Neuanschluss Mehrfamilienhaus mit 5 WE mit vorhandener sternförmiger TP-Verkabelung

  • Unser Ort wird aktuell durch Deutsche Glasfaser erschlossen. Es geht konkret um 5 Eigentumswohnungen, Neubau, rund 7 Jahre alt. Es ist kein Leerrohr bzw. Kabelkanal vom Technikraum zu den Wohnungen vorhanden, alles mit Fußbodenheizung. Eine vorhandene TP-Verkabelung (5-DA) mit jeweils maximal 30 Meter bis zu den üblichen Telefondose ist vorhanden.


    Kann der aktuelle NT (Network-Terminator) direkt am Ausgang den Standart G-fast in aktueller Version bis 212 Mhz bedienen? Auf der Teilnehmer-Wohnungsseite käme jeweils eine FritzBox 7583 zum Einsatz. Nach einer G.fast-Bandbreitenberechnung wären maximal 2 GB beim Teilnehmer möglich. Ich habe leider bisher dazu von der DG keine verbindlichen Aussagen erhalten.

  • Keine Rohre und nur ein paar Doppeladern direkt unter Putz? Das wäre heute nicht fachgerecht und war es vor 7 Jahren auch nicht (DIN 18015 nicht umgesetzt). Da hat wohl jemand darauf vertraut, dass in Zukunft alles schnurlos ist. Naja, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen...


    Nein, der NT hat kein G.fast Modem eingebaut. Aus dem NT kommt Gigabit-Ethernet (1000BASE-T). Sind 5 Doppeladern pro Wohnung vorhanden oder je eine Doppelader in 5 Wohnungen? Wenn es genug Doppeladern pro Wohnung gibt, könnte man auf der kurzen Distanz versuchen, Gigabit-Ethernet mit 4 TP-Doppeladern zu übertragen.


    Für die Übertragung im Haus gibt es auch andere Standards als G.fast, z.B. G.hn. Die Geräte werden oft als Paar für eine vollständige Übertragungsstrecke verkauft. Hier im Forum wurden die auch schon mal genannt: Düsseldorf: GIGA Copper Networks GmbH

  • Deutsche Glasfaser zeigt überwiegend Lösungen für die typische Verkabelung mit FTTH mit einer Glasfaser in Reinkultur bei 1 Familien-Häusern. Diese lässt sich natürlich dort einfach gut vermarkten. Leider sind Lösungen in Mehrfamilienliegenschaften, außer bei Neubauten, nicht so einfach zu vermarkten. Die DG zeigt hier so gut wie keine Lösungsansätze, nur die Aussagen mit: "30 Meter Glasfaser in Mehrfamilienhäusern zwischen HÜP und GF-TA. Die von DG so genannte "Bereitstellung von Leitungswegen" (Kabelkanäle -glatte Rohre) verursacht allerdings zusätzliche Installationskosten von rund 1500 Euro pro Wohneinheit innerhalb des Hauses und der Wohnungen!


    Auch wenn für die vorhandene TP-Verkabelung ein Leerrohrsystem nach DIN 18015 vorhanden wäre, könnte es die Vorgaben der DG (mit dem mindestbiegeradius - Innenawand glatt) kaum erfüllen. Auch ein CAT 7 Kabel (Kupfer) geht da in Nachzugsverfahren nicht rein. Der Endkunde erwartet von einem großen Glasfaser-Erschließer auch moderne Lösungen die auf eine vorhandene Hausinfrastruktur auf Strecken von unter 50 Meter Lösungen bieten.


    Bei der Hausbegehung hat allerdings ein Mitarbeiter "von Volker Wessels Telecom Infratechniek B.V." (Subunternehmer der DG) den Eigentümern den möglichen Einsatz vom Standart G.fast 106/212 hier vor Ort bestätigt!!! G.fast wird daher aktuell vor allem beim Ausbau von FTTB und FTTdp eingesetzt. Möglicherweise nur in NL?


    G.fast 106/212: Modernes DSL-Übertragungsverfahren für herkömmliche Kupfer-Telefonleitungen unter Nutzung der Vectoring-Technologie

    (Nachfolgestandard zu VDSL2). G.fast ist ein rekursives Akronym für „fast access to subscriber terminals“ und ermöglicht Datenübertragungsraten

    von bis zu 1 Gbit/s bei G.fast 106 bzw. 1,8 Gbit/s bei G.fast 212 bidirektional, d.h. in Summe für Up- und Downstream.


    https://de.wikipedia.org/wiki/G.fast


    https://www.glasfaser-internet.info/technik/gfast.html


    Mein Fazit: G.fast wird vor allem den FTTB-Glasfaserausbau unterstützen und somit die Verbreitung und den Markt günstiger Fiber-Tarife beschleunigen.


