Beiträge von Sowieso

    FTTC ist zeitgleich mit Vectoring eingefuehrt worden, aber das waere auch ohne Vectoring hilfreich und moeglich gewesen...

    Der Start von FTTC war im Mitte 2006 (Ausbaubeginn entsprechend etwas vorher). In den Folgejahren wurden in etwa die 25 größten Städte ausgebaut, und auch einige weitere. Von 2008 bis 2011 gab es z.B. in Bayern auch ein erstes Förderprogramm mit dem FTTC auch in einigen ländlichen Regionen ausgebaut wurde.

    Ende 2012 konnte die Telekom ca. 12 Mio Haushalten VDSL anbieten, in etwa für je die Hälfte über FTTC bzw. direkt aus den Vermittlungsstellen (Nahbereich). Nach der Entscheidung Ende 2012 erstmal auf FTTC für Vectoring zu setzen wurde das ganze nochmal forciert, zwischen 2013 und 2019 kamen dann nochmal ca. 20 Mio FTTC-Haushalte hinzu (und zusätzlich wurden die Nahbereiche auch größtenteils auf FTTC umgerüstet).

    Das Thema Glasfaser Nordwest sollte mit der Installation der Glasfaserdose abgeschlossen sein. Es verhält sich dann wie ein normaler Telekom-Anschluss mit eingeschränkter Anbieterauswahl.

    Eher etwas andere Anbieterauswahl. Vodafone und o2 fallen weg, dafür kommt EWE hinzu (oder eine seiner Regionalmarken wie swb). Zusätzlich gibt es bei GFNW regionale Vereinbarungen mit verschiedenen Stadtwerken, und mit Deutsche Giganetz.

    Das hast du wahrscheinlich falsch verstanden, durch die FTTC-Anbindung werden nämlich erst 100 Mbit/s erzielt, der Förderzweck wurde durch die Verlegung der Faser und die Installation der aktiven Vectoring-Technik also erst erfüllt.

    Wobei ein laut OP ebenfalls vorhandener Kabelanschluss ja eigentlich sowieso gegen eine Förderung spricht. Gut, vielleicht versorgt der Kasten auch Adressen ohne Kabelanschluss und die Adresse von OP hat nur nebenbei profitiert...

    Hast du da ne Beispieladresse für? Ich konnte nicht feststellen, dass das tatsächlich existiert, immer ist entweder M-Net allein verfügbar, oder als FTTB mit 1&1, oder gar nicht und stattdessen Telekom und die üblichen Anbieter.

    Konkrete Adresse nicht. Ich verlasse mich da in erster Linie auf die Aussage von M-Net:

    "Seit 26. September [2024] können Kunden bei der Telekom diese Bandbreiten buchen, und die ersten Telekom-Kunden über das FTTH-Glasfasernetz von M-net wurden bereits einen Werktag später aktiv geschaltet."

    Dass die Telekom nicht glücklich ist mit der Vereinbarung mit M-Net (und auch jahrelang mit der SWM über die Anmietung von Glasfaser verhandelt hat) ist ja bekannt. Ich meine auch dass seit Herbst letzten Jahres die Zahl der "FTTH-Flecken" im Zentrum von München deutlich zugenommen hat (ebenso in Augsburg und Erlangen, wo die Stadtwerke ja auch an M-Net beteiligt sind). Aber welche Adressen jetzt konkret über M-Net bedient werden und welche z.B. Neubauten sind die die Telekom in den letzten Jahren selbst versorgt hat weiß ich nicht.

    Was die Telekom wohl nicht nutzt ist FTTB von M-Net. Und das betrifft wohl einen recht großen Teil des Ausbaus in München.

    Also ich erkenne so etwa ein Dutzend Netzbetreiber, mit denen die Telekom schon "zusammengeschaltet" ist, also VDSL Regio anbietet. Mit keinem davon gibt's ne FTTH-Kooperation.

    Beim M-Net bietet die Telekom sowohl bei FTTC als auch FTTH Tarife über Bitstrom-Vorleistungen an.

