Beiträge von Stefan Krämer

    Es wird immer wieder fälschlich behauptet, dass Glasfaser nahezu unbeschränkte Datenübertragsraten ermöglicht. Oft werden Raten in der Größenordnung von 100 Tbit/s genannt.
    In Wirklichkeit treten bei Glasfaser jedoch die gleichen Probleme wie bei Kupfer auf: Beschränkung durch Dämpfung. Je nach Aufwand, Betriebskosten und Übertragungsverfahren sind unterschiedliche Geschwindigkeiten möglich.
    -> Leider herrscht hierüber großes Schweigen und Geheimhaltung. Dem muss Abhilfe geleistet werden. Jeder Bürger weis, was mit den verschiedenen Verkehrswegen und Fahrzeugen möglich ist und kann dementsprechend zu Feiertagen, Ferien etc. die für ihn optimalen Strecken und Verkehrsmittel auswählen. Die gleiche Klarheit muss auch bei den Glasfaserleitungen hergestellt werden.
    -> Offenbar gibt es zwei verschiedene Verfahren:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Multiplexverfahren#DWDM
    (1) Dense Wavelength Division Multiplex (DWDM) als leistungsstärkste Variante ermöglicht
    "10–100 Gbit/s pro Kanal bei bis zu 80 Kanälen". Das wären insgesamt 0,8 bis 8 Tbit/s.
    (2) Coarse Wavelength Division Multiplex (CWDM) als preisgünstige Variante ermöglicht
    "bis 10 Gbit/s pro Kanal bei 18 Kanälen". Das wären insgesamt bis zu 180 Gbit/s.
    -> Diese Angaben erscheinen mir aber ziemlich vage und datieren auf ein Papier von 2003. Das kann aber
    nach 15 Jahren nicht mehr aktuell sein.
    -> Zu den Problemen:
    DWDM. Je höher die Datenrate auf einem Kanal, umso größer werden Beeinflussungen durch Dispersion. Bei Datenraten ab 10 Gbit/s muss mit Beeinflussungen durch chromatische Dispersion gerechnet werden, bei Datenraten ab 40 Gbit/s kommen weitere Effekte, wie etwa die Polarisationsmodendispersion (PMD) hinzu. Diese linearen Verzerrungen treten innerhalb jedes Kanals getrennt auf und können zumindest teilweise kompensiert werden, entweder durch Hardware-Kompensatoren oder durch schnelle Signalprozessoren. In Wellenlängen-Multiplexsystem kann es darüber hinaus auch zu nichtlinearen Verzerrungen kommen, durch welche die optische Leistung in einem Kanal die Übertragung der Nachbarkanäle stört. Bei der Vierwellenlängen-Mischung entsteht aus drei optischen Frequenzen eine vierte, die in einen anderen Übertragungskanal fallen kann. Durch die Kreuz-Phasen-Modulation ändert die Leistung eines optischen Kanals die Brechzahl der Faser und damit die Phase der Nachbarkanäle, wodurch auch eine Depolarisation eintreten kann.
    CWDM. "Je nach Fasertyp und Systemhersteller können nicht immer alle Wellenlängen genutzt werden. Diese „grobe“ Aufteilung der Wellenlängen wurde gewählt, um kostengünstigere Laser und Komponenten verwenden zu können."

    In vielen Orten wird es in absehbarer Zeit kein FTTH geben. Dann ist man auf FTTC angewiesen. In vielen alten Häusern gibt es nur alten Klingeldraht als Inhouseverkabelung. Dieser ist wesentlich dünner als die Kupfer-Kabel in der Erde und bilden somit einen Flaschenhals in einem FTTC-Netz.
    -> In diesen Fällen bringt eine Erneuerung der Inhouse-Verkabelung wesentliche Verbesserungen. Es gibt Meßwerte mit Steigerungen von 60 auf 80 Mbit/s.
    -> Als Kabelart kommen zwei Varianten in Betracht:
    (A) CAT-7-Kabel, wovon nur 2 Adern genutzt werden.
    (B) Ein speziell abgeschirmtes 2-adriges Kabel mit 0,8 mm.
    -> Hat jemand Erfahrungen bzw. weitere Vergleichs-Meßwerte mit einer neuen Verkabelung?

