Provider-Anschluss "verlängern": vom Provider über Patchkabel zum Router

  • Moin, in unserer Neubauwohnung wird Glasfaser von htp.net verlegt. (Leider haben die trotz mehrfacher Nachfrage nicht auf meine technischen Fragen zur konkreten Ausführung des Anschlusses geantwortet, daher habe ich keinerlei Informationen über die zukünftige Anschlusstechnik).

    Die Glasfaser wird in dem dafür vorgesehenen Feldverteiler (Hauptverteilung der Elektrik) ankommen, und das ist auch nicht zu ändern. In dem Feldverteiler ist mir deutlich zu wenig Platz für meine Technik.

    Da ich eine ausführliche Datenverkabelung in der Wohnung vorsehe und auch einen kleinen Server und Firewall betreiben werde, habe ich an anderer Stelle einen kleinen 19"-Netzwerkschrank vorgesehen, in dem die komplette Datenverkabelung der Wohnung auf einem 19"-Patchfeld terminiert.

    Netzwerkschrank und Feldverteiler werden dann mit mindestens 2 CAT 6A verbunden (jeweils auf Patchfeld). Distanz zwischen den beiden ist ca. 10 m.

    Ich überlege jetzt, parallel noch zwei zusätzliche Glasfaser-Duplex-Leitungen zwischen Netzwerkschrank und Feldverteiler zu verlegen und dort jeweils auf Modular-Felder der Patchfelder zu legen. Wenn man vorkonfektionierte Kabel nimmt, sollte das bei Neuinstallation hoffentlich nicht zu teuer werden. Ich würde gern Spleißarbeiten vermeiden.

    Ich frage mich jetzt, ob diese Idee realistisch ist: kann ich Provider-Glasfaser-Anschluss mit einem Glasfaser-Patchkabel (also passiv) im Feldverteiler auf die Glasfaserleitung zwischen Feldverteiler und Datenschrank patchen, so dass ich die Firewall bzw. ONT im 19"-Schrank aufbauen kann? Sollte doch eigentlich gehen.

    Ich bin zwar ziemlich fit in der drahtgebundenen Netzwerkverkabelung, aber bei Glasfaser fehlt mir leider die Übersicht, daher würde ich mich über eine Einschätzung freuen, ob das machbar ist und ein paar Stichworte, welche Glasfaser (singlemode, multimode) und welche Stecker bzw. Module ich für die Verbindung zwischen Feldverteiler und 19"-Schrank vorsehen sollte.

    Falls das nicht realistisch ist, gern sagen, dann baue ich die Firewall/ONT halt in den Feldverteiler ein und schicke die Daten via drahtgebundenem VLAN-Trunk zum Switch im 19"-Rack. Ist halt nicht so schön, finde ich.

    Danke schon mal im Voraus!

  • Willkommen im Forum!

    Eine Verlängerung des Glasfaserkabel durch ein gleichartiges Kabel ist durchaus möglich.

    Üblicherweise kommt bei dir ein OS2 Kabel an (Singlemode Simplex). Welche Stecker verwendet werden, musst Du der Schnittstellenbeschreibung des Providers entnehmen, da gibt es unterschiedliche Bauformen (LC, SC und noch einige andere) und auch haben die Ferrulen unterschiedliche Schliffe: APC (üblicherweise grüne Stecker) und PC/UPC (üblicherweise blaue Stecker).

    Multimode ist ebenso wie Duplex im FTTH Umfeld sehr unüblich.

  • Danke für das nette Willkommen und für die prompte Antwort!

    Das hilft mir schon mal sehr weiter, ich hoffe, dass mir der Provider bald noch die Schnittstellenbeschreibung zugänglich macht - das habe ich vor mehreren Tagen schon per Ticket angefragt, weil die tatsächlich nicht online abrufbar ist (unter https://www.htp.net/schnittstellenbeschreibung/ findet sich nur die Schnittstellenbeschreibung zu ADSL).

    Verstehe ich das richtig, dass ich dann einfach eine einzelne singlemode-Faser zwischen Rack und Feldverteiler brauche und "meine" Glasfaser dann eher nicht auf ein Patchfeld auflege, sondern daran eine Kupplung vorsehe, die ich direkt an den Stecker des Provider anklipse?

    Sorry für die blöde Frage, wie erwähnt, Glasfasertechnik ist neu für mich.

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  • Verstehe ich das richtig, dass ich dann einfach eine einzelne singlemode-Faser zwischen Rack und Feldverteiler brauche und "meine" Glasfaser dann eher nicht auf ein Patchfeld auflege, sondern daran eine Kupplung vorsehe, die ich direkt an den Stecker des Provider anklipse?

