Es geht nicht um Kosten. Der Investitionsdruck ist enorm. Es geht darum, dass man ein Preisniveau etablieren möchte, aber dabei übersieht, dass den meisten eben doch DSL mit 50Mbit/s reicht. Die FTTH-Anbieter tun so, als wäre das keine Konkurrenz, weil das ja eine technologische Sackgasse ist. Na gut, kann man so sehen, aber solange die Kunden nicht zu FTTH wechseln, füllt der Platzhirsch mit den alten Telefonleitungen die Kriegskasse gegen die Neuankömmlinge.
FTTH muss das offensichtlich bessere Angebot sein, und das erreicht man z.B., indem man etwas, das nicht viel kostet, günstig anbietet (und liefert!): Bandbreite. Die Anschlusstechnik ist sowieso auf Gigabit ausgelegt, und die Anschlüsse sind mit Abstand der größte Posten für den ISP, nicht das Netz dahinter. Oder man nimmt die ~20€/Monat, die man dank eigener Leitungen nicht für Vorleistungen an die Konkurrenz zahlt, und realisiert einen günstigen Tarif für Wenignutzer. Nein, tut man nicht, weil das die Preise kaputt macht. Alles, nur nicht das. Wenn man weder die Preisführerschaft anstrebt, noch die Qualitätsmarke sein will, wird es marktwirtschaftlich aber natürlich dünn.
Der ROI kann dann aber meist nicht gehalten werden. Und natürlich geht es um die Kosten, deshalb wird dort ja auch an allen Ecken gespart wo es geht, zumindest bei den ausbauenden Unternehmen, die von Fonds finanziert werden wie die DG.
Natürlich ist die Störfestigkeit ein Argument für Glasfaser, es gibt viele leidgeplagte xDSL und DOCSIS Nutzer, die nur aufgrund der Tatsache, das es sich beim Access Netz um Kupferleitungen handelt, Störungen und Probleme haben. Gegen den "Kupfer-Platzhirsch" kommt man kostenmäßig leider nicht an, auch wenn die Vorleistungspreise deutlich über dem liegen, was die Telekom tatsächlich an Kosten entstehen. Das wird in einigen Jahren wieder anders aussehen, zumindest wenn die Vorleistungspreise künstlich deutlich angehoben werden, um xDSL unattraktiver erscheinen zu lassen. Dann wäre nur noch DOCSIS einigermaßen konkurrenzfähig.
Ich meine ja, es wäre deutlich lohnenswerter, das Netz direkt zu Beginn für alle interessierten Wettbewerber zu öffnen und ehrliche Vorleistungspreise zu verlangen. Das verhindert Doppelausbau und erhöht die Takeup-Rate. Ohne Kooperationen geht es einfach nicht, das wird auch noch die DG lernen, die sich da scheinbar insgeheim dagegen zu wehren scheint. Zumindest ist es für mich ein Armutszeugnis, wenn der größte deutsche FTTH-Buddler es nicht auf die Kette bekommt, sein Netz technisch an andere Carrier zu übergeben. Selbst die Fusion mit Inexio ist technisch noch lange nicht abgeschlossen, viele Inexio FTTH Kunden können nicht einfach zur DG wechseln, obwohl es sich seit 2-3 Jahren um dieselbe Unternehmensgruppe handelt.