    Genau so ist es. Die Glasfaser sollte soweit wie möglich an den Router herangeführt werden. Aber wie gesagt: es geht nicht um Glasfaser, sondern um die Infrastruktur dafür. Es geht also um das Verlegen einer Speed-Pipe vom Keller bis zum Router. Da kann man gern zunächst auch ein CAT-7 Kabel durchstecken solange es noch keine Glasfaserrouter gibt.
    -> Sehr erfreut hat mich, dass im Bild deutlich zu sehen ist, das Innogy beide Enden der Pipe einführt.

    Wichtiger als der Digitalpakt wäre es alle Schulen mit Gigabit-Geschwindigkeit zur einem erschwinglichen Preis anzuschliessen. Dies wäre eine notwendige Grundlage für alles weitere.
    Eine übermäßigen Digitalisierung an Schulen sehe ich wie der Hirnforscher Manfred Spitzer kritisch:
    "Wenn Sie gute Computeringenieure haben wollen, dann dürfen Sie in der Schule keine Laptops einsetzen."
    -> Es ist falsch in der Schule überwiegend fertige Endprodukte einzusetzen. Es fehlen dann dem Schüler Anreize sich anzustrengen.
    -> Nachhaltiger wäre es Werkunterricht am Gymnasium einzuführen, damit die Schüler lernen die Dinge herbeizuführen.
    -> Inzwischen fällt es Schülern zunehmend schwerer eine Schere zu bedienen und mit einem Füller zu schreiben. Kugelschreiber und Tintenroller produzieren eine kaum lesbare Krautwurst.

    Für Signale mit Drehimpuls sind jedoch spezielle Fasern notwendig. Deshalb ist es ganz wichtig - aber das begreifen offenbar nicht alle Entscheidungsträger - dass zwingend Infrastruktur für Glasfaser verlegt werden muss, damit sich die Leitungen austauschen lassen.
    Es müssen also TK-Rohre, Speed-Pipes, Schächte und Verteilerschränke für die Speed-Pipes (sog. DP's) verlegt bzw. verbaut werden.
    https://t3n.de/news/forscher-s…sfaserverbindung-1125879/
    https://www.pcwelt.de/a/100-ma…glasfaser-technik,3462734

    Wie geht es von der Opti-Box weiter? Gibt es da auch Bilder?
    Die Strecke Straße - Hauseinführung - Optibox ist so aber nicht zukunftsfähig. Im Haus sollte ein TK-Rohr ankommen, damit weitere Leitungen nachziehbar sind bzw. die Speed-Pipes austauschbar sind. Grundsätzlich sollten beide Enden der geschnittenen Pipe aus der Straße eingeführt werden.

    Das ein Netzbetreiber SpeedPipes Inhouse mitbringt ist sehr innovativ. Gibt es dazu genauere Informationen bzw. Bilder?
    Die Pipes sollten auf jeden Fall vom Keller bis zum Router verlegt werden.
    Erfahrungen zu den Kosten gibt es nicht. Oft wird der NT neben den HüP gesetzt und dann Cat7 bis in die Wohnung verlegt.
    Ein solches Vorgehen ist nur eien behelfslösung. Die Glasfaserleitung sollte unbedingt bis zum Router verlegt werden, nur das ist zukunftsfähig. Es werden sich in den nächsten 20 Jahren Glasfaserrouter durchsetzen.