    Allerdings hatte ich erwartet, dass hier in unserem Objekt und auch für viele tausend Wohneinheiten in D deratige Lösungen durch die DG angeboten wird! Ich hätte gern den Lichtwellenleiter hier direkt in der Wohnung, allerdings würden die Kosten wohl alle meine Nachbarn zur Absagen zwingen.

  • Die DG baut konsequent FTTH und möchte auch, dass der Glasfaseranschluss bis in die Wohnung geführt wird, weil letztlich alle Kupfertechnologien für die letzten Meter das Bandbreitenwachstum begrenzen. Insbesondere die Mitnutzung von Telefonleitungen in größeren Objekten kann weitere Probleme verursachen, weil z.B. G.fast die Nutzung von VDSL auf benachbarten Doppeladern im selben Kabel stört. In solchen Fällen wird rechtlich der älteren Nutzungsform Vorrang gewährt, wodurch ein großer Teil des Frequenzspektrums von G.fast nicht genutzt werden darf. Die Telekom hat schon G.fast-Installationen stillgelegt, um VDSL-Anschlüsse im selben Objekt zu entstören, und durfte das auch. Solche Probleme will die DG einfach nicht haben. Wer im Haus auf eine Kupferverkabelung setzen will, kann das tun, aber das ist dann nicht im Verantwortungsbereich der Deutschen Glasfaser. Das Netz der DG geht nur bis zu dem Gerät, in dem die Glasfaser steckt.


    Praktisch reicht eine Führung von Kommunikationskabeln nach DIN für eine FTTH-Zuführung aus. Die Vorgabe der relativ weiten glatten Rohre bezieht sich auf Einfamilienhäuser und Häuser mit wenigen Wohnungen. In Mehrfamilienhäusern ab fünf Wohneinheiten baut die Deutsche Glasfaser etwas anders: Dort wird in der Wohnung ein Gf-TA gesetzt. Das ist eine passive Glasfasersteckdose, die per Glasfaserkabel mit dem HÜP verbunden wird. Anders als die HÜP-NT Verbindung im Einfamilienhaus ist dieses Kabel einseitig ohne Stecker und wird im HÜP an die von draußen kommende Faser gespleißt. Das eigentliche Glasfaserkabel ist deutlich dünner als die Stecker und lässt sich ohne Stecker auch in dünnere Rohre einziehen. Aber ganz ohne Rohre geht es nicht.


    Wenn man elektrisches Ethernet einsetzen möchte, ist kein dickes und starres Cat.7 Kabel nötig. Cat.5e reicht für Gigabit-Ethernet und auf kurzen Strecken auch für mehr. Cat.6 ist kaum dicker und passt noch in normgerecht verbautes M16 Wellrohr. Das Telefonkabel müsste dafür raus, aber das wird sowieso nicht mehr gebraucht: DSL kann man dann über das Netzwerkkabel zuführen.


    Im angesprochenen Fall bringt das natürlich auch nichts. Wenn unvernünftigerweise nur eine Telefondoppelader in jede Wohnung verlegt wurde, und das auch noch fest, muss man sich halt damit arrangieren. Die DG verweist in diesen Fällen auf die Technikpartner vor Ort, die auf Basis der individuellen Situation im Objekt Empfehlungen für Installationsmöglichkeiten oder alternative Übertragungstechnik geben können und diese auch umsetzen.


    Man kann wohl auch beim Bauunternehmen einen pauschalen Installationsservice buchen, um die Faser bis in die Wohnung zu bekommen. Im Preis ist aber nur eine einfache Lösung enthalten. Wer dafür eine Unterputzverlegung mit anschließender Renovierung der Oberflächen erwartet, wird enttäuscht werden.

  • Eine vorhandene TP-Verkabelung (5-DA) mit jeweils maximal 30 Meter bis zu den üblichen Telefondose ist vorhanden.

    Vielen Dank für die umfangreichen Ausführungen, ich hatte in meinem ersten Beitrag von 5 Doppeladern geschrieben, hab es nochmals geprüft es sind 4 DA, sie sind in insgesamt 5 Einzelkabeln sternförmig geführt. Damit könnte auch in tcp ip direkt mit Gigabit Ethernet ungeschirmt die Verbindung möglicherweise gefahren werden?


