Erfahrungsbericht Teil 3
Nun, Anfang November habe ich über den Beauftragten in unserer Gemeindeverwaltung nachfragen lassen, ob und wann das mit der Installation von HÜP und ONT noch etwas wird. Wunder über Wunder, keine zwei Tage sind vergangen, klingeln erneut zwei spanische Fachkräfte an meiner Haustüre. Einer kommt aus Peru, der Andere aus Venezuela und spricht sogar sehr gut Deutsch. Mit unglaublicher Geduld und gaaanz ruhigen Fingern werden die beiden Fasern der GF-Leitung in der Spleißbox des HÜP mit ihren jeweiligen Partnern verschweißt. Das etwa 70 mm breite, 100 mm lange und 18 mm tiefe Kunststoffkästchen wird im Haus-Installationsschrank befestigt und fertig ist Akt 1 des GF-Anschluss. Von der oberen Etage führt der freundliche, deutsch sprechende Kollege die vorkonfektionierte GF-Leitung, die HÜP und ONT verbinden soll, durch mein vorbereitetes Leerrohr (vergleiche Teil 2 meines Berichts). Der Stecker mit der Leitung lässt sich problemlos durchziehen, der Aufwand meinerseits hat sich gelohnt. Schnell sind die Steckverbindungen hergestellt und mit dem Einstecken der Stromversorgung für den ONT wäre der 2. Akt abgeschlossen. Die Leitung ist unsichtbar in der Wand versteckt und die Verbindung steht.
Dachte ich ...
Tatsächlich leuchtet eine kleine, blaue LED im schwarzen ONT Kästchen. Sie steht für eine funktionierende Spannungsversorgung.
Was ich aber nicht wusste, sondern erst im Verlauf der nächsten Wochen in Erfahrung brachte - danke Ihr lieben Bekannten im Dorf - es müssten zwei !!! kleine, blaue LED leuchten. Die zweite LED zeigt eine funktionierende Verbindung ins Glasfasernetz an.
Ende November bekomme ich zwei SMS auf mein Telefon, die besagen, dass mein Auftrag bei O2 nun bearbeitet wird und dass der große Tag der Aktivierung meines GF-Anschlusses auf den 29. Dezember gelegt ist. Parallel treffen per Brief die Kündigungsbestätigung der Telekom und die Zugangsdaten für den O2 Anschluss ein. Im Telekom-Brief steht auch geschrieben, dass zum Ende des Aktivierungstages der Telekom-Dienst eingestellt wird. Das macht mich nachdenklich: Zwischen Weihnachten und Neujahr soll umgestellt werden, offensichtlich funktioniert etwas mit meiner Verbindung ins GF-Netz noch nicht und aufgrund der Feiertage werden die Fachkräfte sicherlich nicht sofort ausrücken, weil bei mir etwas nicht klappt.
Also schnell bei O2 angerufen. Dort versichert man mir, dass im Rahmen der Aktivierung ein Techniker kommen wird (ich soll mich ja laut Brief zwischen 8:00 und 12:00 Uhr bereit halten) und der kümmert sich auch um die ordnungsgemäße Einrichtung der Verbindung. Ok, dann könnte ich ja Akt 3 ganz ruhig entgegen sehen.
Habe ich aber nicht. Die Vorstellung, dass der Techniker, der sich "auch um die ordnungsgemäße Einrichtung der Verbindung kümmern wird", ungeahnten Hürden gegenüberstehen könnte, lässt mich nicht ruhen. Zwei Tage vor Sylvester die Aktivierung, dann haben wir Neujahr und noch den Sonntag, in der folgenden Woche den Dreikönigstag und eigentlich erst ab dem 10. Januar wieder Regelbetrieb - wenn da etwas schief geht, müssen wir uns 12 Tage mit Brieftauben behelfen und können nicht einmal telefonieren, weil auch das "Festnetz" an der Glasfaser hängt.
Deshalb habe ich - Mitte Dezember - eine freundliche e-mail an den Service von UGG geschrieben. Meiner bescheidenen Meinung nach wäre die Verknüpfung unserer Leitung im grauen Netzwerkverteilerkasten an der nächsten Straßenecke fehlerhaft oder nicht vorhanden. Ich bekomme auch prompt eine Eingangsbestätigung mit einer 'Ticketnummer'. Man will sich innerhalb der nächsten zwei Tage melden. Nach drei Tagen rufe ich unter Bezugnahme auf die Ticketnummer an: "Ja, die e-mail wurde an den zuständigen Mitarbeiter weitergeleitet, er wird sich umgehend bei mir melden."