    Ansonsten gibt es diverse Fälle in denen die Telekom Glasfasernetze anderer Anbieter nutzt, aber in der Regel eben nur die passive Infrastruktur. Z.B. bei mehr als einem dutzend Stadtwerken. Bitstrom-Vorleistungen sind eher selten. Ich vermute bei Wilhelm.Tel in Hamburg sind das auch Bitstrom-Zugänge. Bei einigen Fällen bin ich mir nicht ganz sicher.

    Wie lange hat DG die Alleinrechte der letzten Meile, für immer, 6 Jahre oder ?

    Dort wo sie mit Fördergeldern ausgebaut hat ist sie von Anfang an zu Vorleistungen verpflichtet.

    Dort wo sie auf eigene Kosten ausgebaut hat (=in den meisten Gebieten) "für immer". Oder bis sich die rechtlichen Rahmenbedingungen ändern, oder die DG von der Bundesnetzagentur als marktbeherrschendes Unternehmen gewertet wird und damit unter die Regulierung fällt.

    Wenn ich zur Telekom wechsle, wird dann auch die Infrastruktur der Telekom benutzt oder bin ich weiterhin mit der Infrastruktur der Stadtwerke verbunden mit deren Problemen?

    Kommt auf die lokalen Gegebenheiten und damit auf die Stadt an.

    Kann sein dass Telekom und Stadtwerke komplett unabhängig mit eigenen Netzen agieren. Dann wechselst du letztlich auf ein komplett anderes Netz.

    In diversen Städten gibt es Kooperationen zwischen Telekom und lokalen Stadtwerken. Da gibt es dann auch verschiedene Varianten: in manchen Städten verlegen die Stadtwerke nur die passive Infrastruktur (Leerrohre, Glasfaser), die die Telekom pachtet und betreibt, acuh für die Stadtwerke. Da würde auch schon der Anschluss der Stadtwerke über Telekom-Technik laufen. In anderen Städten betreiben Telekom und Stadtwerke ihre Netze parallel über Fasern der Stadtwerke. In dem Fall würdest du bzgl. der aktiven Technik von den Stadtwerken zur Telekom wechseln.

    Leider hinter Paywall, daher kann ich auch nicht sagen, ob näheres zu den Hintergründen drinsteht.

    Bei mir war bis vor kurzem über Vodafone buchbar, inzwischen aber nach heutigem Test auch das nicht mehr

    Gestern war der noch nicht hinter der PayWall, da konnte ich ihn lesen. Eine Spekulation die genannt wurde war, dass Vodafone die Konditionen neu verhandeln will da DG "höher als marktübliche Preise" verlangen würde. Die Frage wäre dann warum Vodafone das jetzt plötzlich stört. Vielleicht hat 1&1 ja auch andere Konditionen? Aber 100% klar wurde das im Artikel nicht...

    bgers das liegt sicherlich an den Richtlinien für den vom Steuerzahler finanzierten, geförderten Ausbau.

    Welche sollen das sein?

    In Fördergebieten in denen z.B. die Telekom FTTH ausgebaut hat ist 1&1-Glasfaser verfügbar, zumindest in gerade geprüften Adressen in den Landkreisen Vorpommern-Rügen und Bautzen.

    In der Pressemitteilung von 1&1 und DG steht auch nichts von einer Ausnahme für Fördergebiete, im Gegenteil wir betont dass damit "insbesondere" im ländlichen Raum für eine größere Angebotsvielfalt gesorgt wird. Der Autor bei Golem versteht nach meiner Erfahrung öfters mal etwas falsch oder fehlinterpretiert Aussagen, von daher würde ich dem erstmal nicht allzuviel Bedeutung beimessen solange das so nur bei Golem steht.

    Wirklich? Ich meine im alten FTTH1.7 System gab es keine Reseller, erst mit der Einfuehrung des GGS Systems erlaubt die Telekom Reseller bei FTTH, damit waren weder 1&1, O2, noch Vodafone von Anfang an dabei...

