Kürzlich mal wieder was in der Zeitung:
In Albershausen ist schnelles Internet nur ein schönes Versprechen
Seit Jahren wird in dem Ort gegraben und gebuddelt, doch einen Glasfaseranschluss hat fast niemand bekommen. Auch wenn das Landratsamt von einer 90-prozentigen Abdeckung spricht.
Die Freude bei Landrat Edgar Wolff war Ende März groß, als er in einer Pressemitteilung des Landratsamts bekanntgab, dass es mit dem Glasfaserausbau vorangehe und sechs Kommunen im Kreis bereits eine Abdeckung von mindestens 90 Prozent der Haushalte aufwiesen. Die Orte, darunter auch Albershausen, hätten das für 2030 avisierte regionale Ausbauziel schon vor der Halbzeit erreicht. Damit sei der Kreis „gut im ‚Club der Neunziger‘ vertreten“, kommentierte Wolff die Zahlen. „Die Kooperation mit der Gigabit-Region Stuttgart ist erfolgreich.“ Doch zumindest in Albershausen liegen zwischen offizieller PR und der Realität Welten.
Bereits jetzt hätte alles fertig sein sollen
Zuständig für den Anschluss ans schnelle Netz der Albershäuser ist die Deutsche Glasfaser (DG), die mit dem Versprechen angetreten war: Sollte sich jeder dritte Haushalt für einen Anschluss entscheiden, wird das Unternehmen die schnellen Zugänge verlegen. Mitte Mai 2023, vor genau zwei Jahren, war es dann so weit: Nach längeren Vorarbeiten fand der offizielle Baustart mit Spatenstich statt, ein Verantwortlicher versprach eine Bauzeit von zwei Jahren, bis alle Kunden am Netz sind. Somit war die Gemeinde die erste im Kreis, in der der Glasfaserausbau der Firma anlief. Doch die anfängliche Freude ist längst Ernüchterung gewichen, bei Kunden ebenso wie beim Bürgermeister. Von 90 Prozent Haushaltsabdeckung, wie vom Landratsamt verkündet, kann keine Rede sein.
Der Ort hat etwa 4400 Einwohner und die Pressesprecherin der DG, Diana Stiebe, räumt auf Nachfrage ein: „Rund 50 Kunden sind, Stand heute, in Albershausen aktiviert – somit am Netz.“ Von 50 Anschlüssen weiß Bürgermeister Jochen Bidlingmaier nichts, immerhin so viel: „Sie haben die ersten Anschlüsse aktiviert, ich weiß definitiv von zweien.“ Er erinnert sich: „Sie haben am Anfang Gas gegeben, waren mit sehr vielen Trupps da und haben den ganzen Flecken umgetrieben.“ Doch anschließend sei nicht mehr viel passiert. „Ich weiß nicht, wie oft ich schon nach einem Bauzeitenplan gefragt habe“, sagt der Rathauschef. „Doch die winden sich raus, ich kriege nichts.“ Er wundere sich über das Prozedere, meint Bidlingmaier, und fügt resigniert an: „Aber eigentlich wundert mich nichts mehr.“
Gerd Schmelzle aus Albershausen hat einen Vertrag bei der DG unterschrieben, die Kabel liegen bereits seit Sommer 2023 in seinem Wohnzimmer. Doch sie führen nicht ins Internet, sondern ins Nirgendwo. „Die Deutsche Glasfaser ist eine Katastrophe“, sagt der Ingenieur und fragt sich: „Womit finanzieren die das?“ Schließlich müssen die Kunden erst bezahlen, wenn der Anschluss steht, die Verträge haben eine Mindestlaufzeit von 24 Monaten. Er wundert sich: „Das ist, wie wenn man Wasserleitungen ohne Wasser verlegt.“ Er selbst kenne niemanden im Ort, der bei der DG bereits am Netz sei.
Schmelzle erinnert sich, dass die notwendige Anzahl an Verträgen im April 2022 vorlag und eine Fertigstellung der Anschlüsse noch bis Ende 2022 in Aussicht gestellt worden war. Besonders kurios: „Im Januar dieses Jahres erhielten wir überraschenderweise einen Flyer mit dem Titel ‚Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Glasfaseranschluss‘“, berichtet der Albershäuser. „Was dieser Flyer sollte, ist uns bis heute ein Rätsel, denn er löste keinerlei weitere Aktion aus.“ Er glaubt vielmehr: „Wann die vor drei Jahren begonnenen Arbeiten fertiggestellt werden, lässt sich, nach allem, was mir bekannt ist, derzeit noch überhaupt nicht sagen.“
Konkrete Daten sind nicht bekannt
Das räumt das Unternehmen auch selbst ein: Der Generalunternehmer Geodesia habe seinen Baupartner ausgetauscht, der heiße nun HHR Glasfaser, eine Entscheidung, auf die die DG keinen Einfluss habe, sagt Sprecherin Stiebe. Wie und wann es weitergeht, weiß sie auch nicht: „Aktuell werden neue Bauzeitenpläne von Geodesia /HHR Glasfaser erstellt. Konkrete Daten, wann die Arbeiten fortgesetzt werden, sind derzeit nicht bekannt, aber Deutsche Glasfaser informiert, sobald es Neuigkeiten gibt.“