Ihr könnt Euch vorstellen, was dann nicht geschah ...
Ok, die Hoffnung stirbt zuletzt, immerhin wollte der O2 Techniker kommen und vielleicht, vielleicht ist es nur ein kleiner Dip-Schalter, den es umzulegen gilt ...
29. Dezember 2021. Tag der AKTIVIERUNG. Die ganze Nacht nicht richtig geschlafen, schon um 6:00 Uhr aufgewacht (naja, vielleicht übertreibe ich etwas, aber wirklich nur ein kleines bißchen), jedoch kein Techniker bis 11:25. Dann eine lapidare SMS auf's Telefon: Sie sind aktiviert. Erwartungsvoll nach oben zum ONT gespurtet -- aber keine zweite, blaue LED
.
Wir haben direkt bei O2 angerufen, wurden auch tatsächlich mit einem technischen Mitarbeiter verbunden. Nachdem er uns erst erklären wollte, wie man den Router mit dem ONT verbindet, haben wir ihm dann unser Problem erläutern dürfen. Fünf Minuten Warteschleife. Dann freudestrahlend die Fehlerursache mitgeteilt: "Mit Ihrer Verbindung zwischen ONT und dem GF-Netz stimmt etwas nicht."
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Meine Erwartungen wurden in jeder Hinsicht erfüllt. Es ist genau das eingetreten, was wir vermeiden wollten. UNGLAUBLICH.
Die folgende Kommunikation wurde von meiner Frau geführt, ich lag ja mit Kabelbrand im Herzschrittmacher unter dem Sauerstoffzelt.
Mehrere Telefonate mit O2, wann jemand kommt, um die Verbindung zu überprüfen, was man in der Zwischenzeit machen kann, damit wir weiterhin auf Sendung bleiben können usw.
OK, Zwei positive Aspekte in dem Drama mit Ansage:
- Was für O2 gilt, gilt auch für die Telekom: vor dem 3. Januar wird kein Techniker aktiv. Das bedeutete für uns, dass die Telekom nicht am 29. Dez. abschaltete, sondern erst am 4. Jan. Glück im Unglück.
- Eine wirklich nette und kompetente Dame bei O2 leitete die Zusendung eine SIM-Karte in die Wege. Sie sollte mit einem Gratis-Surfguthaben von 200 GB aufgeladen sein. Das könnten wir dann als mobilen Hot-Spot benutzen.
- Die SIM-Karte traf auch tatsächlich am 4. Januar ein, wurde in mehreren zeitaufwändigen Telefonaten aktiviert, am Tag darauf standen auch die 200 GB zur Verfügung, aber trotz LTE-Netz war der Aufbau von Internet-Seiten grotten-langsam. An Streamen von Netflix oder Prime nicht zu denken. Aber immerhin rudimentäre Internetfunktionalität.
Als uns am 11. Januar bei UGG immer noch Märchen erzählt wurden, haben wir dann den ultimativen Joker gezogen. Ich erinnerte mich an meinen Freund bei der Gemeindeverwaltung. Der hat mir dann den Zauberkontakt vermittelt und - Ihr glaubt es nicht - innerhalb von zwei Stunden klingelte es an der Haustüre und sage und schreibe DREI spanische Fachkräfte standen dort. GF-Leitung ausgestöpselt, Mess-Laser angeschlossen, HÜP überprüft: "There must be a problem with the connection to the network distribution cabinet or with the main POP." (Dieses Mal konnten die Herren - ebenfalls aus Venezuela nur Englisch - egal).
Also sind wir gemeinsam zum Netzwerkverteiler gestiefelt, haben den grauen Schrank aufgeschlossen, die fragliche Spleißkassette geöffnet und oh Wunder: leer. Dafür leuchtete mich ein kleiner, roter Punkt bei den liebevoll aufgewickelten GF-Leitungen an, welche noch auf den Anschluss warteten. Das war meine Leitung. Einfach noch nicht in die Hauptleitung eingespleißt. Wohl vergessen ...
Nachdem der Spleiß bei Eiseskälte vollzogen war (hätte man einfacher haben können) und der ONT mit der neuesten Software-Version ge-updatet war, baute sich die Verbindung innerhalb der nächsten 50 Sekunden auf. Seitdem sind wir Glasfaser-online. WOW.
Fazit kommt morgen, Ade für heute.