    Wie schon geschrieben, du musst das verwenden, was in der Schnittstellenbeschreibung steht.

    Der Provider wird dir ein Hausübergabepunkt/HÜP (APL) einbauen. Von dort abgehend geht ein Singlemode Kabel zum ONT. Je nach Art des HÜP ist dort eine Buchse frei zugänglich in die Du "dein" langes Kabel einstecken kannst (vorkonfiguriert und auf beiden Seiten Stecker). Ist dort keine Buchse frei zugänglich, dann musst Du das mitgelieferte Kabel verwenden und an dem zugänglichen Ende eine Kupplung anschließen, daran dann "dein" kurzes Kabel. Das unterscheidet sich nicht im wesentlichen von einer Verlängerung bei konfektionierten Kabeln mit RJ45 Stecker. Aber auch diese kürzere Verlängerung ist vorkonfektioniert und hat auf beiden Seiten Stecker. Von daher solltest Du im Patchfeld, wenn Du es wirklich für Glasfaser verwenden möchtest, mit Keystone-Modulen arbeiten. Damit hast du aber mehr optische Übergänge und eine Erhöhung der Dämpfung, abgesehen von der Verschmutzungsgefahr der Ferrule. Ich würde das Glasfaserkabel direkt in den ONT stecken ohne Patchfeld dazwischen.

  • ich würde Kabel, deren Austausch mit einigem Aufwand verbunden ist, nicht am Ende als Patchkabel verwenden sondern so auf ein Patchpanel auflegen, dass eine Beschädigung unwahrscheinlich ist, und zwar auf beiden Seiten. Reparieren kannst du ein Glasfaserkabel nämlich nicht einfach. Wenn du ein oder zwei Fasern Simplex Singlemode im Patchpanel in LC/APC-Kupplungen steckst, bist du für alles gerüstet.

    Grundsätzlich muss dir HTP einen fest installierten passiven Anschluss bereitstellen. Das wird entweder der HÜP (Hausübergabepunkt) oder eine separate Glasfasersteckdose ("Gf-TA") sein. Dort kann vermutlich ein LC/APC-Stecker eingesteckt werden. Wenn du diesen Steckertyp für deine In-Haus-Verbindung verwendest, kannst du mit einem LC/APC zu LC/APC Patchkabel die Verbindung zwischen HÜP/Gf-TA und deinem Patchpanel herstellen und am anderen Ende den ONT mit dem Kabel anschließen, das sonst für die direkte Verbindung vom HÜP/Gf-TA zum ONT verwendet worden wäre.

    Die zwei zusätzlichen Steckverbindungen verursachen, wenn sie sauber sind, nur eine unproblematisch kleine zusätzliche Dämpfung. An der Performance des Anschlusses ändert sich dadurch nichts. Die Verlängerung der Glasfaserstrecke an sich ist für die Dämpfung gänzlich egal.

    Konkret bräuchtest du für deine Patchpanel im Feldverteiler und im Netzwerkschrank je einen LC/APC-Keystone-Adapter. In die Rückseite steckst du ein fertig konfektioniertes Simplex oder Duplex Singlemode Kabel in der passenden Länge für deine In-Haus-Verbindung mit LC/APC-Steckern an beiden Enden. G.657 ist weniger empfindlich als G.652 gegen enges Biegen und deshalb empfehlenswert. Außerdem brauchst du noch ein kurzes LC/APC Patchkabel. Sollte HTP unüblicherweise einen anderen Stecker vorsehen, würdest du ein Patchkabel mit entsprechendem Stecker an einem Ende und LC/APC am anderen Ende für die Verbindung vom HÜP/Gf-TA zum Patchpanel verwenden.

  • Großartig, vielen Dank für die präzisen Angaben, die mir wirklich weitergeholfen haben. Damit gehe ich jetzt in die Details. Und versuche htp zu motivieren, dass sie mir die Schnittstellenbeschreibung geben...

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  • Von dem FTTH Ausbau in der Samtgemeinde Ahlden durch htp gibt es ein PDF-Dokument. Zumindest dem Bild auf Seite 3 nach hat der dort verbaute HÜP eine zugängliche LC/APC Buchse, an diese ist via OS2 Kabel ein Genexis Fibertwist ONT (hier als Medienkonverter bezeichnet) angeschlossen. Der Gf-TA fehlt allerdings in dem Bild.

    Da @alfalfa schon zu FS.com verlinkt hat, da findest Du auch alle anderen notwendigen Kabel.

    Allerdings gibt es keine Garantie, das htp die gleiche Hardware bei dir wie in Ahlden verbaut. Unwahrscheinlich ist es allerdings auch nicht.