    Eine möglicherweise als agressiv empfundene Werbung für Echte Glasfaser ist die eine Seite. Die andere Seite sind Regionen mit einer fürchterlichen Hinterzimmerpolitik. Die Bürger haben kein Mitspracherecht und es werden sogar Maulkörbe verpasst. Hier kommen Anbieter mit Echter Glasfaser nicht zum Zug. Die Ratsmitglieder verdrehen die Augen, wenn Fragen zum Thema gestellt werden. Man will das Thema nicht. Es werden die Kupferleitungen ertüchtigt und die Coax-Netze geschützt. Neubaugebiete werden mit Kupfer erschlossen, Hausanschlüsse nicht vorbereitet. Das DigiNetz-Gesetz wird nicht eingehalten, Glasfaser bei Baumaßnahmen nicht mitverlegt.

    Bei uns in 33014 Bad Driburg hat Innogy die Behelfstechnologie FTTC ausgebaut. Der Bürgermeister hatte mit "bis zu" 300 Mbit/s geworben. Alles nur heiße Luft. Der Ausbau sollte im Januar 2018 fertig sein, es hat dann Verzögerungen gegeben. Inbetriebnahme war am 27.8.2018. Ausgebaut wurde nur normales Vectoring mit "bis zu" 120 Mbit/s. Wer Glück hat, bekommt 108 Mbit/s. Wer eine lange Kupferleitung hat, entsprechend weniger. Im Extremfall kann es sogar unter 30 Mbit/s absinken.

    Es muss jedoch ganz deutlich gemacht werden, dass 5G kein Ersatz für FTTH sein darf. Warum?
    1. Echte Glasfasernetze sind die Voraussetzung für 5G
    2. Funk ist für mobile Geräte sinnvoll. Der Einsatz ist meist nur kurzzeitig. Niemand steht in der Fußgängerzone länger als 3 Stunden mit seinem Smartphone. Festgeräte mit Funk anzubinden kann fehleranfällig sein. Außerdem ist es ein shared medium.
    3. Funk birgt gesundheitliche Risiken.
    -> Also FTTH bis auf den letzten Bauernhof. Das ist die beste Voraussetzung für 5G.

    Es gibt Regionen, da geht der Echte Glasfaserausbau nicht voran und es ist dort politisch auch nicht gewollt. Es werden die Kupferkabel hochgehalten, die Behelfstechnologie FTTC und die Koxialkabel gelobt. Bemerkenswert ist, dass dort der Ausbau von FTTC erst beginnt oder geplant ist. Bestimmte Firmen, die eine Behelfstechnologie ausgebaut haben sollen vor einem FTTH-Überbau geschützt werden.
    1. Kreis Lippe
    2. Kreis Höxter
    3. Nordhessen bis auf wenige Gebiete der Deutschen Glasfaser
    Wo ist das noch so?

    Wichtig für den Erfolg einer Nachfragebündelung sind u.a. auch die Tarife. FTTH-Tarife sollten in der unteren Preisklasse günstiger sein als teure Tarife der Behelfstechnologie Vectoring. Das wirkt dann sehr überzeugend.
    1. Helinet Delbrück 100 Mbit/s symmetrisch für 39,95€
    https://www.city2020.de/ausbau…20Doppelflat_20171101.pdf
    2. RSM Connect 100 Mbit/s symmetrisch für 39,90€
    http://www.rsm-connect.net/de/produkte
    *** Zum Vergleich einige teure Tarife der Behelfstechnologie Vectoring
    1. Innogy "bis zu" 120 Mbit/s (down) und 40 Mbit/s (up) für 46,90€
    2. Telekom "bis zu" 100 Mbit/s (down) und 40 Mbit/s (up) für 44,95€

    Sehr gute Frage. Ich sehe vor allem folgende Gründe:
    1. Kupferkabel-Lobbyismus. es wird tatssächlich gegengesteuert und angeraten nicht zu unterschreiben. Die Telekom würde ja auch "Glasfaser" anbieten.
    2. Einigen reichen tatsächlich noch 16 Mbit/s aus.
    3. Einige scheuen die Umbauarbeiten im Haus. Klingeldraht im Haus geht dann ja nicht mehr.
    4. Unzureichendes Interesse. Thema sei weniger wichtig.