    Ich selbst war als Projektleiter bei den ersten großen Projekten in D mit den weltweit ersten Ethernet-LAN auf der Basis der optischen Nachrichtentechnik in einem deutschen Unternehmen beschäftigt. Daraus wurde der optische Standard in der IEEE-Norm 802.3, wir daran im Germium viele Jahre beteiligt. Bis 2003 habe ich einige internationale Projekte bei der Industrie verantwortlich geplant, damalig bis zur Norm Fast Ethernet mit sehr hohen Redundanz-Anforderungen. 2003 bin ich in den Ruhestand gegangen, nach meiner Ausbildung ein Berufsleben von der Hochfrequenz bis zur Glasfaser!


    Ich freue mich, dass nach so vielen Jahren und endlich die Sache zum laufen kommt und die DT nun endlich ordentlich druck bekommt und von rechts und links überholt wird. So setze ich doch auf den Einsatz mit G.Fast in diesem kleinen 5 WE Projekt. möglicherweise mit dem neuen g.Fast Modem Vigor 166. Das Vigor166 bedient VDSL/Supervectoring/G.Fast Anschlüsse über Giga Ethernet Port.


    Ab dem 20.01. ist hier das Baubüro in 38179 Groß Schwülper besetzt, dann hoffe ich auf weitere fachliche Unterstützung bei den Aussagen zu Häusern mit mehren WE. Aber ich werde auch die Möglichkeit zu LWL über dünnere Rohre einziehen bis zum Teilnehmer prüfen. Da wären weitere Infos von DG nützlich.

  • Wie sehen die Doppeladern denn aus? Sind die grün+grün/weiß, blau+blau/weiß, orange+orange/weiß, braun+braun/weiß? Dann ist das wahrscheinlich ein Netzwerkkabel und Gigabit-Ethernet wird auf 30m Distanz wahrscheinlich funktionieren. Abschirmung ist in einem elektromagnetisch unspektakulären Objekt wie einem Wohnhaus nicht notwendig.

    Wenn die Doppeladern anders gefärbt sind, kann es funktionieren, muss aber nicht. Separate Kabel für die Wohnungen lassen zumindest keine gegenseitigen Störungen durch G.fast befürchten, wenn das doch zum Einsatz käme.


    Die DG Angebote für Mehrfamilienhäuser sind noch relativ neu. Ggf. muss man sich gezielt dazu durchfragen.

  • Zunächst erst einmal Danke für die Infos. Zu

    Zitat

    grün+grün/weiß, blau+blau/weiß, orange+orange/weiß, braun+braun/weiß

    Es sind alles Einzelfarben, also 2. Ader nichts 2-farbig. Bedeutet ja wohl, dass keine Verdrillung der Doppeladern vorhanden ist. Gigabit Ethernet ist ja mindesten auf Cat. 5 beim 100m möglich.


    Eine weitere Infrastruktur zu den Wohneinheiten ist mit einem sternfömigen doppelt geschirmten 75 Ohm Kabel für SAT-TV vorhanden. Bei mir sind im Wohnbereich insgesamt 6 Anschlüsse vorhanden. Die Verteilung dazu ist ebenfalls im Technikraum, 4 Meter vom zukünftigen HÜP entfernt. Hiermit steht ein bis 2 Gigabit nutzbares Medium zur Verfügung. Dazu müsste es einen Wandler am NT geben, hat DG dazu möglicherweise eine Lösung? Router dazu sind ja in Coax am Markt verfügbar.


    Danke im Voraus für eine Antwort.


    Beste Grüße Manfred

  • Der NT von der DG hat einen GPON-Anschluss in Richtung Internet und einen Gigabit-Ethernet Port für den Router, sonst nichts. Andere Übertragungswege sind Sache des Kunden und werden von der DG nicht aktiv unterstützt.


    Für Koaxialleitungen gibt es wie für Zweidrahtleitungen Systeme, die ein Netzwerk darüber aufbauen können, aber nicht von der DG, sondern von Drittanbietern. Die DG bietet insbesondere keine Kabelkopfstationen an, die für den Einsatz eines DOCSIS-Routers nötig wären. Einen Anbieter von G.hn-Geräten habe ich ja oben bereits genannt. G.hn-Geräte gibt es sowohl für Doppeladern als auch für Koaxialkabel. Was im konkreten Objekt sinnvoll ist, können Dienstleister vor Ort sicher besser einschätzen.

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