Geplanter Glasfaseranschluss für unser Mehrfamilienhaus

  • Hallo an alle die mir helfen können,

    in unserem Mehrfamilienhaus haben wir einen Kabelanschluss von Vodafone mit einem sogenannten MNV (Mehrnutzungsvertrag) für TV und Radio und den üblichen Telefonanschluss mit Verträgen von den unterschiedlichsten Telefon / Internetanbietern.

    Jetzt soll von der Telekom ein Glasfaseranschluss FTTB (Fiber-To-The-Building) in Zusammenarbeit mit dem Projektanbieter Lotenik media erstellt werden.

    Die weitere Hausverkabelung FTTH (Fiber-To-The-Home) soll von der Fa. Lotenik media durchgeführt werden.

    Jetzt gibt es einige Eigentümer die keinen FTTH Anschluss in die Wohnung haben wollen (Dreck, Lärm aufgestemmt Wände usw.).

    Die Koaxialverkabelung im Haus für TV ist direkt verlegt, also ohne Leerrohre. Ebenso die Kupferleitungen für Telefon und Internet.

    Für die FTTH Anschlüsse für jede Wohnung müssten im ganzen Haus Steigleitungen gelegt werden und für jede Wohnung eine Abzweigung.

    Gibt es die Möglichkeit ohne FTTH, das Lichtsignal umzuwandeln um die vorhandenen Leitungen Koaxialkabel für TV und Kupferleitungen für Telefon und Internet nutzen zu können?

    Mit freundlichen Grüßen AGerd.

  • Es geht wohl eher darum, den FTTB-Anschluss über vorhandene Kabel in die Wohnungen zu führen.

    Der Internetdienst von Vodafone konkurriert mit der Nutzung des Rückkanals für G.hn Modems. Die Nutzung per G.hn Modems ist dann möglich, wenn die Verkabelung sternförmig ist, also nicht Kabel von einer Wohnung zur nächsten gehen. Dann könnte man für jede Wohnung entscheiden, ob man den Internetzugang über Vodafone haben möchte oder den Glasfaseranschluss über das Koaxialkabel weiterleiten möchte. Beides gleichzeitig geht nicht.

    Wenn die Kabel noch ohne Rohre unter Putz verlegt wurden, hat man sich aber wahrscheinlich für die billigere Bustopologie entschieden. Dann kann man den Rückkanal nicht für die Datenübertragung nutzen, ohne anderen Wohnungen den Internetzugang über Vodafone-Kabel wegzunehmen. Das geht also nicht.

    Selbst wenn die Möglichkeit besteht, ist das eine relativ teure Lösung, die dauernd zusätzlich Strom braucht und zudem die Leistung eines schnellen Glasfaseranschlusses nicht sicher übertragen kann. Eine solches System müsste auch unbedingt von einem Fachmann installiert werden, um Störungen anderer Nutzer zu vermeiden. Bessere Chancen hätte man mit G.hn Modems für Zweidrahtleitungen, aber damit kann es Probleme durch Beeinträchtigung von VDSL-Signalen im selben Kabelbündel geben.

    Der Aufwand für die nachträgliche Verlegung von Leerrohren für Glasfaserleitungen oder Cat-Netzwerkkabel ist hoch, aber auf Dauer die beste Lösung.

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  • Hallo alfalfa,

    wir, die Hausgemeinschaft, gehen davon aus das die alten Systeme bleiben und parallel dazu von der Telekom ein FTTB ins Haus gelegt wird. Einige wollen den Glasfaseranschluss zwar benützen, aber ohne neue Rohre für den sogenannten FTTH verlegen lassen. Der Rest der Eigentümer will wie bisher die alte Technik und Verkabelung behalten.

    Gibt es technisch die Möglichkeit das Lichtwellensignal zu splitten, einmal das TV Signal auf das Koaxialkabel und einmal das Telefon / Internetsignal auf den Telefonanschluss?

    Ich bin zwar Informatiker, habe aber keine Ahnung von der Glasfasertechnik.

    Schönen Abend noch.

    Gruß Agerd.

  • Das Internet kann man, rein theoretisch, auf das Telefonkabel legen. Im Keller, wo die Glasfaser ankommt, würde dazu ein DSLAM für VDSL oder G.fast installiert, an den die Telefonleitungen zu den Wohnungen angeschlossen würden, wo man dann mit einem Modem den Internetanschluss bereitstellen könnte. Solche FTTB Lösungen werden z.B. von M-net in München installiert. Der DSLAM gehört in dem Fall dem Netzbetreiber. Der Anschluss wird klassisch in der Wohnung an der TAE-Dose bereitgestellt.

    Wenn man ein ähnliches System ohne den Netzbetreiber aufsetzen wollte, würde man die bereits genannten G.hn Modems einsetzen, eins im Keller und eins in der Wohnung, mit der bisherigen Telefonleitung dazwischen. Dazu wären natürlich Zuständigkeiten zu klären.

    Beide Systeme, DSLAM und G.hn Modems, haben das prinzipielle Problem, dass sie Störungen auf den vorhandenen Anschlüssen im gleichen Kabelbündel hervorrufen können. Dann muss der neue Nutzer zurückstehen und die Frequenzbereiche aussparen, die von bestehenden Anschlüssen genutzt werden. Dadurch kann die Übertragungskapazität der Leitung erheblich sinken. Besonders problematisch wäre das mit einem System, wo diese Aussparung nicht konfigurierbar ist. Ein solches System dürfte dann nicht betrieben werden.

    Für Fernsehen sieht es noch düsterer aus: Eine Umsetzung von IPTV zu Koax (DVB-C) ist nicht mit vertretbarem Aufwand möglich. Das Fernsehen müssten die Glasfaser-Kunden, wie heute auch bei FTTH üblich, per Receiver oder im Fernseher integrierter IP-TV Funktion über den Internetanschluss beziehen. Die oben beschriebene Möglichkeit, die Koaxialkabel für die Übertragung des Internetsignals zu nutzen, würde nur den Internetzugang übertragen, und Fernsehen darüber wäre IPTV, nicht DVB-C.

    Es gibt Netzbetreiber, die über Glasfaseranschlüsse DOCSIS und DVB-C bereitstellen, also quasi einen optischen "Kabelfernsehanschluss" realisieren. Solche Anschlüsse sind uneingeschränkt über eine vorhandene Koax-Infrastruktur verteilbar. Für größere Objekte gibt es sowas auch von der Telekom. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass es bei euch so ein Anschluss wird, aber ganz ausschließen kann ich das nicht.

  • Hallo alfalfa,

    danke für die ausführliche Erklärung. Damit konnte ich einige Möglichkeiten per Google finden wie wir unser Mehrfamilienhaus für die Zukunft vorbereiten können und wie wir momentan mit einem Glasfaseranschluss FTTB umgehen können. Momentan ist ja viel in Bewegung was die unterschiedlichen Technologien betrifft. Ob das jetzt G.fast oder Hybrid Fiber Coax (HFC) betrifft.
    Gruß Agerd.

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