Doch das Interesse ist in der Taunusstadt bisher gering.…
    www.faz.net

    Nun bin ich auch jemand, der die Art wie die Bundespost privatisiert wurde suboptimal findet. Die Infrastruktur gehört meiner Meinung in staatliche und die Dienste darauf in private Hand. Da ist der Zug jedoch bereits abgefahren...

  • Um nun wieder in die Gegenwart zu kommen: ich glaube in den baltischen Ländern wurde Glasfaser flächendeckend ausgebaut und dann marktwirtschaftlich betrieben.

    Kein Land in der EU hat flächendeckend Glasfaser. Die FTTP (also FTTH + FTTB) Abdeckung in den drei baltischen Staaten (LV, LT, EE) lag Mitte 2021 zwischen knapp 90% (Lettland, LV) und gut 70% (Estland, EE). Speziell im ländlichen Raum zwischen gut 70% und 20% (wieder Lettland und Estland). Quelle: aktuelle EU Statistik, Abbildung22