    Ich schätze er meinte "von Anfang an" als FTTH beim ihm buchbar wurde. Erster Anbieter auf Telekom Netz war 1&1 (ab Februar 2022). Ab Ende November 2022 kam Telefonica dazu. Vodafone dann irgendwann im Laufe 2023.

    Danke! Noch eine Frage: Ist man dann an die Telekom gebunden? o2 und Vodafone z.B. sind ja Partner und nutzen die Telekom Leitungen für Ihren Zugang. Könnte man theoretisch auch direkt dort einen Tarif buchen oder geht das erst später?

    Es kommt vor allem darauf an wer bei dir ausbaut. Wenn der Ausbau durch GlasfaserPlus durchgeführt wird, dann sind 1&1, o2 und Vodafone bisher nicht verfügbar. Da gibt es bisher Plusnet als Kooperationspartner (wobei ich nicht weiß inwieweit die mittlerweile wirklich etwas anbieten), ausserdem gibt ein paar regionale Kooperationen wie z.B. mit SachsenEnergie.

    Wenn die Telekom direkt ausbaut sollte zumindest 1&1 von Anfang an verfügbar sein, eventuell auch o2 und Vodafone. 1&1 bewirbt z.B. die Starts der Vorvermarktung in Telekom-Ausbaugebieten manchmal mit eigenen Pressemitteilungen.

    Das bedeutet letztlich dass ab 02.08. die Vorvermarktung für dein Ausbaugebiet startet. D.h. du wirst den Anschluss bestellen und Tarife buchen können. Dabei wird es sicher auch eine Zeitangabe geben bis wann der Bau des Anschlusses dann geplant ist - nach aktuellen Zeitplan. Das kann sich dann natürlich trotzdem noch ändern.

    Könnte ich denn auch mit einem reinen GPON-Modem (bpsw. FB 5590) an einen XGS-PON-fähigen Anschluss gehen und es gibt einen Fallback? Bisher war ich im Begriff dass das nicht funktioniert, auch wenn die Passivtechnik dieselbe ist.

    Es ist nicht wirklich ein "Fallback", es können schlicht beide Standards parallel im gleichen PON-Segment betrieben werden falls der Anbieter das unterstützt. Auf Anbieterseite müssen beide Wellenlängenpaare "gesendet/empfangen" werden. Auf Kundenseite kommuniziert dann ein GPON-Modem über die GPON-Wellenlängen, ein XGS-PON-Modem über die XGS-PON-Wellenlängen. Die Modems "wissen" überhaupt nichts vom anderen Standard, da sie die anderen Wellenlängen nicht verwenden.

    Das ist auch das praktische beim Umstieg auf XGS-PON: Anbieter können XGS-PON irgendwann zusätzlich anbieten. Kunden müssen nicht zu einem Stichtag migriert werden.

    Ein neuer Anbieter der direkt nur XGS-PON verwenden will muss natürlich nicht unbedingt GPON aktivieren. In so einem Fall könnte sich ein GPON-Modem des Kunden nicht verbinden.

    Das ist sehr optimistisch... was gerade passiert ist, dass die selben Unternehmen die sich ueber die Foederung echauffieren, gleichzeitig angekuendigte/geplante Ausbauten wieder absagen, d.h. der Anteil der Anschluesse die auf eigenwirtschaftlichen Ausbau hoffen duerfen sinkt aktuell...

    Das wird man sehen. Aktuell schieben wir in Deutschland alleine beim geförderten Ausbau einen Berg an Projekten mit >10 Mrd Euro Fördermitteln vor uns her, die gerade verbaut werden oder verbaut werden müssen. Dazu kommt nach wie vor eigenwirtschaftlicher Ausbau. Aktuell gibt es keinen Leerlauf. Wenn die Gefahr eines Leerlaufs absehbar wäre, könnte man ja die Förderung auch wieder ausweiten und mehr Gebiete fördern. Stattdessen hat man das eben zu einer Zeit gemacht in der der Markt sowieso schon überhitzt war und z.B. die Tiefbaupreise auch wegen Kapazitätsengpässen gestiegen sind. Förderung ausweiten wenn und falls der Markt abflaut wäre da sinnvoller gewesen.

