Kostenlose Installation Deutsche Glasfaser in Mehrfamilienhaus?

  • Hallo!

    Ich benötige einmal euren fachkundigen Rat. Meine Schwiegereltern sind Eigentümer einer vermieteten Wohnung. Die anderen Wohnungen im Haus sind teilweise eigengenutzt, teilweise vermietet. Nun ist die Deutsche Glasfaser auf die Hausverwaltung zugegangen und hat angeboten, "kostenlos" auszubauen. Zitat aus der Mail der Hausverwaltung "Die Deutsche (Glasfaser) verlegt derzeit den Hausanschluss kostenlos in Gebäude mit mehr als 4 Einheiten und bietet den kostenlosen Vollausbau an. Wie der Vollausbau im Detail aussehen soll konnte mir auch der Berater der Deutschen Glasfaser nicht sagen. Ebenfalls konnte ich keine Auskunft zu den Kosten bekommen, da diese nur mit dem Endkunden vereinbart werden können." Nun werde von allen Eigentümern eine schriftliche Zustimmung oder einen Beschluss in der Versammlung benötigt.

    Die Eigentümer fragen nun verständlicherweise nach den Kosten.

    Einer zitiert die AGB und fragt nach dem genannten Baukostenzuschuss: "Voraussetzung dafür ist, dass der Ausbau des Glasfasernetzes im Anschlussgebiet des Kunden erfolgt und der Grundstückseigentümer die Nutzung des Grundstückes und dessen Anschluss an das Telekommunikationsnetz der Deutsche Glasfaser gestattet und ein vereinbarter BAUKOSTENZUSCHUSS bezahlt wird.“


    Kabelanschluss liegt bereits im Haus. In wieweit Leerrohre genutzt werden können, ist nicht bekannt. Ebenso nicht, ob die Mieter hieran Interesse haben. Ich habe bereits den folgenden Link gefunden: https://www.deutsche-glasfaser.de/mehrfamilienhaeuser/ Aber vielleicht könnt ihr und insbesondere alfalfa etwas zum Vorgehen und dem vermeintlich kostenlosen Anschluss etwas sagen. Ich bin ja grds. dafür, möchte aber die Angst vor den Kosten nehmen.


    Vielen Dank für Eure Rückmeldung!

    Beste Grüße

    Sven


  • Durch die Novellierung des WEG ist mittlerweile kein Beschluss der Eigentümergemeinschaft notwendig, um in die Wohnung eines Eigentümers einen Glasfaseranschluss legen zu lassen. Allerdings trägt der Eigentümer hierfür vollumfänglich die Kosten. Da in Mehrfamilienhäuser die Brandschutzbestimmungen besondere Bedeutung erlangen, sind diese die eigentlichen Kostentreiber. Da kommen schnell mehrere tausend Euro pro Wohnung zusammen, wenn der Ausbau auf eigene Faust (nicht gefördert durch DG) vorgenommen wird.


    Allerdings wird DG den Vollausbau (=Glasfaseranschluss in jede Wohnung) nicht ohne abgeschlossenen TK Vertrag vornehmen. Freilich kann man den Mieter nicht zwingen einen Vertrag abzuschließen, jedoch kann das der Eigentümer - er muss den Anschluss ja nicht nutzen! Insofern können Kosten für 24 Monate Nutzung anfallen.


    Nun gibt es aber auch TKG §72 Glasfaserbereitstellungsentgelt. Darin ist geregelt, das die Kosten eines Ausbaus auf die Mietnebenkosten umgelegt werden können! Das sind 60€/Jahr für 5 Jahre und bei aufwändigeren Maßnahmen darf auf 9 Jahre ausgedehnt werden (maximal also 540€).


    Auf alle Fälle kann ich nur dazu raten den kostenlosen Vollausbau durch DG durchführen zu lassen, günstiger wird es nicht! Sofern der Mieter keinen Anschluss möchte, kann der Vermieter/Eigentümer diesen abschließen. Das Bereitstellungsentgelt kann in jedem Fall für 5 Jahre erhoben werden.

  • Na ja ein direkter Wiederspruch ist das ja nicht. Der Ausbau, sprich die Baumaßnahmen im Haus (die notwendig sind), werden nicht berechnet.


    Klar ist natürlich, das der TK Vertrag nicht geschenkt wird! Ob alle Wohneinheiten einen Vertrag abschließen müssen oder nur wenige, ist Verhandlungssache. Rein formell darf das nur der Verwalter mit DG abstimmen, in der Praxis ist das meistens jemand vom Beirat oder ein anderer Eigentümer und der Verwalter unterschreibt den Vertrag im Namen der Eigentümergemeinschaft. Ebenso ist die Höhe des erwähnten Baukostenzuschusses reine Verhandlungssache.

