Erfahrungsbericht Anbieterwechsel von Telekom zu 1&1 mit eigenem Router/Server

  • Kurzversion: der Wechsel von der Telekom (Erstausrüster Glasfaser) zu 1&1 ging problemloser als gedacht (trotz eigenem Router/Server), hat nur etwas länger gedauert als erhofft (eher wegen der Telekom).

    Langversion:

    Im Oktober 2019 war unser Neubau abgeschlossen, inklusive Glasfaseranschluss von der Telekom in der Variante FTTH. Für den Neuanschluss war es bei der Telekom üblich 800€ zu bezahlen (auch wenn es bei uns für die Telekom wahrscheinlich billiger war zu installieren, wie wo anders), aber das ist auf lange Sicht natürlich gut investiertes Geld (v.a. wenn man die Vorteile tatsächlich nutzt). Damals habe ich einen Vertrag mit 250MBit downstream und 100MBit upstream abgeschlossen für 54€ (nach dem 1. Jahr). Nach 2 Jahren Vertragsbindung gab es dieses Jahr erstmals Angebote von anderen Anbietern. Anfang 2023 hat die Telekom z.B. mit 1&1 einen Kooperationsvertrag geschlossen, Glasfaser gemeinsam zu vermarkten. Deswegen gibt es seit Sommer mehr oder weniger identische Angebote von beiden Anbietern, nur die Preise unterscheiden sich. Ich war bisher bei der Telekom soweit zufrieden, nur die Preise bei 1&1 waren deutlich besser.

    "Etwas" Bammel hatte ich vor dem Anbieterwechsel schon, man liest und hört ja so Einiges und der Teufel steckt wie üblich im Detail. Deswegen bereite ich mich auf solche Aktionen immer so gut es geht vor. Nur einen Tag oder gar mehrere ohne Internet zu sein, das ist in der heutigen Zeit schon eine Horrorvorstellung. Alleine wenn ich überlege was dann alles auf einmal nicht mehr geht und von der aufgebrachten Familie garnicht erst zu reden.

    Also hab ich erstmal eine eMail an 1und1 geschrieben, daß ich an ihrem Angebot (1Gbit im downstream, 200Mbit im upstream für 49,99€ im Monat) interessiert wäre, unter gewissen Vorraussetzungen wie :

    - Echter Dualstack, kein DS-Lite (1und1 war spät bei der ipv4-Party dabei und hat deutlich weniger Addressen wie die Telekom und bietet so standardmäßig nur DS-Lite über ipv6 an) - ipv4 brauche ich aber für die Arbeit und fürs VPN

    - Vollständige Zugangsdaten (inkl. VLAN-IDs und Benutzerkennung ala H1und1/kawxyz-xyz@online.de für die pppoe-Konfiguration), damit ich meine eigene Hardware betreiben kann (wie bisher)

    Daraufhin hat mich dann ein Vertriebsmitarbeiter von 1und1 angerufen, der nur bzgl. Zugangsdaten etc. keine Ahnung hatte, mir aber versichert hat, daß alles problemlos funktionieren würde (da bin ich immer etwas skeptisch, zumal das Angebot bzgl. Nutzung der Glasfaser-Infrastruktur noch relativ neu ist). Als Backuplösung (wenn mal was nicht geht und weil die Anbieter nur vollen Support mit ihrer Hardware leisten) habe ich auch noch den kleinen Glasfaserrouter für 6,99€ pro Monat für 2 Jahre dazu gebucht (ist eine Fritzbox mit Glasfasermodem-Modul, fragt mich nicht nach der Bezeichnung, das Ding liegt noch orginalverpackt im Karton). Zum Glück brauche ich das Backup bisher nicht, insofern sind die 24Monate * 6,99€ herausgeworfenes Geld, aber man weiß ja nie.