    Ja haette man machen koennen, und wie gesagt, as Sicht eines Anteilseigners der ausbauenden ISPs klingt das sicher auch ganz ueberzeugend/attraktiv.

    Ich hätte es gerade als Steuerzahler attraktiv gefunden.

    Fast die Schwellen sind in der aktuellen Richtlinie 300/150, aber ich habe nicht nachgesehen, ab wann diese Werte gelten.

    Stimmt, 150 Mbit/s im Upload. Tippfehler beim Abschreiben. Aber ändert jetzt nichts wesentliches...

    Gilt in dieser Variante seit April 2024, davor waren es (seit März 2023) "500 Mbit/s im Download oder 200 Mbit/s symmetrisch".

    Haengt davon ab ob Starlink hier als "Netz" gilt, oder nicht... und was fuer FWA/5G/LTE gilt.

    Die Versorgung richtet sich nach dem Breitbandatlas, mit den dort erfassten Technologien. Da geht es um kabelgebundene Technologien (HFC, FTTB/H, DSL in seinen verschiedenen Varianten). Früher (vor 2020) wurde z.B. auch LTE bei der Breitbandversorgung mit berücksichtigt. Da galt Versorgung mit LTE per Definition als Versorgung <30 Mbit/s, d.h. auch "weiße Flecken" blieben nach LTE-Ausbau "weiß" und waren schon bei der ganz alten Aufgreifschwelle von 30 Mbit/s förderfähig. War also für die Förderung schon immer irrelevant.

    IMHO vollkommen zu recht. Die Ausruester stellen gerade/haben gerade die Produktion von VDSL2/FTTC Linecards ein/eingestellt (

    Dass DSL abgelöst werden muss ist ja auch völlig unstrittig.

    Das ist IMHO zu optimistisch nur zu hoffen, dass die unsichtbare Hand des Marktes das schon hinbekommen wird,

    Wird sie nicht. Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: Förderung ist nötig bzw. wird auch nötig sein. Die Frage ist eben nur, wann man die Gießkanne auspackt. Solange noch viel Investorengeld im Markt ist wäre es meiner Meinung nach eben sinnvoller gewesen Fördergeld gezielter einzusetzen. Aber gut, da kann man offensichtlich unterschiedlicher Meinung sein.

    Und klar: man kann sich auch ein völlig anderes System vorstellen, z.B. mit einer staatlichen Netzgesellschaft die alles ausbaut. Das ist für die Frage ob unter den gegebenen Umständen die Ausweitung der letzten Jahre sinnvoll war oder nicht aber auch nur mäßig relevant.

    Aber als Bewohner ist mir das Allgemeinwohl wichtiger als die maximale Profitabilitaet der ISPs.

    Sehe ich auch so. Aber zum Allgemeinwohl zählt für mich auch der sinnvolle Umgang mit Steuergeldern. Und da ist die starke Ausweitung der Fördermöglichkeiten mMn nicht effizient.

    Die Ausweitung der Fördermöglichkeiten führte dazu, dass auch viele Gebiete als unterversorgt gelten die realistischerweise in den nächsten Jahren auch eigenwirtschaftlich ausgebaut werden können. Klar gibt es erstmal eine Markterkundung, aber wenn es noch sehr viele unterversorgte Gebiete gibt ist die Gefahr groß dass kein Anbieter für manche abgefragte Gebiete eine konkrete Ausbauankündigung abgibt - damit werden sie förderfähig und können ausgeschrieben werden. Man hätte die Fördergrenze auch noch für ein paar Jahre auf einer niedriger Schwelle belassen können, so dass wirklich nur schlecht versorgte und damit oft auch besonders aufwendig auszubauende Adressen in die Förderung kommen. In ein paar Jahren, wenn die "Restmenge" übersichtlicher wird hätte man für die verbliebenden Gebiete die Markterkundungen starten können um zu sehen wo noch Förderung nötig ist.

