Ich hatte schon vorher erwähnt, dass GPON häufiger verhindert, dass Kunden ihr eigenes Endgerät nutzen. Mit AON ist es viel einfacher, einen Router mit integriertem Glasfaserinterface zu verwenden, und das AON Glasfaserinterface verbraucht auch weniger Strom. Der Vergleich eines GPON-ONTs mit einem Genexis Fibertwist AON-ONT ist deshalb nicht ganz ehrlich. Der Fibertwist ONT ist außerdem faktisch ein abgespeckter Router. Es ist kein einfacher Medienkonverter. Darauf läuft ein OpenWRT.
Auch wenn man nur die ISP-Seite betrachtet, ist die Stromeinsparung nicht gewaltig. Es geht um knapp 2W pro Kunde, selbst mit Kühlungsbedarf. Wenn mir jemand erzählt, ich soll statt AON lieber GPON nehmen, um der Umwelt etwas gutes zu tun, dann denke ich mir meinen Teil, aber ernst kann ich das nicht nehmen. Es ist ein unredlicher Versuch, das Umweltbewusstsein der Kunden auszunutzen. Bitte seid so ehrlich und sagt einfach, dass die Geldgeber sich für die billigere Technik entschieden haben.
Das Hauptproblem mit GPON ist, dass es zum Überbuchen verleitet. Weil die Schnittstelle schnell ist, mit 2,5Gbit/s sogar schneller als GbE, kann man auf dem Papier schnelle Tarife anbieten, aber wehe, wenn die Kunden die auch nutzen.
Ich frage mich, was du an Technik hinter einem AON-Anschluss erwartest. Wenn ich die Wahl habe zwischen einem Chassis-System, in dem 10 Gigabit-Linecards mit 20x CSFP stecken, also bis zu 400 Kunden angeschlossen werden und dann dieses System mit bestenfalls 2x 10GB Uplink (meist eher 1x 10GB Uplink) betrieben wird (und das sind die neueren Chassis-Generationen, da sehe ich teilweise noch ältere im Einsatz mit einer Backplane, die teilweise nur 2Gig pro Linecard beherrscht), oder einem 2HE GPON/XGS-Combo-OLT, auf dem bis zu 16x GPON/XGS-PON Kombo-Optiken z.B. in 1:32er-Konfiguration (aber meinetwegen auch 1:64er) unterwegs sind, das typischerweise mit 100G angebunden wird, nehme ich gerne letzteres. Überbuchen kann man AON nämlich auch sehr exzellent – und dafür gibt es in der Aggregationsebene wegen der größeren Anzahl an benötigten aktiven Komponenten mit ihrem Port- und Faserbedarf auch noch einen ordentlichen Anreiz.
Die 2 Watt sind halt im PoP gerade nicht vernachlässigbar (auch wenn zugegeben auf hunderte Watt und nicht hunderte kW summiert) und die Ersparnis, die du im direkten Vergleich einer aktiven Optik mit einem in SFP-Größe geschrumpften kompletten ONT siehst, da würden mich Zahlen im Detail doch noch interessieren, bevor ich mir dann den Stromverbrauch der Bestandsrouter ansehe, die alle mit SFP-Port kommen (so wie mein Edgerouter 4 z.B., der sowieso schon mit 13W zu Buche schlägt und deshalb garantiert nicht die Wahl der großen Masse darstellt, die angeblich alle schon Hardware mit SFP-Slot zu Hause haben). Weil richtig ernst nehmen kann ich diese Behauptung, dass es genau das ist, was die breite Masse an umweltbewussten Routerfreiheitskunden einsetzt, um Strom zu sparen, dann auch nicht so richtig. Und seien wir ehrlich: Am Ende bezahlt der Kunde auf beiden Seiten den Energieverbrauch, tun wir also nicht so, dass die Einsparung im PoP nur dem Provider nützt.
Habe heute noch ein Adtran-ONT im Lab gemessen, da lag ich bei 2,9W (zugegeben ohne große Last), worauf sicherlich kein OpenWRT läuft, aber ehrlicherweise hängt ein solches Genexis-Gerät ja oft auch deshalb im Keller, weil da das Kabelfernsehen rausfällt und damit komme ich beim besten Willen in der Masse nicht auf eine angebliche Ersparnis beim Stromverbrauch durch AON beim Kunden, die den Mehrverbrauch im PoP rechtfertigt. Auf der anderen Seite ist es wiederum so, dass der Einsatz eines ONT vielen Kunden gerade erst erlaubt, ihren Bestandsrouter weiter betreiben zu können, weil sie dann eben eine Schnittstelle nutzen, die ihr bestehendes Endgerät bereits besitzt. Was du selbst in diesem Forum Menschen auch immer wieder auch als völlig legitime Lösung nahegelegt hast.
Ja, die passive Technik ist billiger, wird dafür aber mit XGS-PON in der nächst-leistungsfähigeren Generation schneller bezahlbar. Den Provider, der seine Kunden mit aktiver Technik in Deutschland an 10G hängt, sehe ich auf absehbare Zeit wiederum nicht. Lustigerweise hat ein schwedischer Hersteller, der sich genau auf solche aktive Technik spezialisiert hat, bei seinen 10G-Modellen im Uplink auch nur 10G vorgesehen. So wild ist das mit der Überbuchung am Ende wohl auch gar nicht, wenn man nicht gerade hunderte Kunden in seinem DOCSIS-Segment hat.
Ich sehe jedenfalls mehrere Provider unter unseren Kunden, die derzeit aktives Ethernet einsetzen, aber sehr ernsthaft über GPON (bzw. langfristig gerade für Gigabit-Geschwindigkeiten und darüber dann eher über XGS-PON) nachdenken, weil sie eher von Stromersparnis von um die 70% sprechen – und außerdem eben weniger Rackspace in den PoPs.