    Dann hat es 4 Wochen gedauert eh der nächste Telekomtechniker bei mir in der Gegend Zeit hatte mal vorbei zu kommen und den Glasfaseranschluss fremdanbietertauglich zu machen. Erst hatte ich mich gewundert wozu das überhaupt nötig ist, aber als ich dann gelesen habe, daß 1und1 eine Glasfaser-Id und eine Modem-Id von mir will und ich keine entsprechenden Labels auf meiner Hardware gefunden hab, hat das Sinn ergeben. Der Telekomtechniker hat dann einen neuen (kleineren) ONT installiert und darauf ein Glasfaser-Id-Label mit zusätzlichem QR-code geklebt. Dazu hat er ein eigenes Glasfasermodem mitgebracht und den Anschluss entsprechend "getauft" (das war wohl die Lösung um auf die Änderungen am TK-Gesetz zu reagieren). Dankenswerterweise hat mir der nette Techniker das alte Glasfasermodem von der Telekom da gelassen (er meinte normalerweise müsste er es mitnehmen, aber dann würde es eh nur verschrottet werden) und es mit mir aufgemacht um an die Seriennummer, Mac-Adresse etc. zu kommen (hab davon auch ein Bild gemacht). Diese Infos habe ich dann 1und1 per eMail gesendet und musste ich später am Schalttag / Anbieterwechseltag auch nochmal in eine Webseite von der Telekom eingeben. Ich vermute das Wichtige ist die Glasfaser-Id, wozu die sogenannte Modem-Id gebraucht wird keine Ahnung (hab hierfür die Seriennummer genommen, die Mac-Adresse ist ja nicht mehr unbedingt eindeutig/fälschungssicher). Noch erwähnenswert ist, daß das TK-Gesetz den alten Anbieter auch verpflichtet das Internet solange bereit zu stellen, bis die Schaltung beim neuen Anbieter funktioniert (insofern hätte der Techniker das Glasfasermodem eh nicht mitnehmen können). Da der ONT und das Glasfasermodem im Keller installiert sind, aber der Server/Router bei mir im Wohnzimmer steht (sowie ich auf den weiteren Etagen jeweils einen AccessPoint betreibe mit WLAN-Roaming und LAN-Anschluss in jedem Zimmer + 1Gbit-Switch im Keller), war ich ganz froh das Glasfasermodem von der Telekom behalten zu können. Als Kombigerät würde das bei mir nicht funktionieren.

    Danach musste ich wieder 4-Wochen warten eh endlich der finale Umschalttermin von der Telekom auf 1und1 anstand. Vermutlich weil die Telekom noch Zeit brauchte mich zum Bleiben zu bewegen. Zumindest haben sie mich mehrmals von verschiedenen Nummern mitten in wichtigen Besprechungen und abends versucht zu erreichen. Irgendwann hatte ich dann doch mal Zeit und bin rangegangen. Da wollte mir ein Vertriebsmitarbeiter von der Telekom ein Sonderangebot aufschwatzen (500MBit downstream und 100Mbit upstream für 59,99€ pro Monat [immer noch teurer als bei 1und1], mit der Begründung : 1Gbit downstream oder 200Mbit upstream braucht eh niemand. Ich schon, ich transferiere ab und zu PC-Images von und zur Arbeit, da macht sich das schon bemerkbar).

    Meinen Allround-Rechner auf Debian-Basis im Wohnzimmer, den ich auch als InternetRouter verwende, habe ich in der Zwischenzeit auch auf die Umstellung vorbereitet. D.h. PPPoe-Config entsprechend angepasst, v.a. die neuen Zugangsdaten schon mal hinterlegt. Und mein Traffic-Control Setup (nutze seit einiger Zeit den tc-scheduler cake, sowohl upstream als auch downstream - früher erst htb, dann hfsc) die neuen Maximalgeschwindigkeiten hinterlegt.