    Dazu kommt eben der bürokratische Aufwand für unnötig viele Förderverfahren, inklusive der Markterkundungen und der Planungen für abgegebene Angebote (bei denen per Definition alle Planungen bis auf eine umsonst waren). Klar, das ist erstmal ein Problem für die ISP, aber ich sehe da auch keinen Vorteil für das Allgemeinwohl. Mehr Aufwand beschleunigt den Ausbau sicher nicht.

    Das ist Dein gutes Recht das so zu bewerten. Ebenso ist es mein gutes Recht das anders zu bewerten. Allerdings sind die Regel der Gigabit-Richtline 2.0 nicht gar so lax wie Du anzudeuten scheinst:

    Ich kenne die Richtlinie, und genau diese meinte ich mit meiner Aussage.

    Ausgeschlossen von der Förderung sind also Adressen bei denen mindesten einer der Punkte zutrifft (oder bald zutreffen wird, was ja dann in der Markterkundung festgestellt wird):

    1. Verfügbarkeit von gigabitfähigen Netzen
    2. Verfügbarkeit DOCSIS 3.1
    3. Verfügbarkeit von 300/100 Mbit/s (Down/Up)
    4. Verfügbarkeit von mindestens zwei Netzen mit 100 Mbit/s (Down)

    Und das bedeutet praktisch die Förderfähigkeit von Adressen ohne Kabel- oder FTTB/H-Versorgung.

    Nur FTTC-Versorgung, und sei es Supervectoring in bestmöglicher Qualität, erfüllt z.B. keine der Anforderungen.

    Ja, es gibt noch die Möglichkeit "Kabelnetz < DOCSIS3.1, aber kein FTTC oder FTTB mit zumindest 100 Mbit/s". Laut Breitbandatlas gibt es 1,2% der Haushalte, die Internet über HFC bekommen können, aber keinen Gigabitanschluss über HFC. Der Anteil dieser 1,2% der zusätzlich auch keine 100 Mbit/s über FTTC oder FTTB bekommen kann wäre also auch noch förderfähig.

    Und Haushalte die FTTB bekommen können, aber darüber nur weniger als 300/150, und ansonsten auch keine Kabelversorgung und kein FTTC mit 100 Mbit/s käme auch noch dazu.

    Aber das dürfte beides eher exotische Fälle sein, die die Zahl der förderfähigen Adressen nicht wesentlich verändert. Und abgesehen davon: diese Sonderfälle bedeuten, dass sogar bei vorhandener Kabel- oder FTTB-Versorgung eine Förderfähigkeit im Prinzip gegeben sein kann. Das macht die Regelung eher noch "laxer".

    Weil die halt keine Zeit und Ressourcen mit dem Ausbau nicht/wenig lukrativer Anschluesse binden wollen... ich bin sicher, dass sich das aendert sobald die lukrativen Anschluesse umgebaut sind. Dann heisst es bestimmt "Foerderung oder es wird nichts passieren"...

    Besonders unlukrativ sind eben diejenigen Haushalte, die besonders abgelegen sind. Die hätte man auch weiter über Förderung erreicht wenn man die Förderschwelle bei 30 Mbit/s oder 100 Mbit/s belassen hätte. Dass es Förderung braucht für die Vollversorgung ist ja unstrittig, die Diskussion geht eher darum wie weit und wie schnell man die Förderungen ausweiten muss. Dass effektiv alle Adressen ohne Kabel- oder FTTB/H-Verfügbarkeit förderfähig sind ist zu diesem Zeitpunkt eben übertrieben. Da hätte man die Förderung weiter auf schwierig zu versorgende Adressen begrenzen sollen und z.B. bei >100 Mbit/s erstmal dem eigenwirtschaftlichen Ausbau den Vortritt lassen können.

    Der Gesetzgeber will möglichst kein Geld in dieses Art der Infrastruktur stecken => eigenwirtschaftlicher Ausbau vor Förderung! Begründung: Die Netzeigentüer wollen ja damit Geld verdienen. Also sollen sie es auch selber bezahlen.
    Gleichzeitig wünscht der Gesetzgeber (wir alle!) aber einen flächendeckenden Ausbau ohne Ausnahmen um annähernd gleichwertige Lebensbedingungen zu schaffen.