  • OK. Verstehe. Das heißt also wir sollten am besten auf die Hausverwaltung zugehen und nach den konkreten Konditionen fragen, zu denen der Ausbau erfolgen würde. Also: wie viele Parteien müssen einen DG Vertrag abschließen. Welche Zuschüsse zu den Baukosten sind fällig?

    Ach und noch etwas: auf der Website steht, dass man als Eigentümer selbst in der Verantwortung wäre, die Leitung zur Wohnung "frei" zu machen, also Leerrohre legen etc. Was beinhaltet denn dann der Vollausbau?

  • Der richtige Weg ist, das sich ein/die Eigentümer mit dem Projektleiter von DG zusammensetzt und die oben erwähnten offenen Fragen klärt. Am Besten unter Einbeziehung des Verwalters.


    Ich gebe noch zu Bedenken, das das Nebenkostenprivileg, das die Gebühren für Kabelfernsehen auf die Mieter umlegbar macht, Mitte 2024 wegfällt. Ab dann müssen die Mieter direkt mit dem Kabelfernsehanbieter einen Vertrag abschließen (oder der Eigentümer trägt die Kosten vollständig aus eigener Tasche). Das kann auch noch ein Argument pro Glasfaser für Mieter und Eigentümer sein.

  • Bevor es dieses spezielle Angebot für Mehrfamilienhäuser gab, war es schon so, dass es reichte, wenn einer im Haus einen Anschluss bestellt hat, damit für alle Wohneinheiten der Anschluss von draußen bis zum HÜP im Haus gelegt wurde. Die Installation der Anschlüsse in den Wohnungen fand dann aber nur für die bestellten Anschlüsse statt.


    Mein Verständnis dieses Angebots ist, dass die restlichen Anschlüsse jetzt auch bis in die Wohnung installiert werden, aber dass die Bedingungen dafür sind wie vorher schon für die bestellten Anschlüsse: Der Leitungsweg muss vom Kunden bzw. Eigentümer vorbereitet werden.


    Man kann die Herstellung des Leitungswegs auch vom Bauunternehmen machen lassen, aber das ist nicht kostenlos und schließt w.i.m.r.e. nicht die wahrscheinlich nötige Brandschottung ein. Es wird dann auch nur aufputz verlegt. Das halte ich in vielen Fällen nicht für eine gute Wahl.


    Die Kosten für die Bereitstellung der Leitungswege im Haus zwischen HÜP und Wohnung fallen also nach meiner Lesart auch für die Anschlüsse an, die nicht mit einem Internettarif bestellt werden, was vielleicht schwer zu vermitteln ist. Man kann dann auf die Installation dieser Anschlüsse verzichten, was die Installation im Falle eines späteren Anschlusses natürlich nicht billiger macht.

  • OK, also in Prinzip dasselbe Vorgehen, wie in einem Einfamilienhaus, nur dass im hier geschilderten Fall unabhängig von der Buchung eines Tarifs durch die jeweiligen Mieter bereits die Verkabelung im Haus vorgenommen wird. Habe ich das richtig verstanden?

  • Mittlerweile liegt der Gestattungsvertrag für Mehrfamilienhäuser vor.

    Er beinhaltet den kostenlosen Vollausbau mit Glasfaser für jede Wohneinheit, sofern mindestens 1 Endkundenauftrag vorliegt. Inclusive sind alle Material- und Lohnkosten, vorbehaltlich einer Hausbegehung, in der zusätzlich notwendige Baumaßnahmen (z.B. Brandschutz) und daraus resultierende Mehrkosten ermittelt werden.


    Das Thema Brandschutz wurde hier ja bereits erwähnt. Hat hierzu jemand Erfahrungen, wie wahrscheinlich hier Mehrkosten zu erwarten sind?

  • Die oben verlinkte "Mehrfamilienhäuser" Seite gibt vermutlich nicht dieses Angebot für Häuser mit mehr als 4 Wohneinheiten wieder. Es gibt eine Pressemitteilung von 2020 dazu. Dort steht:

    Zitat

    Ab dem ersten Kundenvertrag ist [...] die gesamte Anschlussvorbereitung (inklusive Leerrohrarbeiten im Gebäude) kostenlos für Eigentümer und Mieter.