    Am Schalttag teilte mir 1und1 mitten in der Nacht die Schaltungs-URL mit und ich sollte vor 8:00 morgens schon mal das neue Glasfasermodem anschliessen (bei mir war und ist es das alte Modem) und die Umschaltung über die URL durchführen. Gemacht, getan. Allerdings sollte ich nach erfolgreichem Abschluss noch eine SMS und eMail von der Telekom erhalten die nie kam. Nach einer Stunde Wartezeit habe ich dann schon mal probiert ob es schon geht. Und siehe da alles hat auf Anhieb funktioniert (auch ohne Präfixe ala H oder K in der Anschlusskennung / beim Benutzernamen wie bei manchen VDSL-Resale-Verträgen, einfach plain was 1und1 mitgeteilt hat). Daraufhin habe ich erstmal per https://breitbandmessung.de und deaktiviertem TC-Setup meine Maximalgeschwindigkeiten gemessen (927,80 Mbit/s downstream, 235,37 Mbit/s upstream bei 6ms Latenz). Daraufhin musste ich mein TC-Setup noch etwas nachjustieren, denn sonst würde ich etwas Geschwindigkeit verschenken oder in den Bufferbloat laufen. Der ping zu google.com in Frankfurt (142.250.184.238 , 2a00:1450:4001:810::200e) hat eine rtt von durchschnittlich 5,6ms zu vorher durchschnittlich 9,6ms bei der Telekom. Anscheinend sind weniger Internetknoten bei 1und1 im Einsatz, so daß es direkter geht und auch die gestiegene Anschlußgeschwindigkeit könnte helfen. Wenn mehr Nutzer die Internetknoten nutzen wird es aber vermutlich langsamer in Zukunft. Anscheinend führt 1und1 auch eine 24h-Zwangstrennung durch. Damit es nicht mitten in Videokonferenzen stattfindet habe ich einen cron-Eintrag auf dem Server spendiert, der die pppoe-Verbindung trennt und neu aufbaut. 5:00 nachts scheint mir hier weniger störend zu sein. Was mir bei einem radvdump während des Verbidungsaufbaus noch aufgefallen ist, daß die timeouts bzgl. router advertisement bei 1und1 merklich höher eingestellt sind.

    Alles in allem ging der Wechsel von der Telekom zu 1und1 also problemloser als gedacht.

    Falls jemand Beispielkonfigurationsdateien von meinem Custom-Routersetup haben möchte, einfach melden.

    Es genügt nicht nur, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein sie auszudrücken!" (Karl Kraus)

    Einmal editiert, zuletzt von olispeedy (3. Dezember 2023 um 16:10)

  • olispeedy 3. Dezember 2023 um 16:02

    Hat den Titel des Themas von „Erfahungsbericht Anbieterwechsel von Telekom zu 1&1 mit eigenem Router/Server“ zu „Erfahrungsbericht Anbieterwechsel von Telekom zu 1&1 mit eigenem Router/Server“ geändert.
  • Willkommen im Forum und vielen Dank für den Erfahrungsbericht.

    Um das Rätsel der beiden IDs aufzulösen:

    1. Modem-ID: steht auf der Unterseite der FRITZ!Box 55x0 und ist die Serial oder auch PLOAM-ID. Es gibt viele Bezeichnungen dafür. Im Falle von AVM Hardware ist es nicht die Serial auf dem SFP-Modul!
    2. Glasfaser-ID: Das ist die Leitungsbezeichnung für einen Kundenzugang bei der Telekom.

    Dazu hat er ein eigenes Glasfasermodem mitgebracht und den Anschluss entsprechend "getauft" (das war wohl die Lösung um auf die Änderungen am TK-Gesetz zu reagieren).

    Das galt schon ab 2016 leider haben es damals wie heute viele TK-Provider einfach ungestraft ignorieren können.

    Ich glaube bei dir gehen die Begrifflichkeiten durcheinander. Nach der Glasfaser-Hauseinführung wird ein Hausübergabepunkt (HÜP) angebracht, auch APL genannt. Das ist nur ein Plastikkasten, der wenige Meter Glasfaser aufnimmt - eine Spleißbox. Benötigt keinen Stromanschluß! Von da geht es weiter an die Glasfaser-Teilnehmetanschluss-Dose (Gf-TA) oder nur Glasfaserdose. Dies ist der passive Netzabschlusspunkt nach dem TKG, benötigt immer noch keinen Stromanschluß, hat aber eine Buchse für das Glasfaserkabel, welches zum Glasfasermodem oder ONT (Optimal Network Termination) oder Glasfaserrouter geht. Erst ab hier wird ein Stromanschluss benötigt.

    Stelle doch hier bitte mal Fotos vom HÜP, ONT/Glasfasermodem mit Typbezeichnung ein. Das ist für die Topologie (AON oder GPON) wichtig.