    Wobei wir im Breitbandmarkt die etwas kuriose Situation haben dass praktisch alle Anbieter (Telekom-Konkurrenten über deren Verbände wie VATM, Breko, als auch die Telekom selbst) schon seit längerem vom Staat fordern dass dieser sich bei der Förderung mehr zurück hält.

    Für einen flächendeckenden Ausbau ohne Ausnahmen braucht man natürlich Förderung. Aber dafür hätte es auch gereicht die Grenze für eine förderfähige Unterversorgung erstmal bei maximal 30 Mbit/s zu belassen. Oder notfalls auch 100 Mbit/s. Der Staat hat aber nach 2020 die Grenzen immer weiter angehoben, so dass immer mehr Haushalte förderfähig wurden. Das hat in der Branche niemand gefordert.

    Es ist also mMn durchaus der Staat der hier einen etwas übertriebenen Aktionismus an den Tag legt.

    Glasfasernetze sind bisher explizit von der Regulierung ausgenommen.

    Seit 2022 gibt es eine Regulierung für die Telekom-FTTH-Netze, nach denen die Telekom ein (von der Bundesnetzagentur zu genehmigendes) Standardangebot für Vorleistungen vorlegen musste zu dessen Konditionen jeder Anbieter FTTH-Tarife über Telekom-Netz anbieten kann. Mitte 2024 wurde das auf Glasfaser Nordwest und GlasfaserPlus ausgeweitet:

    "Die Bundesnetzagentur hat in vier Regulierungsverfügungen die Regulierung für die Glasfaser NordWest GmbH und die Glasfaser Plus GmbH festgelegt. Damit wird der Rahmen, der bereits für die Glasfaserinfrastruktur der Telekom Deutschland GmbH (Telekom) gilt, auf deren Glasfaserbeteiligungen erstreckt."

    Früher hat Telekom immer behauptet sie selbst sei Netzbetreiber von hoher Qualität und stolz darauf manwürde sich niemals auf Netze privater Netzbetreiber wie Vodafone, o2 etc. einkaufen, da man auf die Qualität des Netzes der Deutschen Telekom bei den Mitbewerber nicht gewährleisten kann.

    Wann und wo hat sie das so pauschal behauptet? Bei FTTC mietet sich die Telekom seit etwa 10 Jahren bei anderen Netzbetreibern ein und bietet ihre VDSL-Tarife dort an wo diese Anderen FTTC und Vectoring ausgebaut haben. Dort nutzt sie auch deren Technik. Und bei FTTH ist die älteste mir bekannte Kooperation aus dem Jahr 2012, in diesem Fall allerdings wohl nur passive Netzinfrastruktur (also die Fasern selbst). Ähnliches gibt es mittlerweile mit über einem Dutzend Stadtwerken.

    Bei GlasfaserPlus ist der Sonderfall dass diese Firma der Telekom zu 50% gehört. GF+ ist ein Joint Venture der Telekom mit einem australischen Pensionsfonds, der hier nur Geld anlegt. Auch wenn es formal eine andere Firma ist, die technische Umsetzung geschieht sicher so wie die Telekom es haben will. Über GF+ kann die Telekom einfach noch ein paar Mrd Euro mehr in den Glasfaserausbau investieren, ohne selbst zusätzliche Schulden machen zu können die in der Bilanz auftauchen würden. Ähnliches gibt es ja schon seit Jahren bei Glasfaser Nordwest, einem Joint Venture mit EWE. Wobei EWE sicher eine stärkere eigene Meinung dazu hatte wie die Netze gebaut werden sollen als ein australischer Pensionsfonds.

    Ob die GF+ den Ausbau jetzt noch durchzieht lässt sich so einfach nicht beantworten. GF+ hat auch schon Ausbaugebiete wieder abgesagt nachdem anderen ausgebaut hatten. Sind denn noch laut Verfügbarkeitsprüfung Glasfaser-Tarife verfügbar?