Und gerade hier liegt der größte Blödsinn der Förderung.
Die Daten, welche Objekte/Liegenschaften gefördert werden "dürfen" stammt aus der Zeit von vor 2020.
Nein, am Anfang eines Förderverfahrens steht eine Markterkundung bei der die jeweils aktuelle Versorgung des fraglichen Gebiets herangezogen wird, und abgefragt wird ob Anbieter für die nächsten drei Jahre konkrete Ausbaupläne zusagen. Für die aktuelle Versorgung ist der jeweils aktuelle Stand des Breitbandatlases maßgeblich, bei dem die Anbieter ihre Versorgung angeben müssen.
Problem bei den Förderprogrammen ist dass die sich oft lange hinziehen. Die von Dir genannten Beispiele ergeben sich aus einer Ausschreibung des Landkreises Havelland. Dafür lief die Markterkundung 2016/2017. Das war also der Stand der Zugrunde gelegt wurde. Aus den sich daraus ergebenden förderfähigen Adressen hat der Landkreis gut 3000 ausgeschrieben, die Telekom hat dann den Zuschlag für ein Los mit 1414 Adressen bekommen. Für diese 1414 Adressen hat die Telekom die vertragliche Verpflichtung einen FTTH-Ausbau durchzuführen, nur dann bekommt sie ihr Geld.
Dass da auch ein paar Einzeladressen in Brieselang dabei sind die mittlerweile von einem anderen Anbieter versorgt werden ist für die Telekom jetzt auch nicht von Vorteil: sie hat den Aufwand den sie vertragsgemäß durchführen muss und möglicherweise Null Ertrag. Von daher ist der Begriff "Rosinenpicken" hier etwas seltsam: wenn Adressen die im Rahmen einer Förderung vergeben wurden zwischenzeitlich von anderen ausgebaut werden ist das für den Auftragnehmer immer ein Nachteil: er muss den Ausbau durchführen, hat aber - vermutlich - weniger Ertrag als kalkuliert.
Ich wollte im übrigen auch nicht sagen dass die Förderverfahren rundherum gut und effizient funktionieren. Das ist nicht der Fall. Es ist vermutlich auch kein Zufall dass praktisch die gesamte Branche (Telekom wie Telekom-Konkurrenten) gegen die erhebliche Ausweitung der Fördermöglichkeiten letztes Jahr war. Im Grunde eine kuriose Situation: eine Branche wehrt sich gegen Fördergelder. Ebene weil die Verfahren schwerfällig und bürokratisch sind.
Aber der Punkt bleibt trotzdem: gerade die besonders ländlichen und aufwendig zu versorgenden Adressen (die deswegen auch meist "weiße Flecken" waren und seit langem förderfähig) befinden sich in verschiedenen Stadien in der Ausbaupipeline des geförderten Ausbaus. Auch bei den >1400 Adressen, die die Telekom im Rahmen der Förderung des Landkreises Haveland ausbaut dürfte ein großer Teil eine sinnvolle Förderung sein.