    VPN funktioniert mit IPv6 tadellos, das ist kein Grund um an IPv4 festzuhalten. Ich denke es gibt heute keinen Anbieter am Markt der sich die Blöße IPv6 untauglich zu sein leisten könnte. Allerdings gibt es immer noch firmeninterne WAN-Admins die IPv6 für Teufelszeug halten und daher die wahren Bremser/Showstopper sind.

    Einmal editiert, zuletzt von HubeBube (3. Dezember 2023 um 18:26)

  • Allerdings gibt es immer noch firmeninterne WAN-Admins die IPv6 für Teufelszeug halten und daher die wahren Bremser/Showstopper sind.

    Bei uns ist es in der Firma tatsächlich der Glasfaser Anbieter der kein IPv6 zulässt (lokale Stadtwerke). Eine Alternative zum Anbieter gibt es leider nicht.

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  • Nun gut, das gibt es natürlich auch noch und damit muss man dann leben.

    Dies erfordert natürlich erhöhten Aufwand auf Seite des Arbeitgebers, dieser muss dann auch einen Betrieb von Clients in einem CGNAT-Providernetz ermöglichen und kann nicht darauf pochen, das der Arbeitnehmer aus eigener Tasche für eine, aus dem Internet erreichbare, IPv4 Adresse aufkommt.

  • Willkommen im Forum und vielen Dank für den Erfahrungsbericht.

    Danke und gerne.

    Um das Rätsel der beiden IDs aufzulösen:

    1. Modem-ID: steht auf der Unterseite der FRITZ!Box 55x0 und ist die Serial oder auch PLOAM-ID. Es gibt viele Bezeichnungen dafür. Im Falle von AVM Hardware ist es nicht die Serial auf dem SFP-Modul!
    2. Glasfaser-ID: Das ist die Leitungsbezeichnung für einen Kundenzugang bei der Telekom.

    Das galt schon ab 2016 leider haben es damals wie heute viele TK-Provider einfach ungestraft ignorieren können.

    Die Modem-ID von der FRITZ!Box steht sogar auf der Verpackung, ausgepackt hab ich das Gerät aber nicht. Bei dem Glasfasermodem von der Telekom war das etwas kniffliger. Das ist ein eine Art Steckmodul in einer äußeren Hülle, die man erstmal öffnen muss um an die entsprechenden Informationen zu kommen.

    Ich glaube bei dir gehen die Begrifflichkeiten durcheinander. Nach der Glasfaser-Hauseinführung wird ein Hausübergabepunkt (HÜP) angebracht, auch APL genannt. Das ist nur ein Plastikkasten, der wenige Meter Glasfaser aufnimmt - eine Spleißbox. Benötigt keinen Stromanschluß! Von da geht es weiter an die Glasfaser-Teilnehmetanschluss-Dose (Gf-TA) oder nur Glasfaserdose. Dies ist der passive Netzabschlusspunkt nach dem TKG, benötigt immer noch keinen Stromanschluß, hat aber eine Buchse für das Glasfaserkabel, welches zum Glasfasermodem oder ONT (Optimal Network Termination) oder Glasfaserrouter geht. Erst ab hier wird ein Stromanschluss benötigt.

    Stelle doch hier bitte mal Fotos vom HÜP, ONT/Glasfasermodem mit Typbezeichnung ein. Das ist für die Topologie (AON oder GPON) wichtig.

    Du hast Recht. Früher hatte ich nur die große Spleißbox/HÜP von dem aus ein kleineres Glasfaserkabel direkt in das Glasfasermodem/ONT ging. Als der Telekomtechniker da war, hat er dann noch eine kleine Box neben dem HÜP angebracht (was auch nur das kleinere Kabel vom HÜP durchreicht). Ich vermute das nennen die Leute Glasfaser-Teilnehmetanschluss-Dose (Gf-TA). Theoretisch hätte man die auch in einer anderen Etage/Zimmer anbringen können, müsste dann aber ein entsprechendes Kabel verlegen.

    Und ja ich füge noch ein Foto hinzu, wenn ich dazu komme.

    Es genügt nicht nur, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein sie auszudrücken!" (Karl Kraus)